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Schau über Stauffenberg und andere Hitler-Attentäter beginnt im Militärmuseum

Schau über Stauffenberg und andere Hitler-Attentäter beginnt im Militärmuseum

Nichts sollte bleiben von den Verschwörern, die am 20. Juli 1944 im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" in Ostpreußen das Attentat auf Adolf Hitler verübten. Gräber gibt es nicht, die hingerichteten Attentäter wurden auf Weisung des "Führers" verbrannt, ihre Asche wurde auf den Rieselfeldern vor Berlin verstreut, damit keine Wallfahrtsorte entstehen.

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Der aus der Wehrmacht ausgestoßene Alexis Freiherr von Roenne in ziviler Kleidung vor dem Volksgerichtshof am 5. Oktober 1944. Fotos (2): Repro Katalog

Quelle: aus buch

Und persönliche Besitztümer wurden vernichtet. Insofern ist es ein Glücksfall, dass die Ausgehuniform von Johann Adolf Graf von Kielmannsegg, die in einer Vitrine in der Ausstellung "Stauffenberg und mehr. Attentat auf Hitlers" im Militärhistorischen Museum (MHM) der Bundeswehr in Dresden zu sehen ist, den Rachefeldzug der Nationalsozialisten überlebt hat.

An sich steht dieses Jahr vorrangig im Zeichen der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg, aber zum 70. Jahrestag des Attentats auf Hitler stellt das MHM einen Teil jener Protagonisten vor, die mit Stauffenberg kooperierten, deren Namen aber heute kaum im öffentlichen Gedächtnis präsent sind.

Die 16 Kurzporträts werden von originalen Dokumenten und Objekten aus dem privaten Besitz der Widerstandskämpfer ergänzt. Das MHM besitzt laut Ausstellungskuratorin Linda von Keyserlingk mittlerweile die größte museale Sammlung von Hinterlassenschaften zum militärischen Widerstand im Dritten Reich. Weit mehr als tausend Blätter aus Familien-Nachlässen sind im Dresdner Bestand, hinzu kommen Uniformen(-Teile) und Orden. Gezeigt werden u.a. Briefe von Generaloberst Ludwig Beck über seinen Rücktritt im Oktober 1938 oder die letzten Notizen von Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben vor seiner Hinrichtung 1944.

Kielmannsegg nun war Gruppenleiter Ost, u.a. zuständig für die Lagebeurteilung und Operationsführung im Abschnitt der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront. Mehrfach konnte er sich mit Henning von Tresckow austauschen, einem der führenden Köpfe der Verschwörer. Im Mai 1944 wurde Kielmannsegg zum Oberst im Generalstab befördert. Als er am 4. August 1944 im Zusammenhang mit dem 20. Juli verhaftet wird, trug er vermutlich die gezeigte Uniform. Nachweisen konnte man Kielmannsegg nichts. Im Oktober wurde er aus der Haft entlassen, allerdings als "unzuverlässig" eingestuft. Aus dem Generalstab wurde der Oberst entfernt, stattdessen "durfte" er bis zum Zusammenbruch des Dritten Reichs zur "Frontbewährung" das Panzergrenadierregiment 111 führen. Ab 1950 war Kielmannsegg dann maßgeblich am Aufbau der Bundeswehr beteiligt und mit dafür verantwortlich, dass die Attentäter rehabilitiert wurden.

Denn eines unterschlägt die Schau nicht: Die (bundes-)deutsche Gesellschaft tat sich jahrelang mit den Widerständlern des 20. Juli 1944 schwer. Viel zu spät, nur weil die Lage an der Front so fatal war, hätten die eng mit dem NS-Regime zusammenarbeitenden Militärs gehandelt - so der Vorwurf etlicher Kreise. Und im rechten Lager wurden Claus Schenk Graf von Stauffenberg und all die anderen als "Vaterlandsverräter" diffamiert. In der SBZ bzw. DDR ließ man nur den kommunistischen Widerstand gelten. Ehrendes Gedenken für "reaktionäre" Offiziere aus der "Junkerklasse" war im Weltbild nicht vorgesehen. Aber wie es so kommt: Auf der Suche nach Tradition und Erbe setzte ab den 1980er Jahren eine differenzierte Bewertung ein. Ein noch 1990 geplanter und im Muster hergestellter Stauffenberg-Orden für Soldaten der NVA wurde nicht mehr verliehen.

Vermittelt wird in der Ausstellung, dass etliche Militärs bereits 1938/39 (!) im Zuge der "Sudetenkrise" an Umsturzplänen arbeiteten. Deutlich werden dabei vor allem die Vielschichtigkeit der Verschwörer und ihre Funktionen im Widerstand. War Hennnig von Tresckow schon früh ein Hitler-Gegner, so war Eduard Wagner zutiefst in die Massenmorde (an sowjetischen Kriegsgefangenen) verstrickt. Immerhin, er lernte im Gegensatz zu vielen anderen dazu. Margarethe von Oven war "nur" Sekretärin, aber enorm wichtig als zuverlässige Nachrichtenübermittlerin zwischen der Front und Berlin. Sie war es, die zur Vorbereitung des Umsturzes die "Walküre"-Befehle tippte und den ersten Aufruf, der nach dem Attentat an die Bevölkerung gerichtet werden sollte. Sie erklärte in einem Interview (nach 1945) einmal: "Entweder musste man den Mord auf sich nehmen, oder man musste das Unrecht auf sich nehmen, also einen Mittelweg gab es nicht."

Auch einen Blick auf den künstlerischen Umgang mit dem 20. Juli 1944 offeriert die Schau. So werden acht Radierungen des Künstlers Alfred Hrdlicka (1928-2009) aus dem 1974 entstandenen, 53 Blätter umfassenden Radier-Zyklus "Wie ein Totentanz" präsentiert.

bis 4. November, Olbrichtplatz 2, Mo 10-21, Do-Di 10-18 Uhr. www.mhmbw.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.07.2014

Christian Ruf

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