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Schicht in Dresden: New Yorker Musiker arbeiten in der Autofabrik

Schicht in Dresden: New Yorker Musiker arbeiten in der Autofabrik

Manchmal sucht der finnische Komponist Magnus Lindberg für seine stark rhythmisch geprägten Werke auch Instrumente auf dem Schrottplatz. Irgendwie kann man ja mit fast allen Dingen ein paar Töne erzeugen.

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Musiker Magnus Lindberg spielt zusammen mit den New Yorker Philharmonikern unter Chef Alan Gilbert in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen.

Quelle: dpa

Doch beim Remake seines 1985 in Helsinki uraufgeführten Stückes „Kraft“ ging Lindberg jetzt in die Vollen. Der 54-Jährige schaute sich im Bauteillager für die VW-Luxuslimousine Phaeton in Dresden um - und wurde fündig. In sein opulentes Schlagwerk baute er unter anderem Federn und Spritzgussteile aus Aluminium ein.

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Die New Yorker Philharmonikern unter Chef Alan Gilbert traten am Montag in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden auf.

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Am Dienstagabend wurde das ungewöhnliche Werk in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden aufgeführt. Lindberg trommelte im Solistenensemble mit - streng nach Partitur. Die Konzentration auf die Einsätze war kein Selbstzweck. Denn um die Klangwirkung des Raumes zu entfalten, mussten alle Protagonisten im Takt bleiben. Mit den New Yorker Philharmonikern unter Chef Alan Gilbert hatte Lindberg Könner ihres Faches an seiner Seite. „Ich freue mich, dass sich die New Yorker Philharmoniker auf dieses Abenteuer eingelassen haben“, sagte Festspielintendant Jan Vogler.

Selbst Hollywoodprominenz hatte sich zur Premiere eingefunden. Für US-Filmstar Bill Murray dürfte bei all den Novitäten an diesem Abend kaum das „tägliche Murmeltier“ gegrüßt haben. Der Schauspieler war auf Einladung des auch in New York beheimateten Vogler nach Dresden gekommen, klatschte am Ende begeistert mit und suchte schon in der Pause den Smalltalk mit seinen Landsleuten aus dem Orchester. Ohnehin ist Murray, der derzeit zu Dreharbeiten in Deutschland weilt, mit den Musen vertraut und war unlängst auch schon in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister gesichtet worden.

Das „Große Kino“ fand an diesem Abend freilich auf der provisorischen Bühne in der Autofabrik statt. Nachdem die New Yorker das Publikum mit dem erst unlängst von ihnen uraufgeführten Stück „Prospero‘s Rooms“ sowie Leonard Bernsteins Serenade nach Platos „Symposium“ eingestimmt hatten, lief das Konzert im zweiten Teil vollends auf Touren. Über den Musikern hing kopfüber eine illuminierte Phaeton-Karosse, das Dirigentenpult war mit einer Frontverkleidung der VW-Limousine ausgestattet. Gilbert und die Solisten traten in weißen Arbeitskitteln der Manufaktur auf.

Lindberg ließ in dem halbstündigem Werk Luftblasen in einem Wasserbehälter blubbern und mischte immer wieder „Auto-Klänge“ in den Sound des Orchesters. Einige Musiker wechselten dabei ihre Positionen und nahmen an anderen Stellen im Foyer Aufstellung. Nur eines stand an diesem Abend still - das Fließband. Manufaktur-Chef Joachim Rothenpieler zeigte sich zufrieden. „Die amerikanischen Musiker und Magnus Lindberg haben die Phaeton-Teile sorgfältig ausgewählt und mit beeindruckender Kreativität einen faszinierenden und einmaligen Abend gestaltet.“

Lindberg hatte sich seinerzeit beim Komponieren von ganz anderen Geräuschen inspirieren lassen. Der Finne wohnte damals in Berlin, in der Wohnung von Nina Hagen. „Nina war nicht da, aber vielleicht habe ich etwas von diesem Ort in mein Inneres aufgenommen“, schrieb der Künstler dem Publikum ins Programmheft. Oft sei er nach Mitternacht zur Entspannung in Punk-Kneipen gegangen und habe dort die Einstürzenden Neubauten gehört.

Jörg Schurig, dpa

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