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Semperoper Dresden: Schostakowitsch-Operette mit Zeitreise in die Gegenwart

Semperoper Dresden: Schostakowitsch-Operette mit Zeitreise in die Gegenwart

Zurück in die Zukunft: Die Semperoper hat eine Operette von Dmitri Schostakowitsch aus dem Jahr 1959 wieder aufgelegt und damit einen aktuellen Hit gelandet.

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Michael Kranebitter (Barabaschkin) und eine Sängerin des Sinfoniechors Dresden bei den Proben zur Neuinszenierung von „Moskau, Tscherjomuschki“.

Quelle: Arno Burgi dpalsn

Für die Premiere von „Moskau, Tscherjomuschki“ in der Regie von Christine Mielitz gab es am Freitagabend in der kleinen Spielstätte der Dresdner Oper viel Beifall. Schostakowitsch (1906-1975) hatte das turbulente Stück in der sowjetischen Tauwetter-Periode nach dem Tode Stalins geschrieben und dabei das von Staatschef Nikita Chruschtschow angekurbelte Wohnungsbauprogramm satirisch auf Korn genommen.

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Mit der Neuinszenierung von Schostakowitschs musikalischer Komödie „Moskau, Tscherjomuschki“ landete die Semperoper einen Hit.

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Ort der Handlung ist die tatsächlich existierende Plattenbausiedlung Tscherjomuschki im Südwesten Moskaus. Die Wohnungsnot ließ Bürger damals jubeln, wenn sie dort eine Zuweisung für eigene vier Wände  erhielten. Allerdings gab es im real existierenden Sozialismus noch genügend Hindernisse, bis man das Objekt der Begierde schließlich beziehen konnte. Davon können auch die Helden bei Schostakowitsch manches Lied singen. Allein um an die Schlüssel zu bekommen, müssen sie den Hausmeister ordentlich schmieren. Dafür wird nicht nur Geld eingesetzt, sondern selbst eine verstaubte Stalin-Büste.

Der einstige Despot hat ein paar Jahre nach seinem Tod scheinbar keine Anhänger mehr. Bauleiterin Ljusja glaubt zumindest noch an die sozialistische Idee. Den meisten Protagonisten geht es um den eigenen Vorteil. Erstrebenswert ist zum Beispiel eine Wohnung mit vier Zimmern, die im genormten System für normale Leute nicht vorgesehen ist. Dennoch wird auch auf kleinerem Raum Lebenslust ausgelebt. Wodka- und Sektflaschen machen bei der Einzugsparty die Runde.

Christine Mielitz huldigt mit ihrer Inszenierung keineswegs der Erinnerung an gute oder schlechte Zeiten. Sie lässt ihre Figuren erfrischend zeitgemäß agieren. Auch wenn vielleicht nicht alle Andeutungen gerade für junge Leute verständlich sind: Die Wohnungssuche ist inzwischen nicht nur in Städten wie Hamburg und München für Normalbürger wieder ein handfestes Problem. Mit Witz und Tempo spielt Mielitz die Handlung 100 Minuten lang durch. Keine Sekunde kommt Langeweile auf. Selbst ein Chor der Ratten - Synonym für die Fäulnis im gesellschaftlichen System - sorgt für Zwischentöne.

Und dann die Musik: Dirigent Michail Agrest schrieb nachdenkliche Worte ins Programmheft. All die Zitate und Anspielungen würden „Moskau, Tscherjomuschki“ zu einem tiefgründigen Werk machen, dessen doppelbödige Kompositionsweise im heutigen Russland wieder aktuell sei: „Wieder sollen wir Russen Feinde in jedem Andersdenkenden sehen und die Ideale, die uns vorgebetet werden, glauben. Wieder haben wir Angst, unsere Meinung frei zu äußern.“ Vor zehn Jahren sei Schostakowitschs Operette vielleicht nur von historischem Interesse gewesen: „Heute aber ist sie aktueller denn je.“

Jörg Schurig, dpa

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