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Scott Matthew gastiert im Dresdner Bärenzwinger

Scott Matthew gastiert im Dresdner Bärenzwinger

O-Ton jüngst bei Aimee Mann in der Lukaskirche, als im Publikum Faltblätter mit anstehenden Konzerten in der Stadt zum Lesen aufforderten: "Sieh mal, Scott Matthew kommt wieder! Die neue Platte geht gar nicht, drei Lieder, dann hängst du dich auf!" Dabei ist "Unlearned" (Glitterhouse) gar nicht so gemeint.

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Scott Matthew gastiert am Sonnabend mit seinem neuen Album "Unlearned" im Bärenzwinger.

Quelle: Michael Mann

Jedenfalls zeigte sich der umtriebige US-Amerikaner bei seinem Dresden-Konzert vor Jahresfrist, als er einige der versammelten Coverversionen schon anfütterte, seltsam aufgeräumt, schelmisch, in zarten Anklängen gar witzig. Den Ruf als trauriger Bartbarde hat er seit Jahren in der Tasche, da wollte er wohl einfach mal dran rütteln. Wir hofften resümierend, er möge nach der Tour nicht gleich wieder in sich zusammenfallen.

"Unlearned" kommt optisch in tiefem Blaurahmen daher, Matthew sieht auf dem schwarzweißen Foto aus wie Jesus. Ein Stück der schottischen Band The Jesus And Mary Jane ist in der 14-Fremdlieder-Sammlung denn auch einer der unbestrittenen Höhepunkte. "Darklands" wird zum Kraftstück eigener Prägung. Beim alten Bee-Gees-Röhrer "To Love Somebody" hat es sich schnell ausgeträllert, bei Janis Ians "Jesse" sackt Scott Matthew dann wirklich in sich zusammen, für Charlie Chaplins "Smile" hat er sich den Devine-Comedy-Sänger Neil Hannon zur Stütze geholt. Weitere Adaptionen gibt es zu bekannten Songs von Kris Kristofferson (für "Help Me Make It Through The Night" bat er Vater Ian herbei), Joy Division, Radiohead, Morrissey, Rod Stewart und Neil Young. Spätestens bei Bert Kaempferts tänzelndem "L.o.v.e." wird Matthew auch mal keck. Er sagt: "Manche dieser Stücke brauchen keine Neubearbeitung, andere sogar sehr. Ich wollte sie einfach nur singen, verspürte einen starken Drang zu zeigen, was sie mit mir anstellen. Sie sind jetzt also eine Stück meiner eigenen Wahrheit von ihnen. Das fühlt sich sehr natürlich an." Seine Stimme bleibt von Niederdruck belegt, die Instrumentierung mit Grand Piano, Cello, Ukulele, Akustikgitarre ist übersichtlich und das Moll herausfordernd. Doch, bitte - es ist ja Scott Matthew! Zu sprechen wäre noch über "I Wanna Dance With Somebody", das er von Whitney Houstons Hüpfburg geholt, in Zeitlupe versetzt und sich gerade dadurch für Filmregisseur Alan Brown interessant gemacht hat. Brown inszenierte daraufhin nicht nur das Video zum Song mit echten Tänzern in einem New Yorker Studio, sondern baute einen ganzen Spielfilm um vier ältere Matthew-Songs herum.

Herauskam "Five Dances", der in Deutschland allerdings nicht im Kino läuft wie noch Browns Vorgänger "Private Romeo". Dieser Tage aber erschien er hier auf DVD.

Sogenannte "Tanz-Filme" drängen immer wieder ins Programm, manche besser, einige schlechter. "Five Dances" gehört unbedingt zu Ersteren. Denn es ist eine Elegie auf Choreographien, darauf, dass sich die Bewegungen von Tänzern vor allem auch von der Tagesform und dem Leben an sich beeinflussen lassen. Hier sind es Chip, Theo, Katie, Cynthia, die in einem Proberaum unter Anleitung von Anthony an fünf Stücken arbeiten. Chip ist mit 18 Jahren der Jüngste, er ist neu in der Stadt, ein Stipendium ermöglicht ihn die Distanz zur Mutter, die ihn drängt heimzukommen. Doch Chip will die Chance nutzen. Die Frauen nehmen ihn auf eigene Weise auf, in Theo wird er sich verlieben. Die Songs von Scott Mathew geben den Takt vor, in all ihrer Zärtlichkeit und Zerbrechlichkeit, ihren Ahnungen, statt ihrem Wissen. "Sinking", "Surgery", "Dog" und "Friends And Foes" ergänzen zwei Stücke von Gem Club und Perfume Genius sowie Nicolas Wrights Instrumentalmusik kongenial.

Alan Brown benutzt das alles nicht nur für Jonah Bokaers starke Choreographien. Er lenkt nie vorsätzlich von den Klängen ab, bleibt fast konsequent in Räumen, dicht bei den Figuren/Tänzern, erlaubt Assoziationen statt Botschaften. "Five Dances" wird auch für Scott Matthew ein nächster Schritt in der Wahrnehmung.

iScott Matthew live, Sonnabend, 21 Uhr, Bärenzwinger, "Five Dances" ist als DVD bei Salzgeber erschienen, www.salzgeber.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.12.2013

Andreas Körner

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