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Sächsisches Schultheatertreffen hat die Zukunft wieder im Blick

Radebeul Sächsisches Schultheatertreffen hat die Zukunft wieder im Blick

„TheaterSprachen“ hieß das Motto des diesjährigen Treffens der sächsischen Schultheater. In den Landesbühnen Radebeul waren sechs Vorstellungen zu sehen, von Zwickau bis Görlitz. Die Staffelstabübergabe erfolgte ebenfalls: 2017 soll Bautzen Gastgeber sein.

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„Verinnerungen“ heißt das Werk der 9. Klasse des Künstlerischen Profils am Gymnasium Dresden-Bühlau, das auf der großen Radebeuler Bühne Premiere feierte.

Quelle: Sébastien Trúlès

Radebeul. „Im Jetzt und in der Zukunft“ hieß der Untertitel – und so warf im schicken Radebeuler Glashaus keiner mit Steinen. Im Gegenteil: Die Glasfassade des Landesbühnenfoyers wurde zur Projektionsfläche für bunte Schülerzeichnungen. Grund des Ganzen, was sich zwischen sechs Vorstellungen von Sonn- bis Dienstag in Labor- wie Ferienlageratmosphäre im gesamten Theater widerspiegelte: das zweite Schülertheatertreffen der Neuzeit in Sachsen, nachdem es im letzten Jahr im Theater Junge Generation (tjg) seine zweitägige Wiederbelebung feierte.

Dabei ist das Ganze – nach sechs Jahren Dornröschenschlaf – bei weitem kein Selbstläufer: Für 2015 gab es sieben Bewerbungen und vier Einladungen, diesmal zum Thema „TheaterSprachen“ neun Interessenten und sechs Vorstellungen. Zum Start am Sonntag gab es die Gegenpole aus West- und Ostsachsen: Einerseits bot das Mondstaubtheater Zwickau eine zweistündige Tanzshow in Choreographie von Gabriele Bocek, komplett von Schülern bestritten. Danach spielten Schüler der Görlitzer August-Moritz-Böttcher-Grundschule Ulrich Hubs Kultstück „An der Arche um Acht“ – unter Leitung von Ronny Scholz, Konzert- und Musikdramaturg am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz und darob mit Band und Chor.

Die Stunden der drei Dresdner Beteiligungen kam am Dienstag: „Ein bisschen Sommernachtstraum“ bot die Theater AG des Gymnasiums Dreikönigsschule, danach fasste die 6. Klasse des Förderzentrums „Am Leutewitzer Park“ zusammen, was „Prometheus“ für sie bedeutet. Eine tiefere Beschäftigung mit sich als Stoff bot auch „Verinnerungen“ mit 14 Schülerinnen und zwei Schülern der 9. Klasse des künstlerischen Profils am Gymnasium Bühlau. Hier ließ Kathrin Furmanek in Bürgerbühnenmanier viel Freiheit, während die Schüler – allesamt in Schwarz – markante Erinnerungen, oft negativer Art, in kurzen Sätzen markierten, sich mit einem riesigen türkisen Tau vernetzen, um dann im Finale dem gemeinsamen Erlebnis der Tanzstunde zu frönen.

Den theatralen Schlusspunkt setzte danach die Schultheatergruppe vom Martin-Luther-Gymnasium Frankenberg, die im Vorjahr am tjg, als das Thema „Forschendes Theater“ war, intensiv mit ihrem gymnasialen Vorfahr Heiner Müller plus Shakespeare den Höhepunkt geliefert hatte. Unter Leitung von Regisseurin Lysann Schläfke, im Hauptberuf Schauspielerin am Chemnitzer Theater und derzeit als Wirtin Ana in „Zorro“ zu bewundern, waren sie mit einem altersübergreifenden „Utopia!“ zu Gast.

Am Dienstagabend, kurz vor der Party, gab es statt einer Preis- eine Eisverleihung an alle einhundert Beteiligten, danach wechselte der Staffelstab unter Freunden wie Intendanten, denn Manuel Schöbel übergab diesen an Lutz Hillmann. So steigt das nächste Schülertheatertreffen vom 14. bis 17. Juni 2017 am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen und wird dort sicher in perfekten Gastgeberhänden sein, wie man an zahlreichen sächsischen Puppen-, aber auch dem jüngsten großen Theatertreffen sah. Außerdem veranstaltet Bautzen seit 17 Jahren im März einen landesweit einmaligen „Schüler-Welt-Theatertag“ als Plattform für Schultheatergruppen aus ganz Ostsachsen. Zum jüngsten Frühlingsstart waren es 40 Aufführungen mit rund 1000 Darstellern im Alter von 7 bis 18 Jahren an einem einzigen Tag in der ganzen Stadt. Und das Thema ist noch spannender als 2015 und 2016: „Theater und Medien“.

Dann wird das sächsische Treffen noch einen Tag länger als in Radebeul dauern, die Erweiterung des Festivals bringt merklich nachhaltigen Gewinn – wie am Montag in Radebeul bei acht Workshops zu sehen. Die parallele Fachtagung macht es auch für Lehrerinnen und Spielleiter attraktiver.

Dass es überhaupt zum doppelten Dresdner Theatertreffen kam, daran arbeitet seit August 2014 Nicole Aurich. Denn seit 2009 ruhte das sächsische Schülertreffen in ehrenamtlicher Agonie aufgrund der Auflösung der Landesarbeitsgemeinschaft Darstellendes Spiel Sachsen, die vor vier Jahren ins Nirvana entschwand. Vor zwei Jahren hat dann das tjg gemeinsam mit dem Landesverband Amateurtheater Sachsen und dem Landesverband Sachsen im Deutschen Bühnenverein eine neue Initiative angeregt.

Diese heißt sachgerecht „Kooperation Schule und Theater in Sachsen“ (KOST) und hatte recht schnell von Kultus- wie Kunstministerium die nötigen Fördermittel eingeworben. Nun soll diese – vor allem zwischen den alljährlichen Theatertreffen – auch Kooperationen zwischen Schulen und Künstlern anregen und vermitteln sowie – in Zusammenarbeit mit Sachsens Bildungsinstitut, Bildungsagentur und den Kulturräumen – Fortbildungen für die Lehrkräfte im Darstellenden Spiel organisieren. Anfang des kommenden Schuljahres starten zehn neue Kooperationen.

Anfangs war eine Stelle dafür vorgesehen, Nicole Aurich rasch als Geeignetste unter rund 80 Bewerberinnen gefunden. „Vermutlich, weil ich zwei Abschlüsse und Erfahrungen sowohl an Schulen als auch am Theater vorweisen kann“, erklärt sie. Denn neben dem Lehramtsstudium an der TU Dresden hat sie einen Abschluss als Theaterpädagogin der Berliner Universität der Künste in der Vita und arbeitet seit über elf Jahren im Beruf, vor allem am Dresdner Societaetstheater. Nun hat sie mit Frieda Pirnbaum noch eine kompetente Mitstreiterin, denn jene organisierte im Herbst 2015 das „Schultheater der Länder“, zu dem sich in Dresden 300 Schüler und 150 Fachteilnehmer aus ganz Deutschland trafen. Zu dieser Vernetzung von Schul- bis Bundesebene veranstalteten die beiden Damen just eine Umfrage unter ihrer Klientel, die noch bis zum Ferienbeginn und auch bequem digital ausgefüllt werden kann. Das neue KOST-Büro in der Realwelt ist naturgemäß am tjg angesiedelt und sitzt nun mit im Kraftwerk Mitte – also „dort, wo die Energie und das Leben ist“, freut sich Aurich.

www.kost-sachsen.de

Von Andreas Herrmann

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