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Schwankend fest vor Anker - Das Dresdner Brettl feiert sein 25-jähriges Bestehen

Schwankend fest vor Anker - Das Dresdner Brettl feiert sein 25-jähriges Bestehen

Im Unterschied zum Staatsschauspiel beginnt das Dresdner Brettl seine Jubiläumsspielzeit mit einer Festwoche zum gegebenen Anlass: Vor 25 Jahren, am 4. September 1988, begann es seinen Spielbetrieb in der damaligen "Jazz-Tonne" im Keller des Kurländer Palais mit der Aufführung "Immer bleiben die Engel aus am Ende oder Von Schiller zu Müller".

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Auf dem farblich aufgehübschten Kahn wird auch 2013 noch gespielt.

Quelle: Carsten Nüssler

Für den Protagonisten Friedrich-Wilhelm Junge, der musikalisch unterstützt vom Michael-Fuchs-Trio die Verbindung zwischen den Visionen und Frustrationen zweier der bedeutendsten deutschen Dichter herstellte, erfüllte sich damit ein Lebenstraum, was bis heute Bestand hat, vor allem weil es in den Anfangsjahren gelang, so manche bedrohliche Klippe auch buchstäblich zu umschiffen.

Mittlerweile stehen insgesamt 95 Premieren zu Buche, davon reichlich die Hälfte Eigenproduktionen bzw. Uraufführungen. Wenn die Zuschauermillion noch nicht überschritten wurde, liegt das nur daran, dass anfangs noch keine 300 Vorstellungen im Jahr mit durchschnittlich 150 Besuchern möglich waren - ein Zuspruch, mit dem man laut Intendant Detlef Rothe gut leben kann, solange die Stadt ihre Förderung (derzeit 110 000 Euro im Jahr) beibehält. Ein sicherer Hafen bei ausreichend produktiver Unruhe, anscheinend nur bedroht bei gelegentlicher Willkür der Elbe.

Erinnerungen einmal heraufbeschworen, fiel es Rothe beim fälligen Pressegespräch nicht leicht, das Interesse auch auf Künftiges zu lenken, zumal auch sein Vorgänger zunächst einige weniger bekannte Details aus der Geschichte illustrierte, assistiert von Regisseur Holger Böhme, ebenfalls einer der "Anfangstäter" auf dem Brettl, das zunächst als "relativ selbstständige Einrichtung" des Staatsschauspiels firmierte. Der Leiter der Stasi-Bezirksverwaltung Böhm, erst Mitte Juli 1988 durch eine Veröffentlichung in der Sächsischen Zeitung in Kenntnis gesetzt, schloss bei einem u.a. als "Laboratorium auf der Suche nach Verständigung und kollektiver Selbsterfahrung" angekündigten Unternehmen auf großes Publikumsinteresse und ordnete die Ausarbeitung eines exakten Plans zum Einsatz "operativer Kräfte" an, die "vorbeugend zur Verhinderung feindlich negativer Aktivitäten" und "unter Wahrung höchster Konspiration" eingesetzt werden sollten. Wie die von Junge aus seiner Stasiakte kopierten Papiere zeigen, betraf die Überwachung nicht nur sämtliche Mitarbeiter, sondern auch die eventuelle "Konzentration negativer Personenkreise" bei denkbaren "politisch provokanten Aufführungen".

Die damaligen Programme, die sich auch mit Autoren wie Franz Kafka, Christa Wolf und James Joyce auseinandersetzten, haben sicherlich den geistigen Um- und Aufbruch mit befördert, aber sie waren nicht nur zu intellektuell für die vulgäre Auswertung durch die Stasi, sondern auch zu exklusiv für ein etwas breiteres Publikum, das man schon bald zum Überleben brauchte. Mit Beginn des Jahres 1990 verließ das Brettl den schützenden Überbau des Staatsschauspiels und der "Tonne" und, Ironie der Geschichte, fand als nunmehr städtische Bühne in der ehemaligen SED-Bezirksparteischule auf der Maternistraße Quartier, allerdings zu beengt für den nächsten notwendigen Schritt, der 1993 in die freie Trägerschaft führte, für die 1994 die materielle Basis geschaffen wurde, als das Brettl mit seiner (bis heute nahezu konstant neunköpfigen) Mannschaft in der eigenen "Schwimmobilie" vor Anker ging. Die Geschichte um den Erwerb und Ausbau des alten Elbkahns, der nur dank einer Bürgschaft der Marion Ermer Stiftung verwirklicht werden konnte, ist eine oft kolportierte Geschichte, die im kommenden Jahr extra gewürdigt werden will.

Am Programm der am 2. September beginnenden Festwoche lässt sich gut ablesen, wie es um die Kontinuität und Verbreiterung der künstlerischen Basis bestellt ist, die dem Theaterkahn einen Repertoirebetrieb mit etwa 25 Inszenierungen ermöglicht. Sicher fehlt in der Jubiläumsrevue auch der eine oder andere Künstler, der in zweieinhalb Jahrzehnten mit prägend war, aber es wäre schlicht unmöglich, alle unterzubringen, die hier bis heute regelmäßig oder aus verschiedenen Gründen nur noch gelegentlich auftreten. Zu letzteren zählt Tom Pauls solo wie als Mitglied des Zwingertrios, das mit seinem neuen Programm "Die Retter der Tafelrunde" gratuliert - die einzige bereits ausverkaufte Veranstaltung der Festwoche.

Weiter eine künstlerisch tragende Säule des Unternehmens ist Fiete Junge, in der ältesten wie in der jüngsten Inszenierung des Brettls zu erleben und im Übrigen an einem neuen Programm arbeitend, das zum Motto "Altern ist nichts für Feiglinge" passen soll.

Zuvor ist bereits für den 4. Oktober eine Premiere angekündigt mit "Adieu, Herr Minister", einer Komödie von Jordi Galceran, inszeniert von Peter Kube.

@www.theaterkahn.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.08.2013

T. Petzold

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