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Sächsischer Klang in den Alpen: Neue Wegscheider-Orgel in Südtirol

Sächsischer Klang in den Alpen: Neue Wegscheider-Orgel in Südtirol

Der Blick vom Friedhof vor der Pfarrkirche St. Luzia in Unterinn ist atemberaubend: Wild stürzt der Hang neben dem Gotteshaus hinab, der Ort schmiegt sich dicht an.

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Die bisher größte von der Werkstatt Wegscheider gebaute Orgel in der Pfarrkirche St. Luzia in Unterinn.

Quelle: Niklas Thouret

Weiter unten erkennt man zwischen Apfelplantagen und Weinstöcken klein die Häuser verstreuter Höfe. Gegenüber, auf der anderen Seite des Eisacktales oberhalb von Bozen, erhebt sich wie eine Wand der Schlern mit seinem rundlichen Bergrücken auf über 2500 Meter und dahinter lugen schneebedeckt die zerklüfteten Spitzen des "Rosengarten" hervor. Die Dolomiten in Südtirol. Dieses eindrucksvolle Panorama begleitete die Mitarbeiter der Dresdner Orgelwerkstatt Kristian Wegscheider für einige Wochen auf dem täglichen Weg zur Arbeit in die vor 800 Jahren gegründete Kirche, die zum Abschluss der langjährigen Restaurierung eine neue Orgel erhielt.

Bei der Suche nach geeigneten Firmen waren Pfarrer Theobald Obkircher, Initiator des Orgelneubaues und der Vorsitzende der Orgelkommission für die Diözese Bozen-Brixen, Pater Urban Stillhard auf eine Wegscheider-Orgel in Linz aufmerksam geworden. Deren Bauweise und Klang bewog die Gemeinde nach einer Besichtigung, neben zwei bekannten Schweizer Firmen auch die Dresdner Werkstatt um ein Angebot zu bitten. Orgelbaumeister Wegscheider fand am Ort gleich mehrere Probleme vor: Zwar ist die Kirche im Ursprung romanisch, wurde aber im 19. Jahrhundert neoromanisch renoviert. Dazu kam über der nicht allzu tiefen Orgelempore eine große, die Westwand teilende Fensterrosette. Die ungewöhnlich reiche Neoromanik des Raumes bedeutete für eine neu zu bauende Orgel im Hinblick auf Klang und Äußeres eine stilistische Herausforderung. Ganz gegen den Trend, neue Orgeln für das Spiel barocker Meister "maßzuschneidern", entschied sich Wegscheider, ein Instrument vorzuschlagen, das äußerlich wie musikalisch auf die Architektur antworten sollte. Und bekam genau deswegen den Auftrag, denn neue, quasi barocke Orgeln gibt es in der Region bereits einige. Solche im Stil der Hochromantik, ideal für Musik von Mendelssohn oder Liszt, aber ebenso für Bach geeignet, gab es noch nicht.

Nach dem Weihegottesdienst war die Freude über die neue Orgel bei der musikbegeisterten Gemeinde, den Sachverständigen und den Orgelbauern gleichermaßen groß. Unterinn in Südtirol besitzt nun ein Instrument, das sich dank des Prospektentwurfs (Martin Paul) bruchlos in die Kirche einfügt und klanglich die Ideen von Orgelbauer Friedrich Ladegast (1818-1905) in die Alpen trägt: Gemein- sam mit Intonateur Reinhard Schäbitz ist es den durch etliche Restaurierungen mit romantischen Orgeln gut vertrauten Dresdner Orgelbauern gelungen, ein vielseitiges, warm und kraftvoll klingendes Instrument zu schaffen, das mit 30 Registern auf zwei Manualen und Pedal der bisher größte Neubau der 1989 gegründeten Orgelwerkstatt Wegscheider ist.

Niklas Thouret

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.12.2011

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