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Schattenwelten in Traumphasen - Spannendes japanisches Gastspiel in im Festspielhaus Hellerau in Dresden

Schattenwelten in Traumphasen - Spannendes japanisches Gastspiel in im Festspielhaus Hellerau in Dresden

Es passiert eher selten, dass man nach einer Aufführung wie gebannt im Zuschauerraum sitzen bleibt. Und aus einer denkwürdigen Stimmung heraus versucht, das Erlebte irgendwie zu verarbeiten.

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"Mirror and Music" des international bekannten japanischen Choreografen Saburo Teshigawara.

Quelle: Sakae Oguma

Quasi herausfinden will, was da an Bildern und Klängen die Sinne gefangengenommen hat, wieso man sich jetzt von diesen Wahrnehmungen kaum mehr lösen kann. Das hat etwas Magisches, Geheimnisvolles. Und ist trotz aller Irritationen, Spiegelungen sowie musikalischer Kontraste dennoch kein Spiel mit doppeltem Boden. Denn jene, die sich im Blickpunkt befinden, die in der Bewegung ganz eigenen Formen, Energien, Abläufen folgen, sind greifbar und leibhaftig, zeichnen quasi mit ihren Körpern im Raum, bringen Schwingungen ein oder auf den Boden gesetzte Strichelformen. In den Empfindungen aber entführen sie uns in ein Irgendwo-Nirgendwo, in Schattenwelten, wie man sie zuweilen in halbwachen Traumphasen erleben kann.

"Mirror and Music" nennt der international bekannte japanische Choreograf Saburo Teshigawara sein 2009 im New National Theatre Tokyo mit der Company Karas uraufgeführtes Stück. Und es ist ein vielversprechender Auftakt, dass Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden damit im Großen Saal vom Festspielhaus das Jahresprogramm 2014 eröffnete. Was Teshigawara und die mit ihm arbeitenden Tänzerinnen und Tänzer zu vermitteln wissen - das war auch wunderbar in den Filmen im Begleitprogramm zu erleben -, ist ein fast unbeschreibliches Erkunden von Zwischenwelten. Die sich in Tanz, im Raum formen und vergehen, wie Spiegelungen zerbersten oder neu entstehen. Und Gestalt annehmen in Klang und Licht, in Not und Hoffnung. Bald wie in jenem Sprachbild der deutschen, von den Nazis ins ferne Exil vertriebenen Dichterin Hilde Domin, die von "ziehenden Landschaften" spricht, von "weggehen können und doch sein wie ein Baum".

Woran man sich besonders erinnern wird nach diesem Abend im Festspielhaus? Ganz sicher an das, was man dabei gefühlt, assoziiert hat. Gewiss aber auch an dieses irre Schlussbild, wo fast unmerklich aus der Gruppe der sechs Tänzer, die sich scheinbar auf der Stelle "auflockern", einige in den dunklen, verhangenen Hintergrund abdrif- ten. Bis sich nur noch zwei Frauen auf ihren "Positionen" weiter mühen und schließlich "erlöst" werden. Dann aber setzt wie im Schattenreich ein spiele- risches Haschen und Fangen ein, Und nun kann man rätseln, ob das glücklich Entschwundene im Jenseits oder möglicherweise auch Wiedergeborene im Diesseits sind. Die offenbar ihr Dasein oder Dortsein genießen können - und das hat schon mal etwas Befreiendes.

Was nicht minder erfreulich ist - trotz Schnee, Eis und Kälte haben sich an beiden Gastspielabenden - der erste war absolut ausverkauft - reichlich viele Besucher zum Jahresauftakt nach Hellerau begeben. Und es ist schon erstaunlich, wie sich außer einem gewissen Stammpublikum immer wieder auch sehr junge Neugierige im Festspielhaus einfinden. Dass an diesem Ort Ungewöhnliches, Bemerkenswertes aus aller Welt geboten wird, hat sich ja längst schon eingeprägt. Aber es ist ebenso auffällig, wie ungemein aufmerksam die liebenswert aufgemischte Schar auf noch wenig Vertrautes reagiert, die Künstler schließlich mit viel Beifall weiter in Bewegung hält.

Dass übrigens Saburo Teshigawara selbst zu den sechs Mitwirkenden gehört, ist keine spezielle Offerte für Hellerau. Der japanische Tänzer und Choreograf, der auch bei dieser Arbeit ebenso für Bühne, Licht und Kostüme verantwortlich zeichnet, ist in allem, was er tut, ein Meister. Und auch diese Ganzheitlichkeit, Vielseitigkeit macht das Besondere seines Wirkens aus - da reichen 75 Minuten völlig aus, um das Publikum gefangen zu nehmen. Es zu infizieren mit einem Kunstverständnis, das sich wenig schert um irgendwelche Unterschiede. Weder in Hinblick auf seine choreografischen, musikalischen oder bildnerischen Mittel. Teshigawara nutzt Altes wie Neues, Westliches wie Fernöstliches, spürt Gegensätzliches und Verbindendes auf.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.01.2014

Gabriele Gorgas

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