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Scott Matthew traurig und lachend in der Schauburg

Scott Matthew traurig und lachend in der Schauburg

Dass so einer so viel lachen kann. Und so laut. Musikalisch im Sumpf des Lebens unterwegs - nicht nur watend, sondern als Taucher -, erwartet man mit Scott Matthew einen Musiker mit Zurückhaltung.

Vielleicht sogar gebeugt. Nicht so der Scott Matthew am Dienstag in Dresden. Der Australier war mit Band und neuem Album live in der Schauburg.

Es war überhaupt so ein beschaulicher Abend. Im dunklen Kinosaal in weiche Sitze gedrückt und vorn stilvolle Lichtsäulen aus Rot, Rot-Grün, bisweilen Lila am Leinwandvorhang. Matthew auf einem Barhocker, Jürgen Stark (Gitarre), Eugene Lemcio (Piano, Bass) und Sam Taylor (Cello) in Linie daneben. Das ist schon mal an sich schön.

Gerade hat Scott Matthew sein fünftes Album "This here defeat" rausgebracht und spielte es beinahe komplett. Scheinbar ohne akuten Liebeskummer, der ihn sonst oft plagt und der das Rohmaterial ist, aus denen er seine Alben feilt. Deshalb sind seine Lieder eigentlich immer traurig, höchstens melancholisch, wie das celloschwere "Effigy", spärlich mit Ukulele "Palace of Tears" oder "Soul to save". Seine drei Begleitmusiker tragen dezent nur Matthews Stimme, die immer kurz vom Brechen ist, immer klagt, immer stürzt.

Kaum vorstellbar, dass er, wie er vorm Sex Pistols-Cover "Anarchy in the UK" erzählte, mal eine Punkphase hatte - und eine Punkband. Vielleicht ist Matthews ja irgendwie auch Punk geblieben. Wenn draußen die Sonne scheint, man eigentlich zufrieden, beinahe glücklich ist, aber trotzdem per se traurige Musik macht, ist das ja auch eine Art Rebellion. Matthew der Seelenpunk.

Es gab Lieber an diesem Abend, da passierte wenig. Es schlich sich ein, was man Langeweile nennt. "Constant" etwa, vom neuen Album. Das nicht zog oder man wollte nicht mit. Weil Matthew melodiös eine sechsspurige Autobahn nutzen könnte, aber immer nur rechte Spur fährt, mit 110.

Diese Rechtsspur-Fahrerei gerade bei den neuen Liedern offenbarte sich zum Beispiel beim großartigen "Every traveled Road" vom 2009-Album "There is an ocean...", in dem seine Stimme singt, einfach mal singt und nach einer geschmeidigen Melodie sucht. Wie auch bei seinen Covern. Eine ganze Platte hat Matthew mit "Unlearned" 2013 veröffentlicht mit seinen Lieblingscovern. In der Schauburg spielte er "I wanna dance with somebody" von Withney Houston, "Darklands" von The Jesus and Mary Chain, "Into my Arms" von Nick Cave.

Auch ein Cover und beim Publikum fühlbar der Höhepunkt: "Annie's Song" von John Denver. Als Zugabe, nur zusammen mit Jürgen Stark an der Gitarre, mit dem er auch sein aktuelles Album aufgenommen hat und der dem Lied dieses Fast-Nichts gegeben hat, das es brauchte. In "Annie's Song" geht es um Liebe. Es geht um "Come let me love you, let me give my life to you, let me drown in your laughter, let me die in your arms, let me lay down beside you, let me always be with you". Was so phrasisch dasteht, wird durch Matthews klagende Stimme und an Joe Cocker erinnernden Armschwenker zum Intensiverlebnis. Einfache Worte, einfache Melodie, alles ganz einfach. Er selber sagte, er könne dieses Lied einfach immer nur wiederholen und wäre bis ans Lebensende der glücklichste Mensch. Man glaubt es ihm, man würde ja die ganze Zeit zuhören.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.04.2015

Robert Kaak

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