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„Schwarzer Nazi“ verwirrt und belustigt Dresdner

Film-Premiere „Schwarzer Nazi“ verwirrt und belustigt Dresdner

„Pegida ist undeutsch! Lutz Bachmann muss abgeschoben werden!“ Mit solcherlei Parolen hat das Filmteam von „Der schwarze Nazi“ am Montagabend für Aufsehen gesorgt.

Zufrieden mit der Verwirrung der Dresdner: „Der schwarze Nazi“ und sein Filmteam.

Quelle: Tanja Tröger

Dresden.  „Pegida ist undeutsch! Lutz Bachmann muss abgeschoben werden!“ Mit solcherlei Parolen hat das Filmteam von „Der schwarze Nazi“ am Montagabend für Aufsehen gesorgt. Um für die Premiere ihrer Filmgroteske zu werben und ein politisches Statement zu setzen, fuhren die Regisseure mit einem Lautsprecherwagen auf der St. Petersburger Straße, am Hauptbahnhof und der Prager Straße herum und ließen ihren Protagonisten, eben jenen schwarzen Nazi, verkünden, dass die Dresdner statt Pegida lieber ihm folgen sollten. Im Film nämlich wandelt sich die Deutschland-, Klassiker- und Volksmusikliebe des Kongolesen durch einen Unfall in enorme Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Auf einmal überholt „der schwarze Nazi“ alle Rechtsextremen von rechts und macht ihnen den Alleinvertretungsanspruch auf ihre Ideologie streitig. Das glückt ihm auch: Er schart Massen verängstigter Wutbürger hinter sich und entscheidet ab sofort selbst, was deutsch und was nicht deutsch ist.

Mit seinem Filmteam fuhr "Der schwarze Nazi" durch Dresden und versuchte, Pegida-Anhänger zu bekehren.

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Im Dresden des 4. April 2016 gelang dem schwarzen Nazi mit seinem Megaphon zwar keine spontane „Massenumlenkung“ wie in der Filmgroteske. Dennoch zeigte sich Regisseur Karl-Friedrich König zufrieden: „Wir sind näher an die Pegida-Kundgebung herangekommen, als wir gedacht hatten. Die Teilnehmer haben größtenteils mit verwirrten Gesichtern auf uns reagiert. Auf der Gegenseite haben die meisten Leute gelacht. Ein Taxifahrer mit Migrationshintergrund hat sich gefreut und uns den Daumen gezeigt“, so König. Aber es habe auch aus beiden Lagern „Arschloch“-Rufe und ausgestreckte Mittelfinger gegeben – je nachdem, welchen Teil der Durchsagen die Personen gehört hatten. Außerdem schmunzelte Karl-Friedrich König darüber, dass die Aktion des Filmteams bereits im Vorfeld auf der Pegida-Facebook-Seite angekündigt und die Filmemacher als „Naivmenschen“ betitelt wurden.

Gemeinsam mit seinem Bruder Tilman hat der Leipziger den 90-Minüter „Der schwarze Nazi“ im Sommer 2014 gedreht. Bereits im Jahr 2006 gab es eine kurze erste Version des Filmes, und weil die so gut ankam, wollten die beiden „Könige“ – Söhne des bekannten Jenaer Jugendpfarrers Lothar König – noch eine ausgereifte Variante nachschieben. Ein jahrelanges Ringen um die Finanzierung und ein mindestens ebenso langes Feilen am Drehbuch folgten, Crowdfunding und der TalentPool der Mitteldeutschen Medienförderung halfen. Mit rund 70.000 Euro Budget verwirklichten die Brüder schließlich ihre Idee – sehr wenig Geld für einen Langspielfilm. „Mit zwei Millionen dreht man sonst höchstens ein Kammerspiel, aber wir hatten richtig viele Darsteller und Komparsen“, erzählt Karl-Friedrich König. Nun vertreiben sie ihren Film selbst, das heißt: mit Kinos telefonieren, herumfahren, viel Stress und sehr wenig Schlaf. Auch die Hauptdarsteller, allesamt professionelle Schauspieler, verdienten in der gesamten Drehzeit nur so viel wie sie sonst an ein oder zwei Tagen bekommen. Damit dürfte auch Facebook-Kommentatoren wie „Miro Egel“ der Wind aus den Segeln genommen sein. Der hatte nämlich gemutmaßt: „Eins vermisse ich: Wie hoch war die Gage: Bei einer genügend hoher Summe [sic] lässt er [der Schwarze, Anm. der Redaktion] sich kein Geschäft entgehen.“

Zur Darsteller-Riege rund um den schwarzen Nazi gehört übrigens auch der Dresdner Michael Specht, der bereits im Dresden-„Tatort“ als Mau-Mau-spielender und extremsächselnder Wendeverlierer allen Zuschauern im Gedächtnis geblieben war. Diesmal ist der studierte Mime, der sich selbst als „alleinstehenden Schauspieler“ bewirbt, als Wutbürger zu erleben. „Ich würde auch gern mal ’ne schöne Liebesszene mit ’ner Frau spielen oder einen Superhelden, aber ich krieg immer nur so blödes Zeug“, erzählt Specht mit gespielter Entrüstung. Ganz rollengetreu war er übrigens mit geblümtem Dederon-Beutel und strähnigem Scheitel zur Dresden-Premiere in der „Schauburg“ erschienen.

Von Tanja Tröger

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