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Salzburger Osterfestspiele mit Dresdner Beteiligung

„Otello“-Premiere unter Christian Thielemann Salzburger Osterfestspiele mit Dresdner Beteiligung

Die Osterfestspiele Salzburg wollen u.a. mit „Otello“ an den 400. Todestag William Shakespeares erinnern. Das Regieteam um Vincent Boussard hat viel verschenkt vom spannenden Gehalt der Vorlage. Mit mehr Verve erfüllte die Staatskapelle Dresden unter ihrem Chef Christian Thielemann den dramatischen Anspruch der Oper.

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„Otello“ in Salzburg mit Benjamin Bernheim (Cassio), Dorothea Röschmann (Desdemona), José Cura (Otello) und Csaba Szegedi (Montano) v.l.

Quelle: Forster

Salzburg/Dresden. Schwarze Limousinen vorm Salzburger Festspielhaus. Deutsche Autos einer deutschen Bank, um die teuren Stammgäste von der Opernpremiere zum edlen Diner zu chauffieren. Alle Jahre wieder, dieses Prozedere gehört hier zum guten Ton. Man sieht sich, man zeigt sich; in ein paar Tagen wird es dann wieder heißen, Servus, bis nächstes Jahr.

Nun stand eine der schwärzesten Opern auf dem Programm, „Otello“ von Giuseppe Verdi, ein Spätwerk des Meisters, geschrieben zum Libretto Arrigo Boitos. Die Osterfestspiele wollen damit an den 400. Todestag von William Shakespeare erinnern, von dem ja die „Othello“-Tragödie stammt, und setzen so zugleich eine dramaturgische Brücke von der Oper zu den Konzerten, um die Programmpunkte stringent zu verbinden. Auf diese Vernetzung legt Neu-Intendant Peter Ruzicka großen Wert, hörbar wird sie in dem kommenden Tagen mit Shakespeare-Bezügen in Carl Maria von Webers „Oberon“-Ouvertüre, die ebenso wie die zu Felix Mendelssohn Bartholdys „Sommernachtstraum“ und Hans Werner Henzes Sinfonia Nr. 8 auf wesentlichen Motiven des grandiosen Dramatikers basiert. Auch Peter Tschaikowskis Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ und Manfred Trojahns Kammerstück „Four Women from Shakespeare“ (eine Uraufführung im Auftrag der Festspiele) gehen selbstredend darauf zurück.

Weitgehend schwarz war auch die riesige Bühne für diesen mehr auf Ästhetik denn auf Aktualität gesetzten „Otello“. Für Opulenz sorgten darin insbesondere die blutroten Kostüme der Chöre, kammerspielartige Lichtblicke wurden erst im Schlussakt zur berührenden Sterbeszene von Desdemona und Otello gewährt. Bis dahin zog sich das Spiel um den „Mohren“, der als venezianischer General gegen die Türken gekämpft hat und über Zypern befiehlt, der seinen Status in der „weißen“ Gesellschaft aber nur durch seine Gattin erlangt, sehr schwerfällig dahin. Wäre nicht der intrigante Iago, der seine Fäden knüpft und dem Unheil freien Lauf gewährt, es hätte wohl kaum Bewegung in diesem Vierakter gegeben.

Das Regieteam um den Franzosen Vincent Boussard (Bühnenbild Vincent Lemaire, Kostüme Christian Lacroix / Robert Schwaighofer, Video Isabel Robson, Licht Guido Levi, Choreografie Helge Letonja) hat viel verschenkt vom spannenden Gehalt dieser Vorlage. Da wurde zwar mit wehenden Tüchern und heftigen Lichteffekten ein vitales Geschehen suggeriert, dem man bei näherem Hinsehen aber nur weitgehenden Stillstand attestieren kann. Wie um dies zu überspielen, stelzt ein schwarzer Engel als Bote des Bösen durch die schattenvollen Szenen, in denen auch manche Gesichter im Dunklen geblieben sind. Persönlichkeitsbilder entstanden so keine.

Mit unvergleichlich mehr Verve erfüllte die Sächsische Staatskapelle Dresden den dramatischen Anspruch der Oper, wenngleich ihr Chefdirigent Christian Thielemann allzu oft teutonische Lasten auffuhr, wagnerhaft Masse bediente, den Gesang oft überdeckte, die flirrende Italianità der Musik viel zu selten auskosten ließ. Gewiss, diese vorletzte Oper von Verdi ist mit dessen frühen Erfolgsstücken kaum zu vergleichen, ist von anderer Substanz auch als sein Opus ultimum „Falstaff“, ist samtiger, schwerer. Diese Klangfarben wurden von den Streichern glänzend herausgeputzt, vom Holz technisch meisterhaft zelebriert, vom Blech schallend ausgekostet und vom Schlagwerk mit dräuender Düsternis übersetzt. Auch die Filigranität mancher Passagen gelang großartig, nicht zuletzt bei den tiefen Streichern, blieb im Zusammenspiel mit der Bühne jedoch oft auf der Strecke, wurde erst wieder im Sterbeakt deutlicher und ist allenfalls in den Gesangsszenen durchgehend erkennbar gewesen.

Da hat vor allem Dorothea Röschmann als Desdemona brilliert, die in jeder Hinsicht unangestrengt wirkte, ihren schönen Sopran jeder Herausforderung souverän anpassen konnte – eine völlig zu Recht sehr gefeierte Sängerdarstellerin. Dass der im Titelpart (für Johan Botha eingesprungene) José Cura neben starkem Beifall auch einige Buh-Rufe kassierte, mochte angesichts der Raffinesse seiner Partie überzogen wirken; in der Tat blieb er in seiner Gesamtwirkung allerdings vergleichsweise blass. Dagegen vermochte Carlos Álvarez als Iago fulminant aufzufahren, bot darstellerisch und vokal den nur an sich selbst glaubenden Fiesling, der seinen Weg geht; koste es was es wolle. Überraschend war die Entdeckung von Benjamin Bernheim als Cassio, einer viel zu oft unterschätzten Partie, die hier einmal (durch Dresdens jüngsten „Holländer“-Erik und „Arabello“-Matteo) ganz auslotet worden ist. Das lässt sich ebenso von den vermeintlichen Nebenrollen sagen, in denen mit Christa Mayer und Georg Zeppenfeld zwei herausragende Dresdner Ensemblemitglieder brillierten, die längst zu den gern gesehenen (und gehörten) Festspielgästen gehören.

Auf diesem Podium ebenbürtig hat sich einmal mehr der – deutlich erweiterte – Staatsopernchor bewähren können, dessen Klangkultur Teil des Ganzen ist. Im Februar 2017 kommt Salzburgs „Otello“ als Koproduktion nach Dresden und dürfte diesmal keine raumtechnischen Probleme in der Umsetzung bieten. Man muss nur auf viel schwarze Flächen verzichten. Auf die schwarzen Kaleschen sowieso.

www.osterfestspiele-salzburg.at

Von MICHAEL ERNST

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