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"Schall und Rausch" von den Dresdner Blechern der Banda Comunale

"Schall und Rausch" von den Dresdner Blechern der Banda Comunale

Die Dresdner von Banda Comunale haben schon einiges erlebt. So kamen zum größten Konzert am Valentinstag 2009 rund 6000 Leute zum Frischluftkonzert im Winter - und auch Smudo, Güttler und Müntefering applaudierten.

Anlass war "Geh denken", denn als Gründungsimpuls geben die elf Freunde die Dresdner Neonaziaufmärsche zum 13. Februar an, um schon vor 13 Jahren per mobiler Musik positive Energie auf die Straße bringen. Sie waren es auch, die vor drei Wochen als erste Künstler Puste fanden, um gegen die neuen Dresdner Montagsdemos anzublasen.

Dennoch - so viel Erinnerung muss sein - wuchsen die Märsche bis 2006 noch enorm an, ehe sich bürgerlicher Widerstand formierte und den Spuk ab 2010 einigermaßen stoppte. 2004 und 2007 wuchsen aus der Haus- und Demomusik erste Klangträger, nun dauerte es sieben Jahre für 14 neue Stücke, die sie in der Dresdner Groovestation per fulminanten Konzert vorstellten. Titel der neuen Scheibe ist wohl Programm: "Schall und Rausch", im März und April produziert und nun bei "Rain Records" erschienen, hat unverkennbar Wurzeln auf dem Balkan, jüdische Einflüsse und Eindrücke aus Süd- und Nordamerika. Dennoch beschreiben sie - in Anlehnung an ungute Verwandte - ihre Musikrichtung modisch mit Blazmuzik. Und diese ist bekanntlich Balzam für die Ohren, und das laut Band seit 800 Jahren. Das Gute daran: Draußen in der Natur brauchen sie keine Verstärkung, ja nicht einmal Strom, und sind somit schnell und überaus flexibel einsetzbar. Vor allem bei Demonstrationen und Kundgebungen, seitdem es Blockaden nicht mehr geben darf. Und es ist auch gute Balzmusik, wie sich sofort zeigte. Live ist das dennoch eine Leistung, vor allem die Einsätze auf der proppevollen Bühne, auf der in der hinteren Reihe am Rande die beiden großen Herren mit den Tuben und die drei Schlagwerker stehen, während vorn die restlichen acht Bläser arbeiten - je zwei Trompeten, Posaunen und Saxophone, dazu Klarinette und ab und an die Kalimba von Frontmann Michal Tomaszewski, der von ganz links außen spielte und auch das so genannte Artwork, sehr farbig und modisch cartoonhaft, erfand.

Einer von drei Ehrengästen - zum Schluss standen also 15 ausgewachsene Männer auf der Bühne - war Thomas Hellmich. Der Kopf und Posaunist von Yellow Umbrella wohnte über zehn Jahre im Ursprungshaus der Band - eine Art Musikerkommune auf der Kamenzer Straße 36, in der die Wohnungen quasi "weitervererbt" werden. Als seine Band am Boden lag, spielte er mit den Jungs mehrere Jahre Tuba, nun produziert sein Label die Scheibe.

Die wurde schon beim Konzert ein Renner - ein Erfolg der beiden Töchter von Alfred Haberkorn (am Helikon), die sich während des Konzertes immer wieder neue Methoden einfallen ließen, den wohl über 200 Konzertbesuchern eine der neuen Scheiben für faire zehn Euro zu verkaufen. Über achtzig Striche standen zum Schluss auf dem Zettel - damit straften sie dem Bandleader unbewusst Lügen, der für jede verkaufte Scheibe eine Minute längere Spieldauer versprach. Aber so genau ist das eh nicht messbar. "Ihr könnt nicht mehr, wir auch nicht", so das ehrliche Fazit nach über zweieinhalb Stunden. Und Michal Tomaszewski lud die tanzende Gemeinde für montags ein - oder spätestens für den 13. Februar - zum 14. Bandgeburtstag.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.12.2014

Andreas Herrmann

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