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Saisonabschluss der Dresdner Philharmonie im Albertinum

Ein Fest der Klangfarben Saisonabschluss der Dresdner Philharmonie im Albertinum

Verklungen ist die 145. Spielzeit der Dresdner Philharmonie, gleichzeitig die fünfte des Chefdirigenten Michael Sanderling und die letzte komplette Interimsspielzeit auf Reisen durch die Säle der Stadt. Doch am Ende der Saison sollen nicht Zahlen stehen, sondern Musik.

Sol Gabetta am Cello, Michael Sanderling am Pult der Dresdner Philharmonie.

Quelle: Jörg Simanowski

Dresden. Verklungen ist die 145. Spielzeit der Dresdner Philharmonie, gleichzeitig die fünfte des Chefdirigenten Michael Sanderling und die letzte komplette Interimsspielzeit auf Reisen durch die Säle der Stadt. Doch am Ende der Saison sollen nicht Zahlen stehen, sondern Musik. Den orchestralen und kammermusikalischen Abschluss feierte die Dresdner Philharmonie am vergangenen Wochenende, zudem fand auch traditionell das „Musikalische Picknick“ auf Schloss Albrechtsberg statt.

Im Sinfoniekonzert im Albertinum konnte man am Sonnabend erneut den beiden Residenzkünstlern der Saison begegnen. Michael Sanderling leitete zunächst die Uraufführung des eigens für die Dresdner Philharmonie entstandenen Werkes „Desheret“/Rote Erde von José María Sánchez-Verdú. Erneut konnte man eine Raummusik erleben, deren akustisches Ergebnis mit fünf kleinen Instrumentalgruppen sich zwar auf „links hinten“ und „vorne“ reduzierte, aber dennoch mit einiger Fantasie beim Zuhören vervollständigt werden konnte. Bewundernswert war an dem Stück, wie Sánchez-Verdú die Klangmöglichkeiten des Orchesters konsequent erweiterte – Luftartikulationen spielten hier ebenso eine wichtige Rolle wie flirrende Ornamentik an der Klanguntergrenze. So schob und zog sich das Stück langsam in eine orientartige, dennoch artifizielle Umgebung, die dann sehr abrupt endete. Bei allem sensiblen Klangsinn, den Sanderling mit den Philharmonikern entfachte, wies das Stück allerdings kaum über einen naturalistischen Ansatz einer sinfonischen Dichtung heraus. Man fand eine moderne Form von Borodins „Steppenskizze“ vor, der fragile Oboen-Cantus Firmus verstärkte diesen karawanesken Eindruck.

Eventuell hätte das Stück auch eine bessere Wirkung erhalten, wenn man die 1. Sinfonie von Gustav Mahler mit ihren Naturlauten unmittelbar angeschlossen hätte. Da aber stand noch ein Solo-Konzert dazwischen und für die Klänge von Camille Saint-Saëns musste man innerlich etwas umschalten. Das gelang aber dank Sol Gabetta, der herausragenden Solistin im 1. Cellokonzert a-Moll, in wenigen Augenblicken. Mit unbändiger Energie und selbstbewusstem Zugriff auf das Griffbrett formte sie den 1. Satz aus, um danach die schneller wechselnden Charaktere des Werkes mit viel Lyrik und tollem Atem für die Phrasierung auszugestalten, ihren temperamentvoll angegangenen Solopassagen folgte man mit Spannung, hingegen war ein großes Orchestertutti im dritten Satz im Sinne der Begleitfunktion allzu ordentlich sortiert, so dass es eher blass wirkte.

Überraschung bei der Zugabe: Michael Sanderling und Sol Gabetta brillierten im Cello-Duo von Friedrich August Kummer und gaben so sogar ein sächsisches Virtuosen-Bonmot hinzu: Der Cellist, Oboist und Komponist Kummer wurde von Carl Maria von Weber einst an das Dresdner Opernhaus berufen. Nach der Pause gelang noch ein äußerst festlicher und intensiver Ausklang: Gustav Mahlers 1. Sinfonie fordert von allen Orchestergruppen viel Klangfarbenarbeit. Michael Sanderlings Interpretation war eher von irdischer Klarheit denn von kindlichem Staunen gekennzeichnet, das wirkte vor allem im 1. Satz überzeugend, weil so die große Form der Sinfonie stärker in den Vordergrund rückte. Manchmal hätte man sich aber in den Mittelsätzen doch noch mehr Freiheit in der Zeichnung gerade der Übergänge gewünscht, wo Sanderling mehr auf natürlichen, zuweilen leicht vorwärtsdrängenden Fluss setzte. Letzteres ging im zweiten Satz – bei einem innig musizierten, herausragendem Trio! – nicht immer gemeinsam vonstatten, dafür aber gelang der große 4. Satz hervorragend in der Gegenüberstellung von Inferno und jubelndem Zieleinlauf – die dramatischen Steigerungen ging Sanderling mit viel Zug im Tempo an und die Philharmoniker folgten mit großem Können und sattem Hörnerklang.

Von Alexander Keuk

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