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Schweizer Franz Hohler kommt am Donnerstag zur Lesung nach Dresden

Schweizer Franz Hohler kommt am Donnerstag zur Lesung nach Dresden

Vielseitigkeit ist eine der auffälligsten Eigenschaften des Schweizer Schriftstellers Franz Hohler. Begonnen hat der 1943 in Biel Geborene als Kabarettist. Wobei er sich bei seinen Auftritten selbst auf dem Cello begleitet.

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Der Auswahlband "Der Geisterfahrer" versammelt Prosa von Franz Hohler aus den Jahren 1971 bis 2011.

Quelle: Buch

Liedermacher ist er, schreibt Erzählungen, Romane, Kinderbücher, Hörspiele, Theaterstücke, Filmdrehbücher, gestaltet Fernsehsendungen.

Und welch ungewöhnliche Vielfalt er als Erzähler zeigt. "Der Geisterfahrer" beweist es. Dieser gerade erschienene Auswahlband versammelt Prosa aus den Jahren 1971 bis 2011. Franz Hohler ist damit heute in Dresden zu Gast, im Kulturhaus Loschwitz.

Die ganze Bandbreite des Erzählens finden wir darin vertreten - von der Kurzgeschichte über Krimi-Erzählung bis zur klassischen Novelle. Durchweg literarisch-handwerklich beispielhaft. Noch die schwächste dieser Erzählungen, "Die Raucherecke", schwächer, weil sie nur eine etwas harmlose Idee satirisch ausbreitet (Raucher, verzweifelt letzte Inseln in der Nichtraucherwelt suchend), selbst die garantiert Lesegenuss. Wie viel mehr erst die anderen.

Denn Hohler ist ein leidenschaftlicher Erzähler, der aus fast allem eine Geschichte entwickeln kann. Oft beginnt das völlig harmlos. Da spürt einer Juckreiz an der Nase, will ein Kind nicht richtig essen, findet einer eine alte Blechmarke mit einer Fahrradnummer, oder es geht um die lächerliche Geldsumme von einem Rappen (das sind die Cents in der Schweiz). Daraus aber entstehen Verwicklungen mit unabsehbaren, katastrophalen Folgen. Eine unscheinbare Begebenheit, ein läppischer Zufall kann ins Glück oder ins Unglück führen. Das Abgründige lauert überall.

Man wird in diese unangenehmen Ver-strickungen förmlich hineingezogen, liest mit einer eigentümlichen Mischung aus Schauder und Vergnügen. Lachen und Erschrecken liegen dicht beieinander. Hohler hat eine Vorliebe für schwarzen Humor. Häufig konfrontiert er Menschen mit dem Unerklärlichen und lässt uns dabei zuschauen, wie es sie verändert. Erzählen, das ist für ihn lustvolles Spiel mit dem Möglichen, manchmal gleich in mehreren kurzen Variationen.

Die Sagenwelt der Vergangenheit, Legenden, Träume, Phantastisches mischen sich in die Realität. Diese Geschichten sind höchst vergnügliche Einübungen in die Verunsicherung: Was ist wahr? Was wirklich? Ob etwas tatsächlich passiert oder ob es sich jemand nur einbildet, sei im Grunde gleich, bemerkt er an einer Stelle. Und dann: "Es wirkt jedenfalls, und wenn es nicht wahr ist, ist es doch wirklich." Selbst ein ganz und gar absurder Satz wie "Das ist der Rand von Ostermundigen", kann, einmal ausgesprochen, Wirkung entfalten.

Lustvolles Spiel mit dem Möglichen

Man erfährt in diesen Geschichten - das macht sie so großartig - viel über Menschen. Zum Beispiel über die unbesiegbare Sehnsucht nach einem Wesen, das einem treu ist. Das kann ein kleines Kätzchen sein, dem ein Präsident verfällt, oder ein seltsames Haustier, selbst wenn es sich am Ende als Teufel entpuppt. Oder wir sehen, wie Verliebtheit einen jungen Kellner hindert, als Terrorist in die Weltgeschichte einzugehen. Gerade das Unvorhersehbare, Unlogische, Unerklärliche macht das Menschliche aus.

Es sind Geschichten zum Genießen, weil sie nicht allein Vorgänge beschreiben, sondern auch vom Genuss des Erzählens handeln. Wie jene, in der einer ein Buch verspeist. Der Inhalt hört sich an wie eine dieser Kalendergeschichten von Johann Peter Hebel. Die Kunstfertigkeit Hohlers indes besteht darin, dass er das über sieben Kapitel streckt, nachgerade umständlich erzählt, ohne je zu langweilen. Hinzu kommt, dass er genau ist, ohne zu viel Details anzuhäufen. Dass er sich mit Präzision der Sprache bedient. Sich mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit in jedem beliebigen Stoff bewegt. Hohler ist, ähnlich wie jene Pianistin in seiner meisterhaften Novelle "Bianca Carnevale" ein Virtuose, einer der Einfühlung und des Erzählens.

iFranz Hohler: Der Geisterfahrer. Luchterhand. 576 S., 19,99 Euro.

Lesung mit dem Autor heute, 20 Uhr. Die Veranstaltung findet wegen der gro§en Nachfrage im Ortsamt Loschwitz statt, Restkarten an der Abendkasse

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.04.2013

Tomas Gärtner

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