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Seelenvoller Schmerz in der Stimme: Sharrie Williams im Blue Note Dresden

Seelenvoller Schmerz in der Stimme: Sharrie Williams im Blue Note Dresden

Chicago steht auf dem Plan. Ja, tatsächlich. Aber es könnte durchaus passieren, dass man da sitzen wird, in einem jener Clubs, in denen dem traurigen Mississippi-Blues das elektrische Feuer eingeblasen wurde - und sich an diesen Abend im beschaulichen Elbflorenz im Blue Note erinnert.

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Sharrie Williams

Quelle: Dietrich Flechtner

.. An jenen Abend, an dem es groovte und rockte, die Traurigkeit des Blues einem tief in die Knochen fuhr und nur die Erlösung des Gospels helfen konnte. Den Abend, an dem Sharrie Williams, Sängerin aus Saginaw, Michigan, zu Gast war bei Lars Kutschke, Gitarrist aus Dresden, Deutschland.

Natürlich war Williams schon häufiger in der Stadt. Bekannt und geliebt für ihre große Stimme, ihre Entertainment-Qualitäten, ihre Art, mit den Menschen auf und vor der Bühne umzugehen. 2001 rockte sie das Blues Festival in den frühen Morgenstunden dermaßen, dass niemand auch nur daran dachte, sich ins heimische Schlafzimmer zu verkriechen. Und just zu Beginn dieser Woche unterstützte sie Lars Kutschke bei der Vorstellung seiner ersten CD. Nun aber gehört das Blue Note ganz und komplett ihr. Wobei sowohl an Kutschke als auch an Attila Herr am Bass, Heiko Jung an den Drums und Michael Skulski am Tenorsaxofon das Kompliment fällig ist, den perfekten Sound für diese Stimme zu prägen. Was der Gitarrist - der für Williams ja auch als musikalischer Direktor und Produzent tätig ist - im Interview mit Andreas Körner in den DNN als sein eigenes Ziel benannte.

Und es tut einfach nur gut, diese organische Einheit zu genießen. Die Perfektion, die sich nicht zur Schau stellt, sondern schlicht ist. Den satten Groove, der von der ersten Minute an alle packt. Motown, ja, auch das. Detroit ist ebenfalls vorgesehen. Aber lebt er da noch, dieser Sound? Dieser Sound!? Die Stimme, sie erinnert nicht nur an die größten des Blues, sie ist eine davon. Aretha Franklin, sie hat in jungen Jahren so geröhrt, ihr Sound auch einmal, als Keith Richards ihr bei "Jumping Jack Flash" zur Seite stand, so geknallt. Manche im Blue Note halten sich die Ohren zu. Warum? Mancher Schmerz muss sein.

"Mother's Finest" - sie waren nur live wirklich gut, jene 1979er Aufnahme ist Legende. Auch an sie denkt man, wenn Sharrie Williams es bereits beim zweiten Song schafft, das Publikum einzubeziehen. Bei manchen Stücken braucht es Reduktion, Entschleunigung - bei diesem kann es kein Zuviel geben. Kein Zögern, keine Pausen. Skulskis Sax klingt satt und voll, gegen Ende des Stückes sehr tief, Kutschkes Gitarre taucht genau in diese Tiefe ein und lässt sich mittragen. Und alle tragen diese Stimme, diese grandiose Stimme, die Höhen und Tiefen auslotet, die schmeichelt und zetert und wütet und umgarnt.

"Jealousy is a bad disease" - Eifersucht ist eine böse Krankheit. Und Lars Kutschkes Gitarre ist schmutzig, Michael Skulskis Sax gefühlig, der Blues klassisch. Hier nun geht es um die einzelnen Töne, hier wird zelebriert. Immer wieder erklingt Kutschkes Gitarre auch als perfekter Gegenpart zu Williams Stimme. "Crazy, crazy", heißt es da nach der Pause, und natürlich ist das verrückt. Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert, die Zeiten, als der Blues ein Baby bekam und sie es Rock'n'Roll nannten, sind Ewigkeiten her. Aber das Baby lebt noch. Und auch die Eltern auch. Werden vermutlich immer leben.

Es sind allesamt Williams' eigene Stücke, die wir hören an diesem Abend, einmal taucht eine Passage aus "Ain't Nobody Crying" auf, rockig geröhrt, ansonsten wurde das Rad noch einmal neu erfunden - und manchmal muss es eben sein! Das Titelstück ihrer aktuellen CD "Out of the Dark" fasziniert von Anfang an mit einem grandiosen Saxofon, Attila Herrs Bass fungiert als Melodiegeber, und es wird ein regelrechter Gänsehautsong. "We gotta go through hell to get to heaven" - Wir müssen durch die Hölle, um in den Himmel zu kommen. Magisch. Und "I'm here to stay" - Ich bin hier, um zu bleiben - glaubt man Sharrie Williams sofort. Dialektisch steht es am Ende des regulären Konzerts und wird als großes Session-Stück mit Publikumsbeteiligung gefeiert. Schauen wir mal, wie die Abende in Chicago so werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.07.2013

Beate Baumer

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