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Sharon Kovacs präsentierte ihre "Shades Of Black" im Beatpol

Sharon Kovacs präsentierte ihre "Shades Of Black" im Beatpol

Vorgestern erlebte die Dresdner Musikklubszene einen der wunderbaren Abende, die ihre krasse Untersubventionierung im Vergleich zur satten Hochkultur kurz vergessen lassen. Sarah Ferri versus Sharon Kovacs hieß die sagenhafte Fernpaarung fürs Publikum.

Dresden. Vorgestern erlebte die Dresdner Musikklubszene einen der wunderbaren Abende, die ihre krasse Untersubventionierung im Vergleich zur satten Hochkultur kurz vergessen lassen. Sarah Ferri versus Sharon Kovacs hieß die sagenhafte Fernpaarung fürs Publikum, die man auch mit Belgien gegen Holland oder Tonne gegen Beatpol oder Schießgasse gegen Briesnitz übersetzen könnte.

Beides junge grazile Damen, jeweils mit einem grandiosen Debütalbum gestartet, mit einer souligen Stimmkraft und gediegenen Ausbildung und - glaubt man den Videos im Netz - einem ganz eigenen Rollenspiel gesegnet, die Live-Höhepunkte versprechen, aber bei zeitgleichen Auftritten eine schwere Entscheidung abnötigen, die die Redaktion frei dem Rezensenten überließ.

Die knappe Wahl für den Beatpol war vermutlich richtig: Denn es war Kovacs' erster und bislang einzig geplanter Trip in den wilden Osten, den knapp 300 Leute sehen wollten. Sie wurden Zeuge eines runden Abends ohne Überlänge, der lange in Erinnerung bleiben wird. Denn selten sind alle Vorschusslorbeeren so rasch bestätigt wie im legendären Rocktempel am Rande der Stadt: Kovacs, 1990er Jahrgang und ausgebildet am Rock City Institute in Eindhoven, hat eine dunkle, kräftige Stimme, bei der ihr Management mit Vergleichen wie Grace Jones, Shirley Bassey oder gar Ami Winehouse wirbt, während sie selbst für Diven wie Janis Joplin oder Etta James schwärmt. Auch Kate Bush oder Björk könnten im Plattenschrank Patin gestanden haben - die Scheibe "Shades Of Black" startete von Null auf Eins in der Verkaufstabelle des Nachbarlandes.

Rein optisch hingegen setzt sie ihre eigene Marke: Ein Fellwuschel verdeckt anfangs ihren kurz geschorenen Kopf - die Wolfsfrau soll sie sein, dazu schwarzes, ärmelloses Korsett, schwarzer Minirock, schwarze Strümpfe - ein Kleiderständer bietet verschiedene Hüte und eine Stola zur ergänzenden Verwandlung, die auf der Bühne ähnlich kunstvoll anmutet wie im Netz. Daneben ein alter Beistelltisch mit Lampe, Kristallkaraffe, Glas und altem Telefon - mit eingebautem Mikrofon für einen ihrer finsteren Sehnsuchtssongs, die als Perlenkette den Soundtrack zu einem Film ergäben, den man wohl besser nicht sehen mag, obwohl sie nie böse oder wütend werden, sondern einfach nur ergreifend großartig traurig klingen.

Die eigentliche Überraschung ist aber die Bandaufstellung: Links vorn residieren drei junge Damen, die Violine, Cello und Bassgitarre spielen, dahinter, aus Akustikgründen umgeben von einer durchsichtigen Plastikwand, der Schlagzeuger, rechts hinten der Pianist am echten Klavier, davor der Gitarrist - allesamt vom Fach. Dazwischen tanzt Kovacs: nicht dynamisch, nicht feminin überbordend, eher sorgfältig kalkuliert bis zerbrechlich - aber mit einer Stimme, bei der sie ihr Retro-Mikro möglichst weit weg halten muss.

Nach knapp achtzig Minuten in einem runden Fluss, nur durch kurze Zwischenfragen unterbrochen, gesteht sie plötzlich eine schlechte Nachricht: Sie hätten nur noch einen Song, versprach aber, dass sie hart arbeiten würden, damit ihr Repertoire, hier von einem reifen Publikum warmherzig aufgenommen, fürs nächste Mal rasch anwüchse. Zwei Songs später glaubten oder hofften das alle - und auch, dass sie ihren Weg zielstrebig weiter geht - weiter als Janis oder Amy.

andreas herrmann

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