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Saint-Exuperys "Kleiner Prinz" im Dresdner August, dem Starken Theater

Saint-Exuperys "Kleiner Prinz" im Dresdner August, dem Starken Theater

"Es wird aussehen, als wäre ich tot, aber das wird nicht wahr sein" - sagt der Kleine Prinz, als er sich aus dem gleichnamigen Buch von Antoine de Saint-Exupery verabschiedet.

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"Sieh da, ein Untertan", begrüßt der König den Kleinen Prinzen. Aber der denkt gar nicht daran, einer zu sein, wie das Spiel Detlef-A. Heinichens zeigt.

Quelle: Theater

Dieser Satz passt irgendwie auch gut zum geheimnisvollen Ende des Autors, der von einem Aufklärungsflug von Korsika aus mit einer Lightning P 38 (deren Bordkanonen waren durch Kameras ersetzt) am 31. Juli 1944 nicht mehr zurückkam, nachdem er justament in der Nacht vor seinem Tod einer Freundin schrieb: "Falls ich abgeschossen werden sollte, verschwinde ich, ohne das zu bedauern." Die Nachwelt bedauerte zutiefst, dass es nicht nur so aussah, als wäre Saint-Exupery tot.

Aber mag auch die Blume, die der Kleine Prinz hütet, vergänglich sein, der Nachruhm Saint-Exuperys ist es nicht. Die Zahl von Bühnen-Adaptionen seines berühmten Buchs ist Legion, am August das Starke Theater hatte nun Ivan Pokornys Inszenierung Premiere. Die ist sehr sehenswert. Obwohl man den vielzitierte Satz "Man sieht nur mit dem Herzen gut" wieder und wieder gehört hat, man seiner mitunter fast überdrüssig war, berührt er in diesem Fall durch und durch - und es ist beileibe nicht die einzige Sentenz, die einen nachhaltig nachdenklich stimmt.

Der erste Satz, der fällt, stammt eigentlich von einem anderen berühmten Autor: "Als ich ein kleiner Junge war" von Erich Kästner. Gesprochen wird er von Detlef-A. Heinichen. Er ist der Mann, der sich erinnert, an die Begegnung mit dem Kleinen Prinzen, der der Erste war, der in seiner Zeichnung nicht einen Hut sah, sondern ganz richtig eine Riesenschlange, die einen Elefanten verschluckt hat. Am Tisch sitzend, an einer Flasche immer wieder mal nippend, erweckt Heinichen den Prinzen ebenso zum Leben wie all die Personen auf diversen (Kleinst-)Planeten, denen dieser auf seiner Reise so begegnet. Mit einem Finger einen Nasenflügel eingeklemmt - und schon hat die Blume eine ganz andere Tonlage.

Die vielen kleinen (Tisch-)Figuren sind sehr akkurat, mit Sinn fürs Detail gestaltet. Man freut sich schon innerlich jedes Mal, wenn Heinichen kurz aufsteht, um eine neue Figur hinter den Kulissen herbei- oder im Fall des Laternenanzünders hinter dem Lampenschirm hervorzuholen. Geschaffen hat die Puppen mit ihren ganz sacht und leicht bemalten Holzköpfen in der Regel Arne Busdorf. Nur die Schlange ist simpel. Ein Seil mit einem Seemannsknoten. "Die preiswerteste Figur, die ich je hatte", räumte Heinichen nach der Vorstellung ein.

Es ist eine Inszenierung für Erwachsene. Ein paar Frechheiten müssen und dürfen sein, sie verleihen dem Spiel die notwendige Würze. Sonst aber dominiert Poesie pur. Lichteffekte, Musikeinspielungen, die Fülle von Ideen summiert sich zu einem runden Ganzen, was im Regietheater erfahrungsgemäß leider allzu oft völlig anders ist. Und man sieht es letztlich ein: Der Kleine Prinz hat so unrecht nicht, wenn er immer wieder seufzend konstatiert: "Die großen Menschen sind sonderbar!" Haben eine Vorliebe für Zahlen, die weit über die Kombination neunzig-sechzig-neunzig hinausreicht, wollen die Sterne besitzen, einfach weil sie die Ersten sind, die darauf gekommen sind. Aber es gibt zum Glück auch große Menschen, die so wunderbare Bücher schreiben, wie es Antoine de Saint-Exupery mit dem "Kleinen Prinzen" tat.

Christian Ruf

Nächste Vorstellungen: 21. und 22. 9., jeweils 20.30 Uhr, Karten unter: Tel. 0351/ 26 66 17 72

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.09.2012

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