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Schwelgen in Brahms: Der Spielzeitausklang der Dresdner Philharmonie

Schwelgen in Brahms: Der Spielzeitausklang der Dresdner Philharmonie

Mit dreieinhalb Stunden Brahms vom Feinsten zelebrierte die Dresdner Philharmonie am Sonnabend im Schauspielhaus ihren Saisonausklang und verabschiedete zugleich die Geigerin Julia Fischer als Artist in Residence der Saison 2013/14. Die Fülle des Programms mit der 4. Sinfonie, der Sonate für Violoncello und Klavier op.

99, der Sonate für Violine und Klavier op. 100, der Sonate für Violine, Violoncello und Klavier op. 101 sowie dem Doppelkonzert op. 102 gab Gelegenheit, einmal "so richtig in Brahms zu schwelgen" (Zitat meiner Sitznachbarin) und die Interpreten des Abends in ganz verschiedenen Rollen zu erleben. Eine Herausforderung, ein langer Abend für Publikum und Ausführende, den beide Seiten am Ende mit glücklichen Gesichtern verließen.

Der sinfonische Auftakt: Chefdirigent Michael Sanderling begann den ersten Satz zurückhaltend, behutsam, fast stockend. Es schien, als müsste man erst Schwung aufnehmen für den langen Konzertabend. Was am Beginn noch etwas gebremst wirkte, war für den zweiten Satz gerade richtig. Innig und elegisch spann sich hier ein musikalischer Bogen, einmal mehr konnte man sich an wunderbaren Soli der philharmonischen Bläser erfreuen. Der dritte Satz war dann so recht kraftvoll und vorwärtsdrängend, bevor sich im Finale die große Leidenschaft ihren Weg brach, ohne dass das Spiel des Orchesters je an Konzentration verlor.

Umdenken nach der ersten Pause: weg vom großen Orchesterklang, Konzentration auf das solistische Musizieren. Das Schauspielhaus ist freilich kein Kammermusiksaal. Akustisch zwar gar nicht schlecht geeignet, mangelt es doch an intimer Atmosphäre, an Nähe zu den Interpreten. Dass die Zuhörer dennoch gebannt und fast atemlos den drei so unterschiedlichen Sonaten lauschten, lag an den überragenden Solisten. Julia Fischer (Violine), Daniel Müller-Schott (Violoncello) und Simon Trpceski (Klavier) - alle drei technisch brillant spielend, ihre große Virtuosität dennoch stets in den Dienst der Komposition stellend. Beeindruckend, welche Energie von Fischers Spiel ausgeht, zum Dahinschmelzen der weiche und trotzdem kernige Celloklang von Müller-Schott, eine Lust, die Spielfreude Trpceskis zu hören und zu sehen. Dass die drei nicht erst seit kurzem ihrer gemeinsamen Leidenschaft Kammermusik frönen, war in jeder Phase des kongenialen Zusammenspiels deutlich zu spüren.

Nach der zweiten Pause waren schließlich Solisten und Orchester in Brahms' Doppelkonzert für Violine und Violoncello auf der Bühne vereint. Michael Sanderling sorgte für einen kraftvollen Ausklang, ließ den beiden Soloinstrumenten viel Raum zu freien Entfaltung, ohne dass das musikalische Geschehen je aus dem Ruder lief. Dass Julia Fischer und Daniel Müller-Schott nach den Beifallsstürmen des Publikums noch Kraft zu einer Zugabe fanden, muss einfach nur bewundert werden. Große Dankbarkeit für die Passacaglia für Violine und Violoncello von Johan Halvorsen, dann ging es in die wohlverdiente Ruhe des Sommerabends hinaus.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.07.2014

Katja Neumann

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