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Semperoper Dresden bemüht sich nach Chef-Eklat um Schadensbegrenzung

Semperoper Dresden bemüht sich nach Chef-Eklat um Schadensbegrenzung

Die Semperoper gibt erneut eine Stellenanzeige auf. Nach dem überraschenden Rauswurf des designierten Intendanten Serge Dorny sechs Monate vor seinem geplanten Amtsantritt im September dreht sich nun wieder das Personalkarussell.

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Serge Dorny muss gehen bevor er wirklich angekommen ist.

Quelle: Sebastian Kahnert/Archiv

Seit dem Tod von Intendantin Ulrike Hessler im Sommer 2012 ist der Chefsessel in Dresden verwaist. Dorny sollte ihn ausfüllen und wird nun schon im Vorzimmer zurückgeschickt. Bewerber müssen vor allem eines können: mit Dirigent Christian Thielemann harmonieren.

Die Geschichte hat das Zeug zum dramatischen Opernstoff: Zwei Männer ringen um die Vorherrschaft. Der eine weiß eine Truppe in Orchesterstärke hinter sich, der andere will auf noch unbekanntem Terrain Stück für Stück Gebietsgewinne. Und weil er das nach Einschätzung mancher vor allem im Alleingang macht, stößt er schnell an Grenzen. Nicht nur an die Reichsgrenzen seines Widersachers. Am Ende tritt sozusagen eine Königin im Ministerrang als Richterin auf und nimmt den unterlegenen Kandidaten einfach aus dem Rennen - heute reicht dazu die Aufkündigung eines Arbeitsvertrages.

Was sich am Freitag an der Semperoper Dresden abspielte, ist ein kleiner Opernskandal - jedenfalls einer hinter der Bühne. Während man bei personellen Zerwürfnissen sonst diplomatische Formulierungen wie die vom „gegenseitigen Einverständnis“ findet, ließ die Erklärung der sächsischen Kunstministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) zur fristlosen Kündigung des designierten Semperoper-Intendanten Dorny nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Er habe „kein Klima des gedeihlichen und vertrauensvollen Miteinanders“ etablieren können und Vertrauen in kürzester Zeit verspielt.

Entscheidungen seien „unangemessen kommuniziert, die Verantwortlichen nicht eingebunden und der Betriebsfrieden dadurch nachhaltig gestört“ worden“, hieß es. Unter der Hand ist die Sprache noch rauer. Da ist von „maßloser Eitelkeit“ und „unverschämtem Auftreten“ die Rede. Dorny bleibt in seiner Reaktion eher diplomatisch und hinterfragt das Gesamtprojekt Semperoper. Sein Scheitern bringt er vor allem mit Dirigent Thielemann in Verbindung. Der sei nicht bereit gewesen, an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Im Status der Staatskapelle Dresden sieht er ein Hemmnis der Entwicklung.

Das stellt Fragen nach dem Status quo des Orchesters. Tatsächlich spielt die Staatskapelle Dresden in einer anderen Liga als die Oper. Mit Thielemann ist das Renommee sogar noch gestiegen. Die Semperoper war dagegen wegen finanzieller Beschränkungen bisher nicht in der Lage, bei den Top-Stars immer mitbieten zu können. Dennoch wird das Haus von vielen Regisseuren für sein gutes Ensemble und die Kompetenz aller Mitarbeiter gelobt. Die Oper hat nicht zuletzt bei ihrer „Elektra“ (Strauss) im Januar gezeigt, dass sie höchstes Niveau erreichen kann. Für das Ballett gilt das schon seit längerem.

Für die Semperoper wird es nun darum gehen, Schadensbegrenzung zu betreiben. Der Spielplan für 2014/2015 steht, Oper wird langfristig geplant. „Wir werden mit Sorgfalt in den nächsten Tagen über weitere notwendige Schritte entscheiden. Geschäftsführer Wolfgang Rothe wird die Oper kommissarisch leiten“, erklärt Annett Hofmann, Sprecherin des Kunstministeriums. Eine juristische Auseinandersetzung mit Dorny schließt man in Dresden nicht aus. Ob der Belgier auf Wiedereinstellung klagt, ist noch unklar.

In mehreren Punkten steht Aussage gegen Aussage. Das Ministerium will nach eigenem Bekunden immer mit offenen Karten gespielt haben. „Herr Dorny wusste aus den mit ihm geführten Verhandlungen bereits vor der Unterzeichnung detailliert auch von den hier maßgeblichen Inhalten des Vertrages mit Herrn Thielemann. Ihm ist nicht nur die Situation geschildert und erläutert worden, sondern ihm sind die einschlägigen Passagen aus dem Vertrag mit Herrn Thielemann vorgelesen worden“, sagt Hofmann.

Dorny stellt das anders dar und wirft dem Ministerium mangelnde Transparenz vor. „Wäre ich von Anfang an in vollem Maße über die gegebenen Verhältnisse informiert gewesen, hätte ich das Angebot von Frau von Schorlemer ablehnen müssen“, sagt er mit Blick auf seine Nominierung. Er sei als Intendant eines Drei-Sparten-Hauses verpflichtet worden und nicht für die Stelle des Operndirektors.

Jörg Schurig, dpa

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