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Schatz-Listen als Trumpfasse der Wettiner

Schatz-Listen als Trumpfasse der Wettiner

Das seit Jahren währende, jeweils mit einem Millioneneinsatz geführte Pokerspiel des Freistaates Sachsen mit den Vertretern der Albertinischen Linie des Hauses Wettin geht weiter.

Von Peter Weckbrodt

Und ein Ende dieses - auch die Öffentlichkeit schon längst frustrierenden Streites - ist nicht in Sicht. Bereits 2006 hatte Sachsens damalige Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) den Willen des Landes bekundet, das Problem endgültig lösen zu wollen. Die Antwort des Finanzministeriums auf eine entsprechende DNN-Anfrage lässt offen, ob dies auch gelingt.

Statt den erhofften Schlussstrich ziehen zu können, musste der Freistaat nun eine ganze Runde neuer Vergleichsverhandlungen einläuten, um den Verbleib wertvoller Kunstgegenstände in Sachsen dauerhaft zu sichern. In der ersten Runde geht es, das bestätigte Antje Adamovsky vom Finanzministerium, um Gemälderestititions-Ansprüche des Hauses Wettin A. L.. Schon vor Jahresfrist hatte Dirk Burghardt, der Kaufmännische Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, vor der Presse neue Verhandlungen zu Ansprüchen der Wettiner auf Gemälde, Skulpturen, Möbel, Bücher und Exponate angekündigt.

Am Ende wird mit Sicherheit wieder viel Geld der Sachsen in die Wettiner Schatztruhe fließen. Dass nur der Sachsen Fleiß den Wettinern über Jahrhunderte hinweg die Anhäufung unvorstellbarer Reichtümer ermöglicht hat, dürfte als Argument am Verhandlungstisch keine Rolle spielen. Da geht es nur um finanzielle, nicht um moralische Werte. Die Anwälte der Wettiner werden gründlich vorbereitet in die Verhandlungen gehen. Dies hatte sich schon sich beim 2011 abgeschlossenen Porzellanvergleich offenbart, an dessen Ende für rund 300 strittige Exponate 4,2 Millionen Euro auf die Wettiner Tischseite wechselten. Die Asse des Berliner Anwalts Gerhard Brand waren seinerzeit zwei Inventarlisten, die er zum Nachweis der Ansprüche seinen Verhandlungsgegnern präsentierte. Aufgespürt hatte Brand diese Listen in, wie er selbst sagt, wochenlangen Nachrecherchen im Hauptstaatsarchiv Dresden.

In der von Brand gefundenen Reichenberger Liste waren 1947 etwa 600 Porzellane und rund 100 Gläser aufgeführt wurden, die der Pfarrer Heinrich Hermann unter dem Dach seiner Kirche als Freundschaftsdienst für den Prinzen Ernst Heinrich zu Kriegsende versteckt hatte (DNN berichteten). Die in deutscher und russischer Sprache im gleichen Jahr in Moritzburg aufgestellte zweite Liste enthält 462 Positionen mit 3437 Gegenständen, auf denen überwiegend wettinische Signaturen angebracht sind, so beim Kronengeier von Kaendler aus dem Jahre 1734 mit der Inventarbezeichnung "I B 77". Diese Signaturen hatte Prinz Ernst Heinrich erstmals 1930 im Inventarium des Fasanenschlösschen Moritzburg verwendet.

Pikant ist, dass die Reichenberger Liste im Hauptstaatsarchiv niemals, die Moritzburger Liste seit 2008 nicht mehr unter Verschluss gehalten wurde, also auch jedem Beamten des Finanzministerium zugänglich gewesen wären. Bemerkenswert ist auch, dass die 1930er Liste, die 1947 in Moritzburg noch auf dem Tisch lag, so jedenfalls Brands Kommentar, heute nicht mehr auffindbar ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.04.2012

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