Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
"Schattenkabinett"-Ausstellung von Danjana Brandes in der Landesdirektion Dresden

"Schattenkabinett"-Ausstellung von Danjana Brandes in der Landesdirektion Dresden

Unerschöpflich scheint die Fabulierlust von Danjana Brandes, wenn sie gedanklich, wie Alice im Wunderland, die andere Seite des Lichts betritt, die Welt der Schatten, die nicht in Schwärzen zu ertrinken droht, sondern, im Gegenteil, mit der Kraft der Erinnerung voller Farben bleibt.

Voriger Artikel
„Weihnachtsoratorium“ in der Kreuzkirche Dresden ist restlos ausverkauft
Nächster Artikel
Weihnachtsoratorium der Staatskapelle Dresden mit Christian Thielemann in der Frauenkirche

Danjana Brandes: Paare, Malerei und Serigrafie auf Flachweberei, Leinen handgewebt, Acryl, Keilrahmen, 2011.Repro: Galerie

Hier manifestiert sich das, im Kommen und Gehen, was sich im Traum überlagert, verwischt, verdichtet, verwebt auf ungemein inspirierende Weise - das "Schattenkabinett". So der Titel einer Ausstellung mit ihren Arbeiten, die in der Galerie in der Landesdirektion gezeigt wird.

Wo die Schatten bunt sind, befindet sich das Reservat von Danjana Brandes. Sie kennt sich aus mit der Stofflichkeit von Materialien und Oberflächen. Färbt sie doch das Rohleinengarn als Leinenstrang selbst. Sie spult diesen um und webt ihre Leinwände, die sie dann im Handsiebdruck mit Schablonierung und Tuschelavierung bearbeitet. Sie lässt sich verführen, um neue Zusammenhänge zu entwickeln. So sind ihre Bildwerke ein lebendiger Entwurf einer strategischen Neuordnung und Nuancierung der eigenen Erfahrungswelt.

Zarteste Schichtungen wechseln mit einem leuchtenden Farbspiel, einer faszinierenden Ornamentik, die mehr andeutet als hervorhebt, einem fabulösem Netzwerk von Linien, einem Vor- und Zurücktreten von Strukturen, Flächen, Floralem, Figürlichem. Sie liebt Symbolwelten, archaische Zeichen, Dinge, die eine Aura besitzen. Einerseits arbeitet Danjana Brandes auf selbst gewebten und eingefärbten Leinwänden, andererseits bezeichnet sie mit Tusche dünne Baumwollstoffe. Oftmals entstehen spontan Gesichter.

Vieles ist wirklich nur angedeutet im Verschwinden. Aus der Nacht tagt es heraus. Es blaut und flammt rot und das Pflanzenmeer hüllt sich ein in Weiß. Haus und Baum und Auge und Frau und Krug fliegen. Man beflügelt und bekrönt sich. Die Elemente wachsen einander auf der Fläche zu, um sich räumlich aufzulösen. Ganz viele Schichtungen, zarte und opake. Weiche und harte irisierende Konturen geben Halt im Chaos. Sie vertraut dem Glauben an langfristige Zusammenhänge und komponiert mit Leidenschaft eine bildnerische Analyse aus Erinnerungen, Träumen, Assoziationen. So entsteht das Wesentliche aus dem Wechselspiel von Formen und ihrer gegenseitigen Durchdringung, von Vertrautheit und Entfremdung, von Verlust und Gewinn, von Zwischenwelten, von Selbsterkundung und Selbsterfahrung.

Ihre Arbeiten scheinen selbst auf den Wänden immer noch weiter zu wachsen im Spiel mit harten und weichen Formen, mit scharfen Konturen und diffusem Farbgewölk, im Fluss der Phantasie, die Fata Morganen streift, dem Sommernachtstraum huldigt und paradiesische Eilande berührt. Grafische und malerische Elemente, Ornamentales und Abstraktes sind miteinander verbunden. Linien streuen sich, um sich zu verdichten, Flächen ebenso. Es lebt das Prinzip von Makro- und Mikrokosmos. Fremdheiten bilden surreale Zusammenhänge, entfernte Zeiten und Wirklichkeiten kann man gleichzeitig erleben. Es ist Traumzeit angesagt im Reich der Zwischenwelt.

Die Künstlerin wahrt allerdings ihre Geheimnisse. Ihr bildnerischer Ausdruck ist für sie eine Möglichkeit, über das Leben nachzudenken, und so entführt sie in Welten des Dazwischen, in denen Erlebtes, Erahntes, Erfühltes, Ertragenes, Gewünschtes ganz einfach gleichberechtigt nebeneinander stehen können oder fliegen, um Klarheit zu gewinnen. Sie bleibt sich selbst treu. Sie schwimmt nicht mit, aber auch nicht gegen den Strom. Sie ist keine Textilkünstlerin, aber auch keine Malerin im klassischen Verständnis.

Danjana Brandes wurde 1979 in Beckendorf-Neindorf in Sachsen-Anhalt geboren. Sie lebt seit 1990 in Sebnitz. Nach einer werbegrafischen Ausbildung in Freital begann sie 1999 ein Studium an der Burg Giebichenstein, der Hochschule für Kunst und Design in Halle. Anfangs war sie in der Klasse bei Prof. Mechthild Lobisch für Konzeptkunst/Buch. Sie wechselte nach einem Jahr in die Klasse Malerei/Textil bei Prof. Inge Götze, über die sie mit Hochachtung spricht. Von 2002 bis 2005 setzte sich Danjana Brandes intensiv mit dem Handwerk der Leinen-Flach-Weberei in der Staatlichen Textilmanufaktur in Halle auseinander. 2003 erhielt sie ein Stipendium an der Hochschule für Kunst, Architektur und Design in Prag, 2005 das Diplom. Seit 2006 ist sie freischaffend tätig. Sie lebt mit Tochter, Sohn und Mann in Sebnitz und begegnete natürlich dort auch Andreas Dress, mit dem sie freundschaftlich verbunden ist.

bis 30. Dezember, Casinogebäude der Landesdirektion, Stauffenbergallee 2, Mo. bis Do. 9-18 Uhr, Fr. 9-14 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.12.2011

Karin Weber

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr