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Schön besonders - Judith Holofernes überzeugt solo im Dresdner Beatpol

Schön besonders - Judith Holofernes überzeugt solo im Dresdner Beatpol

Hochwasser, NSA-Skandal, langweiliger Wahlkampf, "Wetten, dass...?" auf Mallorca: Viel Gutes hat der vergangene Sommer wahrlich nicht hervorgebracht. Wäre da nicht die Tatsache, dass sich eine gewisse Judith Holofernes in eben diesem Zeitraum dazu entschlossen hat, die Klampfe wieder raus zu holen.

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Solo unterwegs: Judith Holofernes.

Quelle: Andreas Weihs

Dreieinhalb Jahre hatten sie und ihre Mitstreiter von Wir sind Helden keine Musik gemacht. Jetzt ist sie zurück auf der Bühne, in Dresden, im Beatpol, solo. Eine gute Entscheidung.

Ihr erster Auftritt im Beatpol war das freilich nicht, wie sie sich erinnerte. Vor mehr als zehn Jahren rockten die Helden die Bühne als Support von den Banana Fishbones. Davon zeugt auch eine besondere Kritzelei auf der Beatpol-Toilette: "Dort steht der Text von 'Guten Tag', in einer Handschrift, die der meines Mannes sehr gleicht. Es ist schön, wieder hier zu sein." Ihren Mann und Schlagzeuger von Wir sind Helden Pola Roy hatte sie dann auch gleich mitgebracht. Dieses Mal allerdings beackerte er die Drums der Vorband Per Anders. Dessen Sänger Jörg Holdinghausen wiederum zupfte bei Judith den Bass, Berliner Mischpoke.

Frisch kommt sie daher, die neue Judith Holofernes. Gute Laune, gute Musik, die bekannt guten und intelligenten Texte. Doch sie versucht, anders zu klingen als die Helden. Ungewohnt rockig samt E-Gitarren-Extravaganza präsentiert sie sich, offenbart mit Stücken wie "Milf" oder "Nichtsnutz" Einflüsse aus dem Reggae- und Countrygenre, zeigt sich mit "Liebe Teil 2 - Jetzt erst recht" oder "Brennende Brücken" betont emotional. So recht gelingen will es ihr dennoch nicht. Muss es aber auch nicht. Kann es im Grunde auch nicht, denn da ist diese, ihre unverwechselbare Stimme. Nicht besonders schön, aber schön besonders.

Einzig: Mehr als eine knappe Stunde Musik hat Solo-Judith ihrer Schreibfeder noch nicht entlockt, zwölf Lieder vereint ihr erstes Solo-Album "Ein leichtes Schwert". Kein Problem für die Heldin, die nach eigener Ansicht nur eines macht, wenn sie viel Zeit hat: Quatsch. Und das hat natürlich - wie sollte es anders sein - mit Musik zu tun. Judith Holofernes nämlich übersetzt ihre Lieblingslieder ins Deutsche und sammelt die Ergebnisse in einem großen Ordner mit der Aufschrift "geheim". Die Dresdner aber ließ sie teilhaben an ihrer Secret-Sammlung - wer jetzt Hits von Britney Spears erwartete, wurde enttäuscht. Sie brachte Elvis Costellos "I hope you're happy now" auf die Bühne, das bei Judith Holo- fernes zu einem "Ich will, dass Du weißt, dass ich will, dass Du glücklich bist" wird, oder auch Lyle Lovetts "If I had a boat", also "Wenn ich ein Boot hätte".

Besondere Einblicke gewährte sie dem Publikum zudem mit der Darbietung des ersten Liedes, das sie jemals geschrieben hat, "mit 18 und mit Liebeskummer und so". "Wer will nicht lieber aus Liebe als gar nicht zugrunde gehen", heißt es darin. Sie hat es also schon damals gehabt, das Gespür für feine Worte. Konzerttaugliche eineinhalb Stunden brachte sie so schließlich zusammen. Sehr, sehr gelungene eineinhalb Stunden. Christin Grödel

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.04.2014

Christin Grödel

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