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Schule mit allen Hochs und Tiefs bei Dresdens Staatsoperette

Musiktheaterclub Schule mit allen Hochs und Tiefs bei Dresdens Staatsoperette

45 Minuten dauert eine Schulstunde. 45 Minuten dauert auch die Aufführung des Musiktheaterclubs der Staatsoperette. Kein Wunder, dreht sich in „Die Schule ist kein Käfig voller Narren“ doch tatsächlich alles um die Zeit des Lernens und Leidens.

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Szene aus dem Projekt des Musiktheaterclubs.

Quelle: Klaus Gigga

Dresden. Natürlich heißt das neue Stück des Musiktheaterclubs der Staatsoperette Dresden „Die Schule ist kein Käfig voller Narren“. Entstanden ist es parallel zur Einstudierung des Musicals „Ein Käfig voller Narren“. Wenn auch auf ganz andere Weise, auch in den 45 Minuten dieser Schul-Revue geht es um Fragen der Individualität, der Authentizität, der Akzeptanz und der Visionen von Menschen unterschiedlichen Alters, die dadurch verbunden sind, dass die Einen noch zu Schule gehen und die Anderen sich daran erinnern. Der Altersunterschied zwischen der jüngsten und der ältesten „Schülerin“ beträgt ganze 47 Jahre.

Der Dresdner Theaterpädagoge Christian Schmidt hat das Stück gemeinsam mit allen Mitwirkenden entwickelt und dabei geschickt die Erfahrungen aus den Rückblicken der Älteren mit denen derer, die sie gerade machen, verbunden.

Und da treffen sie aufeinander, die Meinungen, die Haltungen, die Erfahrungen. Ist für eine Darstellerin Fantasie wichtiger als Wissen, machen für eine andere die Kleider die Schule oder hört man in ironischem Hochmut die Meinung einer Schülerin: „Ich brauche nicht zu lernen, mein Vater ist Zahnarzt.“

Es kommt so gut wie alles zur Sprache, Stress und Leistungsdruck, Mobbing, lähmende Ängste, aber auch die helfende Solidarität untereinander, der Spaß und nicht zuletzt die Einsicht, dass die Schule auch ein Abbild unserer Welt ist, die so vollkommen und so unvollkommen ist, wie wir sie machen.

Und wenn mit viel Spaß und nicht geringer Übertreibung die Schüler Lehrer spielen, dann hat man doch den Eindruck, nicht gerade in einem Käfig, aber wohl in einem Narrenhaus zu sein.

In der Wahl ihrer Mittel ist die Gruppe höchst erfinderisch. Eine Klangcollage mischt die Geräusche des Schulalltags, es wird getanzt und gerappt nach dem Motto „Schule ist doch Scheiße, ich geh lieber auf die Reise...“. Aber darum, dass die Schule auch Startbedingungen für die anschließende Lebensreise zu bieten hat, geht es eben auch.

Es gibt etliche choreografierte Szenen, spannende Momente ohne Worte, stilisierte Haltungen des Schulalltags in einer Endlosschleife.

Für die tänzerischen Elemente zeichnet Lisa-Maria Gräfe verantwortlich, die an der Staatsoperette ihr freiwilliges soziales Jahr Kultur absolviert.

Es gibt sogar einen lässig moderierten TV-Talk am Mittag für die schwänzenden Schüler am Bildschirm und darin eine bunte Abfolge von Wünschen, wie die Schule zu sein hätte, die man auf keinen Fall schwänzen würde. Wünschen sich die einen die Entdeckerschule, die Kreativschule, die Herausforderungen des Experiments oder des Sports, so können sich andere eine mobile Schule vorstellen und wieder andere sogar eine Grusel- oder Gangsterschule. Zu jedem der Wunschbegriffe gibt es ein passendes pantomimisches Bild.

Und da schleicht sich ganz von selbst der Gedanke ein, dass es bei allen hier, mögen sie direkt aus der Schule zur Aufführung gekommen sein oder von der Arbeit, mögen sie taufrische Erfahrungen mitbringen oder den Schatz der Erinnerungen, um die Freude am Experiment, um das Einlassen auf kreative Versuche, um die Lust daran, dem Grusel mit Humor zu begegnen, nicht so schlecht bestellt ist.

So wie zu Beginn das Läuten der Schulglocke diesen unterhaltsamen Exkurs in Sachen Pro und Contra für die Schule eröffnete, so erscheint dieser komische Typ mit der Glocke auf dem Kopf auch zum Schluss. Und wie der weise Nachtwächter in Wagners Meistersingern nach den Turbulenzen der ausgeflippten Lehrbuben die Welt wieder in Ordnung bringt, so sind auch nach dessen Schlussworten hier die letzten Worte über die Schule längst nicht gesprochen.

Wie hieß das Stück? „Die Schule ist kein Käfig voller Narren“? Ach, manchmal wäre es ganz gut, sie wäre so ein Käfig voller Narren und vor allem für die Narren, denn die sagen ja bekanntlich immer die Wahrheit. Und manchmal macht es großen Spaß, ihnen dabei zuzusehen und zuzuhören.

nächste Aufführung: 9. Juni, Christliche Schule Dresden, Rathener Straße 80

Kontakt: Christian Schmidt,
Tel. (0351) 2079982

theaterpaedagogik@staatsoperette-dresden.de

Von Boris Gruhl

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