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Schwarz hören im Kino in der Fabrik in Dresden: Slow Show heute bei den "Wohnzimmerkonzerten"

Schwarz hören im Kino in der Fabrik in Dresden: Slow Show heute bei den "Wohnzimmerkonzerten"

Die Zeiten sind längst passé, da in einem Kino nur Filme gezeigt wurden. Das Durchmischen begann mit Lichtbildervorträgen, die irgendwann auszuufern drohten. Dann kamen die Comedians.

Auch sie haben den Drang der wellenförmigen Ausbreitung. Zwischendrin und immer wieder aber spielt vor der Leinwand die Musik. Jazz sowieso, Singer/Songwriter gern, Americana, Elektronisches, Experimentelles, und zwar unabhängig davon, ob auch Visuelles zum Einsatz kommt oder nicht. Das Thalia mit der "Sunset Mission"-Reihe ist führend in der Stadt, ergänzende Spielstätte ist für deren Veranstalter auch die Schauburg. Hinderlich für den Kinobetrieb ist nur, dass man sich dort den einzigen oder zumindest einen Saal "belegt", und das zumeist für mehrere Vorstellungen aufgrund der technischen Aufbauarbeiten.

Das Kino in der Fabrik (KIF) auf der Tharandter Straße hat Probleme dieser Art nicht, denn dort gibt es den Schwarzen Salon, der, wenn kein Leben in ihm ist, still vor sich hin "schwärzt". Früher gab es dort Theater (als Ausweichbühne des Staatsschauspiels), seit Neueröffnung des KIFs als Mehrsälekino im Jahre 2006 wird der Raum für Feiern genutzt, für Disco, Tango, Ausstellungen, das monatliche "Frühstück bei KIFfany's" (das nächste übrigens am Sonntag, 11 Uhr) - und nunmehr auch für "Wohnzimmerkonzerte".

Gemütlich bei Kerzenlicht

Veranstalter Uwe Stuhrberg von Agentour: "Die Mischung aus Salon, Lounge, Loft und Wohnzimmer unterscheidet sich dort grundsätzlich von den herkömmlichen Konzertspielstätten. Die Musiker spielen bei Schummerlicht quasi mitten im Publikum, da es keine Bühne gibt. Das Publikum wiederum sitzt gemütlich bei Kerzenlicht in Sesseln oder auf Sofas, kann die ,Sitzordnung' frei gestalten. Zudem hat der Raum eine famose Akustik."

Nicht nur nebenbei geht es darum, Kultur in einen "neustadtfernen" Stadtteil Dresdens zu tragen, der so viel davon nie hatte und bis heute nicht hat. Die Unermüdlichkeit des Clubs Passage (weiter oben) und des Beatpols (weiter nördlich) in allen Ehren. Ansonsten ist der Westen Dresdens voller weißer Flecken.

Neuentdeckungen

Das stilistische Spektrum der "Wohnzimmerkonzerte" unterscheidet sich kaum zum Konzert-Angebot anderer Kinos. Lautes Rockgedröhne wird es dort nicht geben. Stuhrberg: "Die Konzertreihe soll auch vor allem die Möglichkeit für Neuentdeckungen bieten. Schön wäre es, dass man irgendwann der Meinung ist, zu den Konzerten im Schwarzen Salon zu fahren, weil das sich einfach lohnt."

Heute kommt eine Band aus Manchester in den Schwarzen Salon: The Slow Show. Ihr Name ist dabei zugleich Prinzip. Warme Sounds, ein Sänger mit einer außergewöhnlichen Stimme, großzügige Arrangements, die Fusion von Americanas mit dem besonderen Touch "Madchester", Hochachtung vor alten Männern wie Tom Waits und Leonard Cohen sowie ein respektvoller Gruß an die tagesaktuellen Helden wie The National - für all das steht das Quintett um Rob Goodwin. Zwei EPs ("Brother" und "Midnight Waltz") zeugen von Finesse und Frühreife einer an Jahren jungen Band.

Sie haben Springsteens "Born To Run" auf magische Weise das Tempo geklaut, sie lassen Balladen los, die einen sofort am Kragen packen. Stilecht sind die matten Hörner, nie übersatt die Streicher. Aura umweht den Sound, weil das Material stimmt.

Zeit für Schwarz, Zeit für den Salon, Freitagabend im Westen der Stadt-

The Slow Show, heute, 20.30 Uhr, Kino in der Fabrik (repräsentative Hörbeispiele unter http://soundcloud.com/theslowshow)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.11.2012

Andreas Körner

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