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"Schön muss es klingen" - In Erinnerung an den gestern 80-jährig gestorbenen Dirigenten Rafael Frühbeck de Burgos

"Schön muss es klingen" - In Erinnerung an den gestern 80-jährig gestorbenen Dirigenten Rafael Frühbeck de Burgos

"Musik ist ein Lebenselixier." Rafael Frühbeck de Burgos, von dem dieser Ausspruch stammt, hat so gelebt. Rastlos bis ins Alter, teilhabend am Musikalischen dieser Welt und diese mit seiner Musik gestaltend, ein sympathischer Kosmopolit, der sich fast überall zu Hause fühlte.

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Rafael Frühbeck de Burgos

Quelle: Tass Kurov Alexander

Bis zuletzt wollte der frühere Chefdirigent der Dresdner Philharmonie gastierend immer wieder zu dem Orchester zurückkehren, das er während seiner Chefzeit überaus zu schätzen gelernt hatte. Gegen seine schwere Erkrankung hat er mit aller ihm zur Verfügung stehenden Kraft gekämpft und in den "Pausen", die ihm der Krebs ließ, wieder am Pult gestanden. Nun aber hat ihm der Tod den Taktstock aus der Hand genommen. Im Alter von 80 Jahren ist Rafael Frühbeck de Burgos gestern in Pamplona in Nordspanien gestorben.

Zur Dresdner Philharmonie kam der am 15. September 1933 als Sohn deutscher Eltern im kastilischen Burgos Geborene in der Intendantenzeit Olivier von Wintersteins. Zunächst 2003 Erster Gastdirigent, übernahm Frühbeck de Burgos das Orchester ab der Spielzeit 2004/05 in Nachfolge des nach Berlin wechselnden Marek Janowski. Und blieb bis 2011. "Er war ein großartiger Dirigent", erinnert sich Konzertmeister Wolfgang Hentrich. "Meist auswendig dirigierend, hatte er ganz klare Vorstellungen, wie ein Musikstück klingen sollte, ließ uns Musikern aber dabei größtmögliche Freiheit zum eigenen Gestalten." Unerbittlich und streng sei er vor allem in zwei Dingen gewesen: Um den Klang des Orchesters zu formen, habe er immer gefordert: "Schön muss es klingen, was hässlich klingt, brauchen wir nicht!". Und er erwartete von allen, dass sie bestens vorbereitet waren. "Er war es immer! Für ihn war das eine Selbstverständlichkeit."

Dass sich Orchester und Dirigent so gut verstanden, lag an beider Auffassung, was Klang und Musizierhaltung betrifft. Rafael Frühbeck de Burgos, der aufgrund seiner beeindruckenden Anzahl von Konzerten bei Klangkörpern in aller Welt mit Fug und Recht urteilen konnte über die Qualität eines Orchesters, liebte die Dresdner Art zu musizieren und entwickelte sie weiter. Dass ihm dabei das spätromantische Repertoire wie Brahms, Wagner, Bruckner und vor allem auch Strauss besonders am Herzen lag, machte die Verbindung zu den Dresdnern noch tragfähiger und intensiver. Die Philharmonie habe eine Qualität, die immer seltener wird, nämlich über eine kollektive Persönlichkeit zu verfügen, die einen Klang darstelle, sagte der Maestro 2011 im Gespräch mit den DNN. Der kluge Beobachter der Musikszene beklagte den Schwund an Individualität auf dem internationalen Orchesterparkett. Virtuoser geworden seien sie alle, aber auch austauschbar, konstatierte er bei Begegnungen mit anderen Ensembles, die er schon lange kannte. Mit seinen Dresdnern hielt er dagegen, nicht sich selbst wollte er profilieren, sondern der Philharmonie in dieser globalen Szene einen eigenen - und dadurch auch international überaus geschätzten - Charakter bewahren. Es ist ihm gelungen. Und er war ein nobler Orchestererzieher und -leiter: "Ich habe ihn im Umgang mit uns Musikern immer als sehr höflich und nie verletzend erlebt", sagt Wolfgang Hentrich. Die Souveränität, mit der Frühbeck de Burgos sein unglaublich reiches Repertoire dirigiert hat, habe dem Orchester ein großes Gefühl von Sicherheit gegeben. "Es ist für unser Orchester ein großer Verlust, dass wir ihn jetzt nicht mehr bei uns am Pult erleben dürfen."

Humorvoll konnte er sein im Gespräch, aber nicht belanglos. Seine Vorstellungen zur Musik waren dezidiert, und er hat das Publikum daran teilhaben lassen. Dresden dankt ihm neben seiner Interpretation bekannter Werke z.B. auch die Begegnung mit spanischen Kompositionen sowie konzertante Opern- und Oratorienaufführungen. Erfreulicherweise konnte er die Philharmonie auch auf dem umkämpften Klassikmarkt mit wichtigen CD-Einspielungen positionieren. Und er hat mit dem Orchester gewissermaßen die halbe Welt bereist und so das internationale Renommee der Dresdner wachsen lassen.

Rafael Frühbeck de Burgos war Musiker. Für den Bau eines wirklich hochwertigen Konzertsaals für die Philharmonie in der Öffentlichkeit zu streiten, war eher nicht seine Sache. Dass aber Kultur entscheidend ist für die Menschen und deren Miteinander, hat auch er immer betont. "Wo alle Zugang zur Bildung haben, wo in Kultur für alle investiert wird, da werden keine Autos angezündet", sagte er einmal im DNN-Interview. Er hat das Seinige zu einer stimmigeren Welt beigetragen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.06.2014

Kerstin Leisse

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