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Semperoper präsentiert Spielzeit 2016/2017

350 Jahre, neue Spielstätte, Kooperationen: Semperoper präsentiert Spielzeit 2016/2017

Die Semperoper feiert 350 Jahre Operngeschichte in Dresden und bietet ihrem Publikum 13 Premieren in der neuen Saison. Mit „Semper Zwei“ stehe ab Oktober zudem eine neue Spielstätte bereit, teilte der kommissarische Intendant Wolfgang Rothe am Mittwoch mit.

Konturenhaft soll auch die kommende Spielzeit werden.
 

Quelle: dpa

Dresden.  Ohne Weltoffenheit keine Oper. Musiktheater ist ein seit je verbindendes Genre, das die Sinne des Menschen anspricht und fordert. Musik und Theater stehen gleichberechtigt miteinander, zum Gesang kommen die darstellenden Künste Schauspiel und Tanz, unterstützt von Orchester und Ausstattung wird Musiktheater zum Gesamtkunstwerk. Nicht zu vergessen die architektonische Hülle, im Fall der Semperoper äußerst stimmungsvoll.

Seit bald 350 Jahren wird hier Oper gespielt. Zuerst im Klengelschen Opernhaus, später in klassischen Idealbauten Gottfried Sempers. Voriges Jahr gab es den 30. Geburtstag des wiedereröffneten Semperbaus, 2017 stehen „350 Jahre Oper in Dresden“ an. Es findet in einer Zeit statt, da diese Oper neben der täglich gelebten Internationalität – ohne die aus vielen Ländern stammenden Künstlerinnen und Künstler wäre deren Erfolg undenkbar und würden hier nicht Menschen aller Nationen begeistert – die Weltoffenheit ihrer Arbeit besonders betonen muss. Der gegenwärtig von Dresden ausgehende Ruf steht für Abschottung und Biedersinn, für gefährliche Dummheit wohl auch.

In vielfältiger Weise hält die Oper dagegen und wehrt sich, als Kulisse missbraucht zu werden. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ fordert sie nicht nur verbal zum Theaterplatz hin, sondern auch auf den Bühnen. Im Plural, zur großen Bühne kommt bald „Semper Zwei“, um direkter in den Alltag zu wirken. Eröffnet wird dieser spartenübergreifende Kunst-Raum im einstigen Gastronomiewürfel am Zwinger. Die bisherige Probenbühne soll wieder ihrem ursprünglichen Zweck dienen.

Um die Würde des Menschen geht es im Musiktheater schon immer. Seit der Antike sind Menschheitsdramen Bühnenkunst. Für die Jubiläumsspielzeit wird dies an der Sächsischen Staatsoper explizit fortgeführt. Acht Opern- und zwei Ballettpremieren sowie drei neue Projekte der Jungen Szene wurden gestern für die neue Saison angekündigt. Der Spielzeitauftakt setzt „Hausgott“ Richard Strauss mit „Salome“, die das Uraufführungsorchester unter Leitung von Omer Meir Welber erklingen lässt.

Auch in Jacques Offenbachs Fünfakter „Les Contes d’Hoffmann“ ist Format gefragt und werden Regisseur Johannes Erath sowie Gastdirigent Frédéric Chaslin für Antwort sorgen. Das Jubiläumsjahr beginnt spannend mit der Burleske „Alles Schwindel“ des auch in Dresden ausgebildeten Multitalents Mischa Spoliansky, der in Warschau und Wien aufwuchs und 1933 nach London emigrierte, wo er als Filmkomponist für Furore sorgte. Eine Rarität, die Malte C. Lachmann inszenieren wird, der gerade am Schauspiel Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ probt. Max Renne (zuletzt „R. Hot“) dirigiert. Als fester Kooperationspartner des Hauses bringen die Osterfestspiele Salzburg in wenigen Tagen Giuseppe Verdis „Otello“ heraus, den der französische Regisseur Vincent Boussard mit José Cura im Titelpart herausbringen wird (der Tenor kommt bereits im Herbst als „Tosca“- Cavaradossi!). Die musikalische Leitung der Salzburg-Übernahme wird, zumindest zur Dresden-Premiere im Februar 2017, Chefdirigent Christian Thielemann innehaben, der darüber hinaus die Wiederaufnahmen von Wagners „Rheingold“ und „Siegfried“ zur Chefsache erklärt hat und bekennt: „An diesem Haus muss ein ‚Ring‘ sein!“

Premieren (Auswahl)

Oper

24. September 2016: Richard Strauss „Salome“

4. Dezember 2016: Jacques Offenbach „Les Contes d’Hoffmann“

20. Januar 2017: Mischa Spoliansky „Alles Schwindel“

23. Februar 2017: Giuseppe Verdi „Otello“ (Kooperation Osterfestspiele Salzburg)

19. März 2017: Ferruccio Busoni „Doktor Faust“

15. April 2017: Wolfgang Amadeus Mozart „Die Entführung aus dem Serail“

28. April 2017: Salvatore Sciarrino „Lohengrin“ (Kooperation Osterfestspiele Salzburg)

24. Juni 2017: Mieczysław Weinberg „Die Passagierin“ (Kooperation Oper Frankfurt)

Ballett

5. November 2016: Aaron S. Watkin Don Quixote

20. Mai 2017: George Balanchine/Jiři Kylian / William Forsythe Vergessenes Land – Dreiteiliger Ballettabend

Junge Szene

16. Oktober 2016: Ali N. Askin the killer in me is the killer in you my love, Uraufführung – Auftragswerk der Semperoper

25. November 2016: Joseph Hernandez Exit Orakel (Arbeitstitel) Uraufführung

18. Mai 2017: Jens Joneleit Schneewitte

Mit Ferruccio Busonis „Doktor Faust“ holt Dresden ein weiteres hier uraufgeführtes Werk zurück und rundet Keith Warner nach Berlioz- und Gounod-Inszenierungen seine faustische Trilogie ab. In Regie und Bühnenbild von Michiel Dijkema gibt es Mozarts „Entführung aus dem Serail“ mit Christopher Moulds – Zentrum österlicher Mozart-Tage, zu denen die drei da-Ponte-Opern sowohl komplett als auch in einem nur einstündigen, von Omer Meir Wellber „angerührten“ Pasticcio erklingen. Von den zeitgleich stattfindenden Osterfestspielen kommt nach nicht mal drei Wochen Salvatore Sciarrinos Kammeroper „Lohengrin“ auf „Semper Zwei“ heraus, wo Manfred Weiß Künstlerischer Gesamtleiter ist und als Auftragswerk für junge Leute die Uraufführung „the killer in me ist the killer in you my love“ von Ali N. Askin inszeniert. Jüngste Zuschauer bekommen dort „Schneewitte“ von Jens Joneleit, die Ballettomanen „Exit Orakel“ des Tänzers Joseph Hernandez kredenzt.

Auf die große Bühne setzt Ballettchef Aaron S. Watkin seine Neukreation „Don Quixote“. Es folgt ein Projekt mit Choreografien von George Balanchine, Jirí Kylián und William Forsythe. Eingeladen ist das Ballett nach Paris und Johannesburg.

Die wohl größte Überraschung der gestrigen Spielzeit-Pressekonferenz ist eine Kooperation mit der Oper Frankfurt, von wo Anselm Webers Inszenierung „Die Passagierin“ übernommen wird. Dieses Werk von Mieczyslaw Weinberg entstand zwar schon 1969, ist aber erst 2006 uraufgeführt worden und berührt mit eindringlicher Musik zu einem Mahnmal der Opfer von Auschwitz. Auch das ist die Welt-Offenheit des Musiktheaters.

www.semperoper.de

Von Michael Ernst

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