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Semperoper-Ballettchef Aaron S. Watkin bleibt bis 2020 in Dresden

Semperoper-Ballettchef Aaron S. Watkin bleibt bis 2020 in Dresden

Das Semperoper Ballett zieht mit Rückblick auf 2014 eine sehr gute Bilanz, und auch für die nächsten Jahre kann Ballettchef Aaron S. Watkin mit seiner Kompanie so interessanten wie spannenden Herausforderungen entgegen sehen.

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Ballettdirektor Aaron S. Watkin

Quelle: Ian Whalen

Gewinner ist das Publikum, nicht nur in Dresden. Da sprechen zunächst die Zahlen, auf die Ballettbetriebsdirektor Adi Luick verweist: Gab es bei 63 Vorstellungen in der Spielzeit 2012/13 eine Auslastung von 89,2 Prozent, so waren es bei einer Vorstellung mehr in der Saison darauf schon 90 Prozent. Tendenz weiter steigend. "Tschaikowski-Klassiker wie Schwanensee und andere Handlungsballette stehen in der Publikumsgunst obenan", so Luick. Mehrteilige Abende hätten es etwas schwerer, allerdings sei auch hier eine wachsende Akzeptanz bei entsprechendem Interesse an zeitgenössischen Kreationen zu beobachten, zumal es nicht übertrieben ist zu betonen, dass die derzeit angesagten Choreografen gerne mit den Dresdner Tänzerinnen und Tänzern arbeiten.

Nicht ohne Stolz verweist Ballettdirektor Aaron S. Watkin darauf, dass der berühmte Choreograf Alexey Ratmansky für seine erste Uraufführung in Deutschland das Semperoper Ballett wählte. Mehr noch, erstmals ließ sich dieser Meister klassischer und neoklassischer Tanzkunst darauf ein, seine Interpretation der Tanzsuite nach Couperin von Richard Strauss in ein bis dahin für seine Arbeiten ungewöhnliches, zeitgenössisches Raum- und Lichtkonzept von Patrik Bogårdh zu stellen.

Große Akzeptanz, gerade mit Kreationen der Gegenwart, konnte das Semperoper Ballett im letzten Jahr bei Gastspielen in New York, in Österreich und vor allem in Paris verbuchen. Schon lange weiß man in der internationalen Tanzszene, dass es Aaron S. Watkin, der am 1. August 2006 seine Arbeit als Ballettdirektor in Dresden begann, gelungen ist, eine Kompanie zu etablieren, die ausgehend von klassischen Grundierungen in der Lage ist, das weite Spektrum der Moderne technisch und stilistisch sicher zu präsentieren. Für den Ballettdirektor heißt dies im Rückblick auf die Gastspielerfolge des letzten Jahres: "Die Mundpropaganda war da, aber jetzt hat die Welt uns gesehen". Man möchte die Dresdner sehr gerne wieder sehen, sei es in Barcelona, Antwerpen, New York, Paris oder dann 2017 auf einer großen Nordamerikatournee.

In New York, Paris und in Österreich hatte die Presse mit Lob ja auch nicht gespart. Von besonderer Bedeutung ist es, dass die Dresdner in Paris, wo man die Kreationen von William Forsythe kennt und liebt, sogar mit einer Arbeit wie "In the Middle, Somewhat Elevated", einst für das Ballett der Pariser Oper und keine Geringere als Sylvie Guillem geschaffen, gefeiert wurde. Das sah auch die Financial Times in ihrer Ausgabe vom 1. November so und schrieb zum Gastspiel im Pariser Théâtre de la Ville, dass die Dresdner mit einem Schlag in der Ballettwelt angekommen seien. In der New York Times sprach Roslyn Sulcas von einem "Tempel der Virtuosität" und lobte die musikalische Sensibilität der Tänzer; und im Pariser Portal Concerto.net schreibt Oliver Brunel, dass man eine großartige Company sah und dass sie mit Aaron S. Watkin einen Leiter habe, der geradezu privilegiert sei im Hinblick auf die Werke seines einstigen Lehrers William Forsythe.

Natürlich, so Aaron S. Watkin im Gespräch, habe Forsythe eine besondere Bedeutung für das Semperoper Ballett gewonnen, aber die Beschränkung darauf reiche nicht aus im Hinblick auf die Weite des zeitgenössischen Repertoires. Diese Kompanie könne es sich leisten, einen Klassiker wie Alexey Ratmansky zu zeigen und im stilistischen Gegensatz dazu den Ansprüchen eines gerade international gefeierten Newcomers wie Alexander Ekman gerecht zu werden. Das Semperoper Ballett überzeugt mit Arbeiten eines Klassikers der Moderne wie Jirí Kylián ebenso wie etwa mit der berühmten Choreografie "She Was Black" von Mats Ek, der in diesem Jahr, am 18. April, seinen 70. Geburtstag feiern wird. Gefeiert wird in Paris, mit einer Gala im Théâtre des Champs-Elysées. Die Dresdner erfüllen dem Jubilar einen persönlichen Wusch, wenn sie mit ihrer Version von "She Was Black" gratulieren. Zuvor aber werden sie noch in Barcelona und Antwerpen Gastspiele geben, und in Dresden steht eine Uraufführung an, ein neues Handlungsballett von David Dawson, "Tristan + Isolde", für die Musik wurde eigens ein Kompositionsauftrag an den polnischen Komponisten Szymon Brzóska vergeben.

Handlungsballette werden die Dresdner und ihre Gäste auch künftig in der Semperoper erleben, dabei kommt es Aaron S. Watkin darauf an, unterschiedliche choreografische Ansichten zu zeigen, nicht zuletzt wenn es darum gehen wird, in den nächsten Jahren die Ikonen des Tanzes mit den für sie typischen Arbeiten aus dem 20. und 21. Jahrhunderts vorzustellen. Dazu gehört auf jeden Fall ein solches Werk wie "Impressing the Czar" von William Forsythe, ab Mai dieses Jahres.

Eine Ikone des Balletts ist für Aaron S. Watkin auf jeden Fall der 1992 verstorbene britische Choreograf Kenneth McMilan. Sein bedeutendstes Handlungsballett "Manon" wird in der Saison 2016/2017 erstmals in Dresden aufgeführt. Und weiter, als wolle er begründen, wie es zu verstehen sei, dass die Dresdner Kompanie sich immer wieder gänzlich neuen Stilen zuwenden kann, geht der Blick des Chefs schon mal bis in die Spielzeit 2017/2018, dann nämlich gibt es erstmals in Dresden die Tanzoper "Iphigenie auf Tauris" von Pina Bausch mit der Musik von Gluck.

Dass es gut weiter gehen, dass sich das Semperoper Ballett in Dresden und auf Gastspielen präsentieren kann, dazu bedarf es der Sicherheit für den Bestand und die Leitung dieser Kompanie. Das weiß natürlich auch ein weit voraus blickender Mensch wie Wolfgang Rothe als Kaufmännischer Geschäftsführer und kommissarischer Intendant der Sächsischen Staatsoper. Seinem Statement und seiner Initiative, den Vertrag für den Ballettdirektor bis 2020 zu verlängern, ist nichts hinzuzufügen: "Das Semperoper Ballett hat sich unter der Leitung von Aaron S. Watkin ganz hervorragend entwickelt - davon zeugen nicht nur die jüngsten Erfolge der Gastspiele in Paris, New York und St. Pölten, die allesamt ausverkauft waren, bejubelt und von der internationalen Fachpresse gefeiert wurden, sondern auch das Renommee, das die Company unter den großen zeitgenössischen Choreografen und bei Ballettfreunden in aller Welt genießt. Um die wunderbare Arbeit Watkins mit der Company, seine kontinuierliche und kluge Erweiterung ihres Repertoires und sichtbare Etablierung ihres künstlerischen Niveaus fortzusetzen, habe ich seinen Vertrag als Direktor des Semperoper Ballett nun bis Sommer 2020 verlängert. Nicht nur für unser Haus, sondern auch für die kulturelle Strahlkraft des Freistaates Sachsen ist die Company neben der Sächsischen Staatskapelle als Kulturbotschafter von besonders großer Bedeutung."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.02.2015

Boris Gruhl

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