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Seitenwechsel auf die Bretter, die die Welt bedeuten

Seitenwechsel auf die Bretter, die die Welt bedeuten

25 Jahre stand Frank Sperling hinter der Bühne - zunächst als Regieassistent, dann in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Schauspielhauses Dresden. Jetzt wechselt er die Seiten und betritt selbst zum ersten Mal die Bretter, die die Welt bedeuten.

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Frank Sperling steht erstmals als Schauspieler auf einer Bühne. Heute feiert das Stück "Ja, ich will!" Premiere im Kleinen Haus.

Genauer: er rollt auf ihnen, denn Frank Sperling leidet an Kinderlähmung, sitzt seit 2002 im Rollstuhl. Ein Umstand, der es dem 60-Jährigen zunächst unmöglich erscheinen ließ, selbst ins Rampenlicht zu treten. Zunächst, denn heute feiern er und seine Mitstreiter mit "Ja, ich will!", einem Stück der Bürgerbühne Dresden, Premiere im Kleinen Haus.

"Es war eine riesige Überwindung für mich mit dem Rollstuhl", sagt Sperling. Weniger wegen der technischen Voraussetzungen, denn die seien im Kleinen Haus durchaus gegeben, als vielmehr wegen der psychischen Komponente, wie Sperling beschreibt. "Ich weiß von Berufs wegen, wie es ist, auf der Bühne zu stehen. Ich wusste allerdings nicht, wie es ist, darüber zu rollen", erklärt er. Dann ließ er sich doch von seiner Frau dazu überreden, an einer Informationsveranstaltung der Bürgerbühne, dem Laientheater des Staatsschauspiels, teilzunehmen. Der Rest ging ganz schnell, die Neugier hatte ihn gepackt, wie der 60-Jährige sagt: Es folgten Castings, Einzelproben und schließlich gehörte der Dresdner zu 16 Darstellern, die aus mehr als 50 Bewerbern ausgewählt wurden.

Bereut hat er diese Entscheidung nie, im Gegenteil. "Das ist eine wunderschöne Erfahrung für mich und ich konnte viel Selbstbewusstsein tanken", resümiert der 60-Jährige. Natürlich habe es auch Momente gegeben, an denen er dachte, es geht nicht mehr. "Aber genau so etwas durchzustehen und weiterzumachen, ist das Reizvolle", so Sperling. Besonders auch deshalb, weil er die andere Seite kennt: "Ich habe ja jahrelang unten gesessen und weiß, wie Theater funktionieren muss." Sich auf die anderen Darsteller einzulassen, mit ihnen gemeinsam ein Stück zu entwickeln, das sei dann aber doch eine Herausforderung gewesen.

Auf eines hinzuweisen, ist dem Dresdner wichtig: "Wir machen hier Theater, kein Theater für Behinderte!" Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass - der Zufall wollte es so - ein zweiter Rollstuhlfahrer an dem Stück mitwirkt. Dieser Meinung ist auch Regisseurin Miriam Tscholl. "Es geht nicht um Behinderungen, sondern um Ehen und zwischenmenschliche Beziehungen", erklärt Tscholl. Ein Thema, das mitten in der Gesellschaft stehe und bei jedem unterschiedliche Gefühle hervorrufe.

Letzteres verdeutlicht auch das Konzept des Stücks: Alle Darsteller wurden zu ihren Erfahrungen interviewt, ihre Geschichten dann von Autorin Lissa Lehmenkühler zu Einzelszenen umgearbeitet. "Wir sprechen keine Texte, die jemand für uns geschrieben hat, sondern erzählen aus unserem Leben", erklärt Sperling. Da Vögel in vier Interviews zufällig eine große Rolle spielten, entschied sich die Regisseurin, das Stück in der Vogelwelt anzusiedeln. "Dort gibt es eine Artenvielfalt wie im realen Leben - mal mit lustigen Vögeln, mal mit Trauerschwänen", so Tscholl. Frank Sperling verkörpert übrigens - nein, nicht den Sperling - den Kormoran.

Premiere "Ja, ich will!" heute um 20 Uhr, Kleines Haus, weitere Vorstellungen am 20. Juni, 20 Uhr, und 1. Juli, 19 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.06.2012

Christin Grödel

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