Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Google+
Sänger, Musiker, Entertainer, Autor, Moderator: Gunther Emmerlich feiert seinen 70. Geburtstag

Sänger, Musiker, Entertainer, Autor, Moderator: Gunther Emmerlich feiert seinen 70. Geburtstag

Dresden. Dem sächsischen Wahlvolk wurde gerade ein reisender Küchentisch geboten. Doch das ist eine andere Geschichte.

Voriger Artikel
100 Jahre und kein bisschen leise - das Bandonion ist ein fast vergessenes Handzuginstrument
Nächster Artikel
Kritischer als gedacht: Arne Retzlaff sucht auf Kuba ein Theater für eine Koproduktion

Gunther Emmerlich

Quelle: dpa

Emmerlichs Küchentisch hat die Villa Maria auf dem Weißen Hirsch in Dresden nie verlassen. Trotzdem ist das Utensil bekannt geworden als Ort für Kommunikation. Sein Besitzer ist es sowieso. Ihn muss man weder als Sänger und Musiker, noch als Entertainer und Moderator und auch nicht mehr als Buchautor vorstellen. Am 18. September begeht Gunther Emmerlich seinen 70. Geburtstag. Gelegenheit für ein weiteres Gespräch am Küchentisch.

Es begann ein klein wenig verzögert. Der Jubilar hatte meinen Termin verschwitzt. Zu viele Medien stellen in diesen Tagen (die immer gleichen) Fragen. Doch Emmerlich wäre nicht Emmerlich, der erfahrene, souveräne Künstler, wäre die Sache nicht charmant in wenigen Minuten geregelt. 1992 hatte er nach 20 Jahren seinen Vertrag mit der Sächsischen Staatsoper gelöst, um unabhängig zu sein. „Das war eine meiner weisesten Entscheidungen“, sagt er noch heute dazu. Dann kommt, fast entschuldigend, der kleine Satz: „Manchmal wird es zu viel, aber so lange es Spaß macht…?“

In einer Woche reihen sich gleich vier Kirchenkonzerte aneinander, dazu musikalische Lesungen seiner Bücher „Ich wollte mich mal ausreden lassen“ (erschienen 2007) und „Zugabe“ (2010) gemeinsam mit dem „Dresden Swing Quartett“. Das dritte Buch, Zugabe Nummer 2, soll 2015 erscheinen. Erst kürzlich stand Emmerlich als Schirmherr der Generalsanierung der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg sogar in Martin Luthers Fußstapfen und sprach von der Kanzel des Zentrums der Reformation. Sein Thema: die Kirche als Bühne, der Pfarrer als Moderator. Emmerlichs Bekenntnis: Trotz seiner Religionslehrer blieb er der Christenheit erhalten - dank der Mutter, Martin Luther und Johann Sebastian Bach. Sein Wunsch: Glauben faszinierend vermitteln und dabei den Humor nicht vergessen.

Vielleicht entdecken auch langjährige Verehrer des populären Künstlers mit eigenem Fan-Club bei solchen Gelegenheiten noch etwas Neues. Vielleicht hat sich auch noch nicht herumgesprochen, dass er an einem Krimi schreibt. Vieles aber aus einer über 40-jährigen Karriere war wohl irgendwo schon einmal veröffentlicht. Was jetzt noch fehlt, liefert er persönlich nach in seinem neuen Programm „Die Welt und ich – 70 Jahre Emmerlich“. Premiere ist am 22. Oktober auf dem Dresdner Theaterkahn. „Ich setze mein kleines Leben ins Verhältnis zur großen Welt“, erklärt er die Intention. Und wie man ahnt, wird es nicht nur musikalisch passend durch die Jahre gehen, sondern auch witzig, pointiert, lakonisch zugespitzt werden. Hier eine Kostprobe: Am Tag als Edmund Hillary als Erster den Gipfel des Mount Everest erreicht hatte, gelang dem Knirps Gunther als Erstem eine extrem lange Schlitterpartie in Igelitstiefeln.

Das war, wissen Sachsen und Thüringer wahrscheinlich besser als Bayern oder Schwaben. Emmerlich spricht übrigens vom „huscheln“ mit seinen Stiefeln, was den gebürtigen Ostthüringer aus Eisenberg ganz fein vom Dresdnerischen Sachsen unterscheidet. Wohl fühlt er sich in beiden Regionen und erkennt die Unterschiede weniger in der Sprache, als in der Provinz da und der Residenzstadt hier. In der Provinz also startete der Knabe unter unglücklichen Bedingungen sein Leben. Der Vater war im Krieg geblieben, die Mutter lange an Multipler Sklerose erkrankt. Als sie starb, war er erst elf und galt als schwierig. Die 19-jährige Schwester rettete ihn durch Adoption vor dem Waisenhaus, was er ihr hoch anrechnet. Emmerlich: „In der Summe bin ich mit meinem Leben ganz zufrieden. So bin ich von vornherein geerdet.“

Der Hüne mit der markanten Bass-Stimme wurde Betonbauer und absolvierte die Ingenieurschule für Bauwesen in Erfurt. Daneben spielte er in angesagten Thüringer Bands, so der Hans-Bürger-Combo, Studio 64 oder der BS Combo Weimar. Der Drang zur Musik führte vor die Aufnahmekommission der Musikhochschule „Franz Liszt“ in Weimar. Die entdeckte in dem jungen Mann, der Operngesang studieren wollte, einen Rohdiamanten. Nach erfolgreichem Abschluss gelang ihm der Sprung ins Opern-Nachwuchsstudio in Dresden und von da auf die Bühne der Sächsischen Staatsoper. Rollen waren Osmin („Entführung aus dem Serail“), Alfonso („Cosi fan tutte“), Bartolo („Figaros Hochzeit“), Basilio („Barbier von Sevilla“) oder Sarastro („Zauberflöte“). Später glänzte er als Sir John Falstaff, Doolittle, fast 700-mal als Milchmann Tevje und als Sallah Shabati (aus Kishons gleichnamigem Stück).

Gunther Emmerlich bezeichnet sich gern als Barockmenschen. Nicht nur der Statur wegen, auch weil er neugierig aufs Leben sei und Neues ausprobieren möchte. Und so kamen das Banjo und der Jazz mit der 1985 gegründeten „Semper House Band“, unzählige Fernsehsendungen von der legendären „Showkolade“ bis zur Unterhaltungsshow „Nimm Dir Zeit“ zugunsten des Erhalts von Baudenkmälern im Osten und der „Zauberhaften Heimat“ hinzu. Der wortgewandte Sänger bestreitet Galas und kleine Liederabende, Lesungen und Moderationen und er inszeniert (zum Beispiel den „Wildschütz“).

Von der Ruine der Semperoper, wo Emmerlich vor Bauarbeitern gesungen hat und die Sinnlosigkeit von Kriegen hautnah empfand, führte sein Weg bis in die Carnegie Hall von New York und in zahlreiche andere Länder. Sein Bestes will er an jedem Ort geben, denn die Menschen vor ihm „sind überall Publikum“. Zu Hause ging vor nunmehr 25 Jahren die Zeit des subtilen Zwischen-den-Zeilen-Sagens - vom Entertainer gut genutzt - vorüber. Mit Freunden und Kollegen verfasste er eine Resolution, die nach den Vorstellungen in der Semperoper verlesen wurde. Zur Maueröffnung bereitete er gerade seine „Showkolade“ vor mit Stargast Reinhard Mey, der bis dahin in der DDR nie auftreten durfte. Zehn Tage später moderierte Emmerlich die Künstlerdemo auf dem Theaterplatz.

70 Jahre sind keine Zäsur. Schon plant er für die Bad Hersfelder Opernfestspiele 2015. Geburtstag feiern möchte der Star gern zweifach. Einmal mit Freunden und Familie, zu der seine drei erwachsenen Kinder und sieben Enkeltöchter gehören, und einmal im kleineren Kreis mit Ehefrau Anne-Kathrein. Ihr Auszug aus der Villa nach 35 Ehejahren war Thema vieler Medien. „Es gibt keinen Rosenkrieg“, betont Emmerlich. Eine Auszeit muss ja kein Ende sein.

Genia Bleier

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr