Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 1 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Schlossherr holt prominente Künstler in sein Schloss in Spreewiese bei Bautzen

Schlossherr holt prominente Künstler in sein Schloss in Spreewiese bei Bautzen

Spreewiese, ein kleines Dorf am Rande des Oberlausitzer Biosphärenreservats in der Nähe von Bautzen. Größere Kulturveranstaltungen mit prominenter Besetzung würde hier wohl niemand erwarten.

Doch der Eindruck täuscht. Ab dem 17. Juni geben sich im Schloss Spreewiese bekannte Persönlichkeiten wie Tom Pauls, Friedrich Schorlemmer, Gunther Emmerlich und Dieter Mann die Klinke in die Hand. Möglich wurde dies durch den Schlossherrn Paul Wehrle-Nielsen. "Ich bin mit dem Schauspieler Lars Jung befreundet. Er hat das Projekt angestoßen und dafür gesorgt, dass die Künstler nach Spreewiese kommen", erzählt der 73-Jährige. Eigens für diesen Zweck hat Paul Wehrle-Nielsen eine neben dem Schloss gelegene Scheune zum Theater umgebaut, in der in Zukunft bis zu 195 Besucher Konzerte oder Lesungen erleben können.

Obwohl der Schlossherr heute von dem Projekt begeistert ist, hat es sich eher zufällig ergeben. "Ich habe das Schloss Spreewiese 1997 gekauft. Am Anfang gab es ein rein touristisches Interesse an dem Gebäude, bis irgendwann auch Anfragen für Konzerte kamen." Unter anderem haben bereits der Dresdner Frauenchor Femmes Vocales oder die Bratschistin Cornelia Schumann in dem historischen Gemäuer gastiert. "Das Schloss ist vom Charakter her ein öffentliches Areal, daher möchte ich es nicht nur allein nutzen, sondern für kulturelle Aktivitäten zur Verfügung stellen", so Wehrle-Nielsen. Nachdem die bisherigen Konzerte jedoch im Schloss selbst veranstaltet wurden, wird es am Sonntag mit dem Auftritt von Tom Pauls eine Premiere geben. An diesem Tag nimmt Paul Wehrle-Nielsen eine etwa 200 Quadratmeter große frühere Scheune als Konzert- und Theatersaal in Betrieb.

"Lars Jung fand das Gebäude mit seinem großzügigen Innenraum und riesigen Dachstuhl ideal, um hier Kulturprojekte zu verwirklichen. Ohne seine Initiative hätte ich die Scheune nicht so schnell umgebaut." Allerdings sei es eine Menge Arbeit gewesen. So mussten unter anderem die Böden ausgetauscht und die Wände trockengelegt werden. Für Paul Wehrle-Nielsen war das jedoch kein Problem. Der frühere Architekt hat große Freude daran, auf seinem drei Hektar großen Anwesen herumzuwerkeln. Vor allem die alte Bausubstanz fasziniert ihn. "Ich wurde auf Haiti geboren. Dort sind die meisten Gebäude nicht älter als 200 Jahre. Aus diesem Grund haben mich das historische Schloss und seine Nebengelasse von Anfang an fasziniert." Nach Spreewiese kam er allerdings nicht gezielt, um das Schloss zu kaufen, sondern eher durch Zufall. "Ich war mein Leben lang in der ganzen Welt unterwegs und habe unter anderem in der Himalayaregion und in Lesotho gearbeitet. In Deutschland war ich eigentlich gar nicht richtig verwurzelt. Vor allem den Osten, als Wiege der deutschen Kultur, habe ich kaum gekannt." Erst durch einen Freund sei er in die Oberlausitz gekommen. "Die Gegend mit ihren großen Wasserflächen und ihrem sorbischen Einschlag hat mich begeistert."

Dennoch war es kein leichter Weg, bis das Schloss und sein Umfeld saniert waren. "Als ich 1994 zum ersten Mal in Spreewiese war, lebten in dem Schloss mehrere Familien, die größtenteils alkoholisiert waren und mit denen niemand im Ort etwas zu tun haben wollte." Alles sei sehr unordentlich und verwildert gewesen. "Die Menschen im Dorf haben damals ihre Kinder nicht mit den Kindern aus dem Schloss spielen lassen", erinnert er sich.

Heute kommen die Dorfbewohner wieder gern in das Schloss. Sie freuen sich über das Engagement von Paul Wehrle-Nielsen und fiebern den nächsten Höhepunkten entgegen. "Einige haben mich schon gefragt, ob ich Karten für den Auftritt von Tom Pauls habe. Das ist aber nicht der Fall, denn ich stelle nur den Rahmen zur Verfügung, und spiele obendrein den Parkplatzwächter oder den Hausmeister." Er möchte diese Aufgaben auch nicht missen. Sie sind sein Lebenselixier. "Ich bin froh, nicht im Altersheim zu sein. Es ist sehr schön, an Projekten mitzuwirken, die über den eigenen kleinen Horizont hinausgehen."

17. 6., 16 Uhr, Tom Pauls: "Deutschland - deine Sachsen"; 7. 7. 19 Uhr, Friedrich Schorlemmer: "Wohl dem, der eine Heimat hat"; 25. 8., 19 Uhr, Gunter Emmerlich: "Zugabe"; 15. 9., 19 Uhr, Dieter Mann: "Mephisto - eine Lesung".

Der Eintritt kostet jeweils 20 Euro, Reservierung unter Tel. 0351/2 67 30 22

Schloss Spreewiese, Schlossweg 1, 02694 Großdubrau, Ortsteil Spreewiese (erreichbar über die A4, Abfahrt Bautzen Ost)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.06.2012

Stephan Hönigschmid

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr