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Schiller in der Messehalle Dresden

„Wir haben etwas geübt“ Schiller in der Messehalle Dresden

Das für Pop-Elektro-Ambient-Sound stehende Musikprojekt Schiller war in der Messehalle zu Gast, wobei Dresden sogar der Auftakt der Deutschland-Tournee war. „Wir haben etwas geübt“, meinte Soundtüftler von Deylen kokett zu Beginn und hieß die Zuhörer dann „Herzlich Willkommen.

Zeitweise wirkte es, als sei Christopher von Deylen in einer Art Gitternetz gefangen. Aber es waren halt nur Lichtstrahlen in vielerlei Farben.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Der Dialog der Generationen und Schichten kann manchmal schon daran schnöde scheitern, dass ein und dasselbe Wort verschiedene Assoziationen auslösen kann. Es gab da mal eine Karikatur, auf der eine vornehme englische Oma ihren Neffen fragt, ob er jemals (die) Queen gesehen. Der antwortet lapidar. „Ja! Und ich habe alle ihre Alben!“, denn Queen, das ist für ihn nun mal die Glamrock-Band um den charismatischen Sänger Freddie Mercury, die in den 70ern ungemein populär war.

Und so ist das ansatzweise auch bei Schiller der Fall. Die einen denken da an Friedrich Schiller und an Dramen wie „Maria Stuart“ und „Die Räuber“, die anderen, klassische Bildung ist nicht alles, eher an Christopher von Deylen und Alben wie „Sonne“, „Opus“ oder auch „Future“. Nun war das für Pop-Elektro-Ambient-Sound stehende Musikprojekt Schiller in der Messehalle zu Gast, wobei Dresden sogar der Auftakt der Deutschland-Tournee war. „Wir haben etwas geübt“, meinte Soundtüftler von Deylen kokett zu Beginn und hieß die Zuhörer dann „Herzlich Willkommen.

Die Massen strömten, denn von Deylen, Mitbegründer und heute alleiniger Chef, hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen für dieses Tournee-Programm. Er bat den britischen Licht-Designer Vince Foster, die Lichtshow auszutüfteln. Und das war in diesem Fall schon die halbe Miete. Mag manchmal auch viel Schatten sein, wo viel Licht ist, in diesem Fall wurde man schlichtweg schon von der Optik her sinnlich überwältigt. Foster, der durch seine gleichermaßen spektakulären wie geschmackvollen Licht-Inszenierungen für Phil Collins, Peter Gabriel und Kylie Minogue zu den Größen der Zunft zählt, ließ Fantasie und Kreativität freien Lauf. Und das war gut so – das fing schon bei den drei Dutzend Scheinwerfern an, die ihr Licht kreuz und quer, ja regelrecht tastend, durch die Halle strahlen ließen. Assoziation zu Flakscheinwerfen? Hat man als Brite eher kein Problem mit. Es war nicht zuletzt die Visualisierung, die das Konzert zu einem Gesamterlebnis machte.

Die Musik? Man mag sie oder man mag sie nicht. Fans sprechen von sphärischen Klängen, von kontemplativen Momenten, die einen in eine andere Welt entführen, dieser oder jener Kritiker hingegen von wabernden Klangteppichen, die den Gehörgang verkleistern. Moniert wird, dass da doch ständig dieselbe Struktur rüberkommt. Fakt ist: Von Deylen setzt Monotonie bewusst als Stilmittel ein, weil er es sich auch traut. „Denn positive Monotonie wirkt erst dann, wenn einem der gute Geschmack bereits zu mehr Abwechslung rät. Doch genau an diesem Punkt fängt die hypnotische Wirkung der betörenden Monotonie erst an“, erklärte er einmal in einem Interview. Auch war er so frei, das Rad für diese Show nicht wirklich neu zu erfinden. Es sei darum gegangen, das Alte mit Würde neu zu gestalten, entsprechend freute man sich als Zuhörer, wenn man hinter den Verfremdungseffekt kam und irgendwann doch Kompositionen wiederkannte. Von Deylens Mitstreiter hatten es – mal abgesehen von den Sängern – schwer, eigene Akzente zu setzen. Mochte die Trommeln des Schlagzeugs aus den Klangteppichen noch herauszuhören sein, Bass oder Gitarre hatten es schwer, sich im Klangbild durchzusetzen. Aber wenn es mal leiser wurde, gar fast schon die Gelegenheit zu einem Solo eingeräumt wurde, dann zeigte sich, dass von Deylen versierte Könner mit auf Tournee genommen hat. Und es waren nicht zuletzt zwei Sängerinnen, die überzeugend dafür sorgten, dass es nicht auf eine One-Man-Show des Oberstrippenziehers von Deylen hinausläuft. Zwei Stunden Konzert, inklusive Zugaben, ohne Pause. Am Ende Standing Ovations für die Klang-Kaskaden. Die Leute waren begeistert. Mission erfüllt, sagt man da wohl.

Von Christian Ruf

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