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Sächsisches Pilotprojekt - Künstler fordern Sicherung von Vor- und Nachlässen

Sächsisches Pilotprojekt - Künstler fordern Sicherung von Vor- und Nachlässen

Seit gut zwei Jahren ist im Dresdner Künstlerbund des Landesverbandes Bildende Kunst Sachsen e.V. eine Arbeitsgruppe "Künstlerische Vor- und Nachlässe" aktiv.

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Aline Fiedler, kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion (l.), im Ateliergespräch mit der Bildhauerin Veronika von Appen.

Quelle: Lademann

In Zusammenarbeit vor allem mit der entsprechenden Leipziger Gruppe hat sie sich das Ziel gesetzt, in absehbarer Zeit Möglichkeiten zu schaffen, Werke bildender Künstler der Region im kulturellen Gedächtnis zu bewahren, auch wenn die Kapazitäten von Museen und Archiven mit der Aufnahme auch nur von Teilnachlässen überfordert sind. (DNN berichteten.) Mittlerweile hat das Thema eine breitere Öffentlichkeit und auch politische Beachtung gefunden. Zwar gibt es eine Reihe offener Fragen hinsichtlich Organisation, Finanzierung und Rechtsform. Doch die Idee für ein Pilotprojekt Nachlasszentrum Sächsischer Bildender Künstler erhält immer konkretere Konturen.

Noch klingen den Mitgliedern der Dresdner Arbeitsgruppe die Worte im Ohr, mit denen der Amtsleiter Kultur und Denkmalschutz, Manfred Wiemer, ihr Hilfsersuchen im Frühjahr 2014 abwehrte. Er sehe keinen Handlungsbedarf, kein gesellschaftliches Interesse, denn Fragen künstlerischer Hinterlassenschaften würden vom Markt und den Hinterbliebenen geregelt. Keine Einsicht in die Erkenntnis der Kunstwissenschaft, dass viele Werke nach 50 oder 100 Jahren oft anders interpretiert werden, als zu ihrer Entstehungszeit. Und dass viele unserer ältesten Künstlerkollegen, die mehr als nur einen gesellschaftlichen Umbruch erlebt und auch reflektiert haben, kaum je die Chance hatten, sich auf einem breiten, offenen Kunstmarkt zu präsentieren.

Andere Gesprächspartner waren aufmerksamer. Erkannten die dringende Notwendigkeit der Errichtung eines Sächsischen Zentrums für Künstlerische Vor- und Nachlässe und suchten nach konstruktiven Ansätzen. Entscheidend für die Realisierung eines solch ehrgeizigen Projekts ist jedoch nicht nur die Zusammenarbeit der Künstlerbünde, auch der politische Wille und das Zusammenwirken der Kulturräume ist unabdingbar. Mit großem Engagement beteiligt sich bspw. seit Ende 2013 der Landkreis Görlitz, der bereit ist, mit dem Schlossensemble Königshain eine denkmalgeschützte Immobilie zur Verfügung zu stellen. Das restaurierte Barockschloss wird bereits für Ausstellungen genutzt, das ältere Wasserschloss mit Nebengelass soll aus dem Denkmalpflege-Etat saniert und für die spätere Nutzung vorbereitet werden.

Auch die Stiftung für Kunst und Kultur in der Oberlausitz, die es seit Jahren zu ihrer erklärten Aufgabe gemacht hat, die Position der Bildenden Kunst zu stärken und Kunst- und Kulturwerte in der Oberlausitz zu bewahren, war vom Vorhaben eines Nachlasszentrums angetan. Sie konnte sich sogar vorstellen, als Träger einer solchen Institution für den ostsächsischen Raum zu fungieren. Die anfängliche Euphorie wich jedoch einigen nicht von der Hand zu weisenden Vorbehalten, ein so großes Projekt könne die ebenfalls dringend notwendigen Mittel im eigenen Landkreis, beispielsweise Bautzen, schmälern.

Im sächsischen Kunstministerium stieß das Projekt indes Mitte Juli auf offene Ohren. Ebenso wohlwollend hatte die kulturpolitische Sprecherin der sächsischen SPD-Landtagsfraktion, Eva-Maria Stange, reagiert. Tatsachen schaffen will nun die CDU. Michael Kretschmer, Generalsekretär der Sächsischen Union, schlug den Aufbau eines langfristig arbeitsfähigen Zentrums für künstlerische Vor- und Nachlässe, z.B. am Standort Königshain (Landkreis Görlitz), als sächsisches Pilotprojekt zur Aufnahme in das zukünftige Kulturprogramm der CDU vor. Es soll der lebendigen Bewahrung von Kunst- und Kulturwerten in Sachsen dienen, Werke bildender Kunst aus Künstlervor- und -nachlässen erfassen, dokumentieren, lagern, pflegen und ihre mediale Präsenz gewährleisten.

Um über Herausforderungen und Möglichkeiten beim Umgang mit Vor- und Nachlässen in Sachsen zu diskutieren, lud jetzt die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Aline Fiedler, zum Gespräch in das Atelier des Dresdner Arbeitsgruppensprechers Dieter Bock von Lennep ein. Dies sei nur ein Ort von bisher mehr als 100 angemeldeten Standorten, an denen potentiell zu übernehmende Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Plastiken und schriftliche Dokumente für das künftige Nachlasszentrum bereitstünden und - bestenfalls - mit einer Vorlassvereinbarung, durch die Künstler selbst in Haupt- und Nebenwerkgruppen sortiert, auf eine Übereignung vorbereitet werden können.

Fiedler zeigte sich beeindruckt von der Intensität der bisher geleisteten ehrenamtlichen Arbeit der Gruppe. Doch 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sei es an der Zeit, das Engagement und Wirken älterer sächsischer Künstler auch für die Aufarbeitung und Würdigung durch spätere Generationen zu sichern. Es sei nur eine Seite einer Medaille, junge Künstler mit einem Ankaufsetat zu unterstützen. Auch am Lebensende sollten Künstler spüren, dass die Gesellschaft ihr Werk schätzt und gegebenenfalls fördert. Indem ein lebendig agierendes Nachlasszentrum nicht nur ein wichtiger Rückhalt für die Künstler selbst, sondern auch ein reger Treffpunkt der kunstinteressierten Öffentlichkeit in der Region sein soll, sieht Fiedler den doppelten Charme der Idee, der in die Region zurückwirken und obendrein die Erhaltung und Wiederbelebung eines bedeutenden historischen Baudenkmals gewährleisten wird. Sie ist optimistisch, dass das Projekt, einmal mit dem notwendigen Nachdruck in den Landtag eingebracht, in der nächsten Legislaturperiode auch in den Haushaltsverhandlungen berücksichtigt werden wird.

Mit diesem Bekenntnis ist die Vision der Arbeitsgruppe "Künstlerische Vor- und Nachlässe" mit ihren drei Tätigkeitsschwerpunkten - Direktkontakte zu den Künstlerkollegen, Aufbau einer Datenbank für Kunstwerke und Errichtung des Nachlassdepots - der Realisierung ihres zukunftsweisenden, überregional bedeutenden Pilotprojekts einen großen Schritt näher gekommen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.08.2014

Jördis Lademann

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