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Schöne Musik für schlechte Tage - Bosse gibt im Schlachthof Dresden Einblicke in sein Denken

Schöne Musik für schlechte Tage - Bosse gibt im Schlachthof Dresden Einblicke in sein Denken

Gute Musik ist es dann, wenn sie vielen gefällt. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner, den Bosse mit seinen Fans sucht. Er will gut unterhalten, sucht dazu die große Bühne von der Talentshow bis zum Open Air, vom privaten Fernsehauftritt bis hin zum Schlachthof.

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Bosse gastierte im Alten Schlachthof.

Quelle: Dietrich Flechtner

Ein Marketingkonzept, das ganz augenscheinlich gut aufgeht und keinen verunsichert.

Genau dafür gibt es ein Geheimnis. Axel Bosse, der Sänger aus der niedersächsischen Provinz, verpackt seine gefälligen Songs alle in ein ganz individuelles Papier. Das bedruckt er in den auffälligsten Farben und gestaltet es mit seinen kleinen Botschaften. Spätestens wenn die Stücke einige Takte im Umlauf sind, hat kaum noch jemand im Saal vor seinem geistigen Auge, was er da eigentlich aufgetafelt bekam. Die Eindrücke, die er dann in Szene setzt, sind schlichtweg viel zu präsent. Ein gutes Beispiel dafür, wie das ausgezeichnet funktioniert, ist eine Hommage an die frühen Jahre, eben die "Schönste Zeit".

Er packt in dieses Erinnerungsstück eine kleine Geschichte, die vom Tod Curt Cobains und der Schlichtheit dieser Tage handelt, beschreibt seinen damals überschaubaren Horizont, hält für einen kurzen Moment einen Spiegel hoch und versteckt ihn dann gleich wieder. Allein in diesem Song steckt eine ganze Menge, was beschreibt, wie heute Musik von Bosse funktioniert. Er vermittelt nur unterschwellig rebellische Ansätze, spielt mit Emotionen und lässt die Menschen vor der Bühne in seinen eigenen Songs auftauchen. Selbst wenn diese sich nur in der Rolle der Zaungäste wiederfinden, dann ist die Brücke gebaut, auf der sich Sänger und Fans begegnen können. Und das darf auch nicht verschwiegen werden, dieses Treffen gestaltet Bosse außerordentlich geschmackvoll.

Da begleiten ihn fast zehn Musiker, die vom Cello bis zur Trompete alles mitbringen. Die Bühne wird plüschig ausstaffiert und in die angenehmsten Farben getaucht, und mit kleinen Anekdoten wird professionell eine Nähe erzeugt. Ganz bestimmt: Wer einmal bei Bosse vor der Bühne zu Gast war, der wartet auf jedes neue Signal, das der Entertainer künftig anbietet. Bosse ist vielleicht sogar so etwas wie Element of Crime für eine neue Generation. Nicht vom Stil, auch nicht von der Musik und vom Selbstverständnis, aber von der Form her, wie beide Sänger auf ihr Publikum zugehen und mit welch subtiler Art sie sich beschreiben.

Eben vor dem Hintergrund verwundert es auch wenig, dass Sven Regener bereits für Bosse in seine Trompete stieß. Ein Gefallen, den er nicht für irgend- einen Song tat, sondern für "Frankfurt Oder", jenes Stück, für das sich auch Anna Loos begeistern konnte und mit dem Bosse sich bis zum Bundesvision Song Contest spielte. Es ist eine Hommage an die Einsamkeit, an die verschlafenen Winkel des Landes, wo genau die Menschen wie Axel Bosse oder Sven Regener ihre Kindheit verbrachten. Regionen, die schwierig zu ertragen sind, aber ungemein wichtig für die eigene Sicht auf die Dinge, die Motivation für besondere Lieder, die alle verstehen. Hier führen normale Leute die "Regie", hier trifft man Menschen wie "Sophie" und sieht die "Kraniche" fliegen.

Und wer sich dafür interessiert, wie es in "Istanbul" klingt, der kann bei Bosse vorbeigehen, wenn der mal in der Nähe ist - und er kommt wieder, hat er versprochen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.11.2014

Stephan Wiegand

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