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Sächsisches Vocalensemble ehrt Schumann mit Konzert und Gedenkweg

Sächsisches Vocalensemble ehrt Schumann mit Konzert und Gedenkweg

"Im Augenblick bin ich an einer großen Arbeit, der größten, die ich bis jetzt unternommen - es ist keine Oper - ich glaube beinahe ein neues Genre für den Concertsaal", schrieb Robert Schumann 1843 an seinen Freund Carl Koßmaly.

Das damit gemeinte Oratorium "Das Paradies und die Peri" wird am 10. Juni im Palais Großer Garten vom Sächsischen Vocalensemble, Dresdner Motettenchor, Männern des Knabenchores Dresden und der Neuen Elbland Philharmonie unter Matthias Jung aufgeführt. Das Festkonzert findet im Rahmen der Robert-Schumann-Ehrung des Sächsischen Vocalensembles e.V. in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerb Zwickau statt. Neben den Schumann-Preisträgern Anne-Theresa Møller (Mezzosopran) und Henryk Böhm (Bass) gehören Eva Kirchner, Barbara Christina Steude (Sopran), Max Ciolek und Albrecht Sack (Tenor) zu den Solisten.

Matthias Jung, Gründer und Leiter des Vocalensembles, steckt inmitten der Proben an der selten zu hörenden, aufwändig besetzten Komposition. Mit "Das Paradies und die Peri" nach Texten aus der Dichtung "Lalla Rookh" (persisch für 'Tulpenwange') des Iren Thomas Moore (1779-1852) vollendete Schumann 1843 sein erstes chorsinfonisches Werk. Das orientalische Sujet erzählt von den Bemühungen der Peri (in der persischen Mythologie ein überirdisches Wesen in Menschengestalt, das wegen eines Fehltritts aus dem Paradies verbannt wurde), erneut Einlass in den Himmel zu finden. "Man muss sich auf den Text mit seiner romantischen Sprache einlassen! Er wirkt naiv, direkt, kindlich, eben wie ein Märchen", sagt Jung, der in Schumanns Vertonung authentische Bezüge zu dessen damaliger Lebenssituation sieht: "Da schwingen die Freude über Erreichtes, wie auch patriotisches Gedankengut mit. Die Musik ist heiter, sehnsuchtsvoll-schwärmerisch, auch dramatisch. Eine große Rolle spielt der Chor. Da brauchen wir schon 70 Sänger, auch wenn es mir um einen wesentlich lichteren Klang geht als beispielsweise bei Brahms."

Das Oratorium war lange aus dem Konzertbetrieb verschwunden, nachdem es in beiden Weltkriegen politisch missbraucht worden war. In jüngster Zeit widmeten sich Dirigenten wie Harnoncourt und Rattle sowie auch die Sächsische Staatskapelle und der Staatsopernchor unter Sinopoli (CD-Einspielung 1995) einer Neurezeption.

Die Aufführung im Palais Großer Garten ist einem besonderen Anlass gewidmet: Vor Konzertbeginn wird hier das erste Medaillon des vom Vorstand des Sächsischen Vocalensembles e.V. initiierten Robert- und Clara-Schumann-Gedenkwegs angebracht, das an die dortige Uraufführung von "Fausts Verklärung" am 29. August 1849 unter Leitung des Komponisten erinnern soll. So wird die Tradition einer jährlichen Schumann-Ehrung fortgesetzt, die das Sächsische Vocalensemble e.V. in Kooperation mit dem Förderverein Großer Garten e.V. 2010 mit der Festwoche zum 200. Geburtstag des großen Romantikers, gefolgt vom Projekt "Robert Schumann und sein musikalisches Umfeld" 2011, begründet hatte und in deren Focus das Wirken der Schumanns in ihrer Dresdner Zeit von 1844 bis 1850 steht.

"Die Dresdner haben an Schumann etwas gut zu machen", meint Projektleiterin und Vorstandsmitglied Anita Brückner, ohne deren unermüdliches Engagement dies alles nicht möglich wäre. Ihr gelang es, vielfältige Kontakte zu Schumann-Orten, zu Veranstaltern, Ensembles und Institutionen zu knüpfen, die sich in die Pflege des Schumann-Erbes auch über das Jubiläum hinaus einbringen wolle. War es doch allzu lange nicht im öffentlichen Bewusstsein, dass der gebürtige Zwickauer ebenso wie Schütz, Weber und Wagner eine schaffensreiche Zeit in und eine singuläre Beziehung zu Dresden hatte, wie es Kammersänger Peter Schreier im Grußwort 2010 formulierte.

Die Realisierung des Gedenkwegs unterstützt das Amt für Kultur und Denkmalschutz mit einer Anschubfinanzierung. Alle weiteren Mittel müssen über Spenden eingeworben werden, erklärt Anita Brückner: "Für das erste Medaillon hat der Förderverein Palais Großer Garten mit Spenden die Finanzierung zu zwei Dritteln gesichert. Medaillons an den Schumann-Orten Hotel de Saxe und Coselpalais in Dresden, Schloss Maxen und Kirche Kreischa sollen folgen. Die denkmalschutzrechtlichen Genehmigungen liegen uns inzwischen vor, aber es fehlt an Geldern." Die künstlerische Umsetzung des 23 mal 15 Zentimeter großen Bronze-Medaillons hat der Dresdner Künstler Einhart Grotegut übernommen. Ein Begleitheft mit Wanderkarte soll den Gedenkweg erläutern, so dass touristisch und kulturell Interessierte erreicht werden können. Dass dies eine Bereicherung für die Stadt und ihre Gäste ist, hat man überregional längst erkannt. Die Dresdner Schumann-Ehrung erfährt große Zustimmung und erhielt den "Ritterschlag", als sie neben Zwickau, Leipzig, Heidelberg, Wien, Düsseldorf und Bonn als anerkannter Partner ins Bonner Schumann-Netzwerk aufgenommen wurde. Für die geplante Publikation hat die Leiterin des Netzwerks Ingrid Bodsch eine Förderung in Aussicht gestellt.

"Wir stoßen überall auf offene Ohren, aber die Fortsetzung des Vorhabens ist ohne grundlegende finanzielle Absicherung zum Beispiel durch eine entsprechende Projektförderung seitens der öffentlichen Hand eigentlich undenkbar", so Brückner. Das von der Landeshauptstadt institutionell geförderte Sächsische Vocalensemble erhält für das Festkonzert 2012 eine Förderung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, muss aber den Großteil der Finanzierung selber tragen. Hoffend, dass die Stadtväter das Potenzial der von den genannten Vereinen im Verbund mit bürgerschaftlichem Engagement auf die Beine gestellten Dresdner Schumann-Ehrung erkennen und honorieren, plant man bereits für 2013. Dann geht es um "Robert Schumann und Richard Wagner - Versuch eines Dialoges", und es wird auch wieder eine Musikalische Landpartie geben.

Das für Schumanns Schaffen so bedeutende Palais im Großen Garten wählte Matthias Jung auch als Aufnahmeort für die CD-Einspielung "Schumanns Gesänge für Dresden", die 2013 erscheinen soll. Weitere CDs des Sächsischen Vocalensembles, die kurz vor Veröffentlichung stehen, sind Neapolitanische Kirchenmusik von Domenico Sarri mit der Batzdorfer Hofkapelle und Geistliche A-cappella-Werke von Petr Eben (beides bei cpo). Mit seinem mehrfach preisgekrönten Vocalensemble ist Jung demnächst beim Bachfest Köthen zu Gast (6. September), bereitet für das Heinrich Schütz Musikfest eine Uraufführung von Reiko Füting vor (13. Oktober, Dresden) sowie für Bautzen und Dresden die "Missa octo vocum" von Hans Leo Haßler und Schütz' "Musikalische Exequien" (17./21. November). Zum Jahresende stehen Weihnachtskonzerte in Berlin und Dippoldiswalde (1./2. Dezember), die Mitwirkung an der "Böhmischen Weihnacht" unter Ludwig Güttler in der Dresdner Frauenkirche (14./15. Dezember) und das Silvesterkonzert mit der Batzdorfer Hofkapelle in der Annenkirche mit Händels "Cäcilienode" und Joseph Schusters "Lob der Musik" auf dem Programm.

Mit Letzterem ist man im Juni 2013 zu den Händelfestspielen Halle eingeladen. In Vorbereitung der kommenden künstlerischen Aufgaben heißt der 23-köpfige Chor neue Mitglieder mit sängerischer Qualifikation und Ensembleerfahrung (vor allem im Sopran und im 2. Bass) herzlich willkommen. Silke Fraikin

Palais Großer Garten: 10. Juni, 19 Uhr, Medaillonanbringung, 20 Uhr Festkonzert. Karten im Vorverkauf 16,40 bis 38,40 (erm. 10,90 bis 32,90) Euro an den bekannten Kassen und bei DresdenTicket (Tel. 8627390, mail@dresdenicket.de) sowie an der Abendkasse zu 19 bis 39 (erm. 13 bis 33) Euro.

Coselpalais: heute, 19 Uhr Werkeinführung und Künstlerporträt mit Matthias Jung und Hans John (Eintritt frei).

www.saechsisches-vocalensemble.de

www.schumann-portal.de

Der Vorstand des Sächsischen Vocalensembles e.V. möchte das Wirken von Robert und Clara Schumann in ihrer Dresdner Zeit (1844-1850) würdigen und eine Tradition der Robert-Schumann-Ehrung in Dresden begründen. Zur Verwirklichung eines Robert- und Clara- Schumann-Gedenkweges, der die Lebens- und Wirkungsorte des Künstlerpaares in Dresden und Umgebung mit Medaillons markiert, wurde ein Spendenaufruf gestartet. Der Dresdner Maler, Grafiker und Architekt Einhart Grotegut hat die künstlerische Umsetzung der Medaillons übernommen. Das erste Medaillon wird am 10. Juni, 19 Uhr am Palais Großer Garten, angebracht.

Spenden an: Sächsisches Vocalensemble e.V., Ostsächsische Sparkasse, BLZ 85050300, Konto 3120066213. Verwendungszweck: Gedenkweg

Infos: Anita Brückner, Tel. 0351-2683543, anita.brueckner@saechsisches-vocalensemble.de. Der Verein ist berechtigt, Spendenquittungen auszustellen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.06.2012

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