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Sebastian Koch tritt mit seinem Weihnachtsprogramm in Dresden auf

„Nur Dur ist auch langweilig“ Sebastian Koch tritt mit seinem Weihnachtsprogramm in Dresden auf

Vor rund einem Jahr begeisterte Sebastian Koch im Rahmen des Bad Homburger Poesie & Literaturfestivals über 1000 Zuhörer mit einer weihnachtlichen Lesung. Am Sonntag wird der aus Fernseh- und Kinostar auch in der Dresdner Christuskirche auftreten. Die DNN sprachen im Vorfeld seiner Lesung mit ihm.

Sebastian Koch erinnert sich noch gut an die fehlende Lebendigkeit seiner Kirchgänge als Jugendlicher. Er verspricht einen „Versuch, es anders zu machen“.
 

Quelle: Stephanie Lehmann

Dresden.  Vor rund einem Jahr begeisterte Sebastian Koch, einer der gefragtesten und erfolgreichsten deutschen Schauspieler, im Rahmen des Bad Homburger Poesie & Literaturfestivals über 1000 Zuhörer mit einer weihnachtlichen Lesung. Inzwischen ist ein von ihm eingesprochenes Hörbuch mit allerlei weihnachtlichen Texten („Und lauscht hinaus den weißen Wegen“, DAV) erschienen, seit dieser Woche ist Sebastian Koch mit dem Programm (das durch festliche Chormusik abgerundet wird) auf Tournee durch ausgewählte deutsche Kirchen. Am Sonntag (27.11.) wird der aus Fernseh- und Kinoerfolgen wie „Die Manns“, „Das Leben der Anderen“ und zuletzt „Homeland“ bekannte Schauspieler auch in der Dresdner Christuskirche auftreten. Die DNN sprachen im Vorfeld seiner Lesung mit ihm.

 Freuen Sie sich darauf, in Dresden aufzutreten?

Ja, sehr. Ich habe tolle Erinnerungen an die Stadt. Ich war ja hier für die „Superbauten“-Reihe im ZDF, wo es um die Frauenkirche ging. Eine sehr schöne Zeit, allerdings auch schon wieder sechs Jahre her. Erst kürzlich habe ich auch in Sachsen gedreht, für den neuen Film von Florian Henckel von Donnersmarck.

Künstlerische Aufführungen zur Weihnachtszeit werden ja in der Regel schon im Sommer vorbereitet. Wie sind Sie rechtzeitig in die erforderliche Stimmung gekommen?

Bei mir hängt das viel mit der Außentemperatur zusammen – je kälter es wird, desto näher rückt für mich Weihnachten. Bei unserem späten Sommer also eigentlich keine Chance für langgehegte Weihnachtsgefühle, und ich bin eben noch bei einem Filmfestival in Tel Aviv gewesen, wo es 26 Grad warm war …

Wie ist die Idee zur Lesung und zum Hörbuch entstanden?

Den eigentlichen Anstoß gab eine Lesung in der Erlöserkirche in Bad Homburg im letzten Jahr. Die Idee, in einer Kirche zu lesen, hat mir sehr gefallen. Ich bin protestantisch-methodistisch aufgewachsen, da war es immer so unglaublich ernst in der Kirche. Ich habe nie verstanden, dass ein Fest der Liebe zu Christus und Gott in der Kirche keinen Spaß machen darf. Als Jugendlicher dachte ich immer, da stimmt doch was nicht – und das denke ich heute immer noch.

Bringt Ihre Lesung den Spaß in den Kirchenraum zurück oder steht trotzdem das Ehrwürdige im Vordergrund?

So schöne Räume wie die, in denen ich lese, haben ja eine eigene Qualität, etwas Feierlich-Kontemplatives. Etwas, wo man sich sammeln und versammeln kann. Und natürlich ist Weihnachten in unserer Kultur an und für sich schon etwas Feierliches, auch wenn das inzwischen leider mit einem Kommerz einhergeht, der völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Es gibt wunderbare Texte z.B. von Axel Hacke oder Gerhard Polt, die das auf lustige und bissige Art und Weise beschreiben. Wenn die ganze Kirche in Lachen ausbricht, wenn es da Applaus gibt und wirkliche Feierstimmung aufkommt, gefällt mir das.

Der Kirchgang Ihrer Jugend hat das nicht hergegeben?

Ich war sehr aktiv in der Kirche – ich habe da Trompete gespielt, gegeigt und in der Jungschar mitgemacht. Aber eine gewisse Diskrepanz ist immer geblieben, und deswegen habe ich mich von der Kirche zurückgezogen. Mir war das zu steif, nicht lebendig genug. Dies ist jetzt ein Versuch, es anders zu machen.

War bei Ihnen auch daheim weihnachtliches Musizieren angesagt?

Natürlich! Und auch da musste man vorspielen. Ich fände es schöner, etwas von dieser Anspannung herauszunehmen – es war alles mit Ritualen voll gespickt, man musste auch irgendwelche Gedichte auswendig lernen. Ein so unglaublicher Druck fühlt sich für mich halt nicht lebendig an.

Ihre Textauswahl erklärt sich dann sicher vor diesem Hintergrund.

Genau. Ich habe Texte gesucht, die ich gern lese und die mir Spaß machen, etwa von Gerhard Polt oder Hanns Dieter Hüsch. Aber auch ein Rilke-Gedicht, von dem ich nicht wegkam. Sehr traurig, aber auf eine Art auch sehr protestantisch-ernst, und von einer ungeheuren Sprachgewalt. Man will ihm einfach zuhören und dabei sein, wenn er diesen Raum öffnet – deswegen habe ich das auch an den Anfang gesetzt. Wie gesagt: eine sehr traurige Geschichte, aber auch sehr beeindruckend.

Das Traurige gehört bei Weihnachten ja auch dazu. Bei Weihnachtsliedern teilen sich die Menschen in die Dur- und Moll-Fraktion – können Sie sich da einordnen?

Wahrscheinlich bin ich eher der Moll-Typ. Aber natürlich ist es die Mischung, man kann ja nicht nur in Moll leben. Und nur Dur ist auch langweilig. Es gehört zusammen und ist daher auch letztlich nicht zu bewerten. Das schafft der Abend aber, glaube ich – man wird von einer Stimmung in die andere getragen, und weil mir und dem Publikum das so viel Spaß macht, gibt’s die Tournee.

Kennen Sie eine ideale Weihnachtsgeschichte, die all diese Gegensätze zusammenbringt?

Rilkes Text, weil er den christlichen Ansatz des Sterbens und Wiedergeborenwerdens und damit das Wesen der christlichen Kultur sehr gut zusammenfasst. Weihnachtsgeschichten müssen lustig und feierlich sein, denn wir feiern ja die Geburt unserer Kultur und unserer Werte: den Wert der Nächstenliebe, das „Liebe deinen Feind“. Da passt dann auch ein Autor wie Hanns Dieter Hüsch sehr gut hinein – ein demokratischer und gläubiger Mensch, auch wenn er vor allem Satiriker ist, der die Dinge dreht und wendet. Dass er im Programm vorkommt, hat mit seinem speziellen Rhythmus zu tun – eine zackige, Stakkato-artige Sprache, die nochmal eine ganz andere Farbe hineinbringt.

Sie haben ja unter anderem in einem Teil der „Stirb langsam“-Filmreihe mitgespielt, die auch als Weihnachtskino begonnen hat. Passt das ebenfalls in eine Reihe mit Ihren bevorzugten Weihnachtsstoffen?

Ich kann leider mit diesem Film gerade zu Weihnachten nicht allzu viel anfangen. Wenn ich’s überhaupt gucken würde, dann wohl eher nicht Weihnachten. Es sei denn, man hat ganz langweilige Familienmitglieder um sich herum.

Was bei Ihnen hoffentlich nicht der Fall ist.

Natüüüürlich nicht. Meine Tochter genießt Weihnachten sehr und feiert es auch heute noch sehr gern. So ist es dann eben doch wieder ein Familienfest bei uns geworden, und ein paar Tage die Familie um sich zu haben, die man sonst nicht sieht, ist für mich überhaupt das Schönste an Weihnachten.

Und welche Zutaten gehören für Sie noch dazu, neben der Familie?

Das klassische Weihnachtsessen. Das haben wir von meiner Großmutter übernommen – Nürnberger Rostbratwürste mit lauwarmem schwäbischen Kartoffelsalat und Feldsalat. That’s it. Einfach, aber schmeckt wahnsinnig gut.

Die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen hat sich vor fünf Jahren in einer Umfrage erkundigt, was die Deutschen vor allem mit Weihnachten verbinden. Können Sie sich die Top-Antwort denken?

Tannenbaum?

Stimmt genau.

Gehört ja auch dazu. Die Kinder werden größer, die Tannenbäume immer kleiner, so ist es zumindest bei mir. Aber er ist als Symbol sehr wichtig.

Auf der Bühne sind Sie inzwischen leider seltener zu sehen. Ist die Lesung da ein adäquater Ersatz?

Theater ist leider mit sehr viel Zeit verbunden, man muss sich viele Monate freihalten können. Die Lesung kann das Theater nicht ersetzen, aber sie ist eine Annäherung daran, direkt auf ein Publikum zu reagieren. Das macht sehr viel Spaß – es kommen Reaktionen, man bemerkt Unruhe, muss mehr geben – oder weniger. Nicht wie beim Film, wo man alles ausschließlich für die Kamera macht. Die Lesung hat ein Gerüst, aber es können sich auch Dinge verändern, ein Raum für Improvisation, je nach Stimmung. Es wird „Spielraum“ geben, im wahrsten Sinne des Wortes.

Weihnachten mit Sebastian Koch

Sonntag, 17 Uhr (Einlass ab 16 Uhr) Christuskirche Strehlen, Nähe Wasaplatz, Tickets im Vorverkauf ca. 50 Euro (erm. ca. 40 Euro)

Von Wieland Schwanebeck

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