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Sächsische Theater klagen ihr Leid

Offener Brief Sächsische Theater klagen ihr Leid

Das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau, das Mittelsächsische Theater Freiberg-Döbeln und das Theater Plauen Zwickau haben in einem offenen Brief an Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) und CDU-Finanzminister Georg Unland über ihre aktuelle Situation aufmerksam gemacht und bemängeln unter anderem die unzureichende finanzielle Unterstützung.

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Sachsens Kunstministerin Eva-Maria-Stange (SPD) reagierte umgehend auf den Brief und kündigte Gespräche mit allen Beteiligten an.

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden.

Der Briefkopf verweist auf den 30. Juno und Görlitz-Zittau/Zwickau-Plauen/Freiberg-Döbeln als Herkunft. Die Botschaft ging neben der eigentlichen Adressatin, Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD), in Kopie auch an CDU-Finanzminister Georg Unland. Unterzeichnet haben die Geschäftsführer Caspar Sawade, Hans Peter Ickrath und Roland May, letzterer gleichzeitig auch Generalintendant. Allen Theatern gemeinsam ist der Doppelnachname, der auf zurückliegende Fusionen hindeutet, die immer politisch veranlasst und – jenseits des reinen Überlebens – künstlerisch immer schmerzhaft sind und als reine Sparmaßnahme dienen.

Zusammen bespielen sie – laut Statistischem Jahrbuch 2015 – 23 Spielstätten und bieten pro Jahr 1774 reine Theaterveranstaltungen und zählen darin mehr Besucher als Island Einwohner hat – trotz arg anhaltender Schrumpf- und Alterungsprozesse in ihren Regionen. Der Hintergrund des überraschenden Schulterschlusses quer durch Sachsen und ganz ohne Bühnenverein wird darin klar formuliert: „Wir sind der Ansicht, dass die fusionierten Theater in Sachsen in den zurückliegenden Jahren einen entscheidenden Beitrag zur Strukturanpassung in den Kulturräumen geleistet haben. Wir haben durch unsere Bereitschaft, Standorte zu verschlanken und das Angebot in den Kulturräumen neu auszurichten, die Kosten der darstellenden Kunst für die öffentliche Hand erheblich konsolidiert. Wir sind in die Prozesse der Fusionen mit der Gewissheit eingetreten, dauerhafte, tragfähige Strukturen zu formen. Die zu Beginn der Fusionen an die Theater gestellten Erwartungen wurden in allen Fällen weit übererfüllt.“

Spartenschließungen dürfen nicht Resultat der Reformbemühungen sein

Das können die Theater auch genau vorrechnen: Das 2011 fusionierte Gerhart-Hauptmann-Theater würde ohne Anpassung heute schon allein an Personal drei Millionen Euro mehr kosten. Dabei liegt der derzeitige Abstand von Löhnen zum Flächentarif in Summe bei rund 1,3 Millionen Euro. Beim Mittelsächsischen Theater Freiberg-Döbeln beträgt diese Deckungslücke eine Million, in Plauen-Zwickau gar 1,9 Mio. Euro. Der Spareffekt, dank Haustarif auf Mitarbeiterkosten rausgequetscht, macht in Summe schon 4,2 Mio. Euro. Die Schizophrenie gegenüber dem „normalen“ öffentlichen Dienst: Die Schere wächst selbst bei Stillhalten – und weitere Sparattacken sind schon im Anmarsch. So soll Plauen-Zwickau von 18 Mio. Euro Etat im Jahr 2015 auf 15 Mio. Euro in 2018.

Gleichzeitig aber erwartet der Freistaat üppige Mehreinnahmen (laut Schätzung wohl 600 Mio. Euro dieses Jahr, 800 bis 900 Mio. Euro nächstes Jahr) von seinen Bürgern. Die Forderung an die Kulturraumnovelle und die Haushaltsberatungen – auch angesichts dieser Automatismen und der Verlagerung der Landesbühnen Sachsen in den Kulturraumtopf – sind klar: „Die angedachte Finanzmittelausstattung ist unzureichend. Eine Aufstockung von lediglich 3 Mio. Euro ist viel zu wenig, um die immer mehr gewordenen Institutionen und Aufgaben im SächsKRG noch ausreichend ergänzend finanzieren zu können.“ Ihre Erwartungen, dass man irgendwann nach einem Anpassungsprozess wieder in gesicherten Finanzierungsstrukturen landen würde, so schreiben die drei Geschäftsführer, verkehrten sich ins Gegenteil, nämlich „stetig steigende monetäre Misslichkeit“.

Und sie folgern: „Wir befinden uns mittlerweile in einer Situation, in der wir unseren Belegschaften nicht mehr erklären können, welch ein Fortgang in den nächsten Jahren zu erwarten ist. In allen, Häusern drohen Spartenschließungen. Dieser Befund darf nicht Resultat unserer Reformbemühungen sein.“ Mehr noch: Sie sehen – gestützt auf die Präambel zum Kulturraumgesetz – ihren Beitrag zur Konsolidierung und Strukturanpassung als weitestgehend erfüllt an.

Und legen, angesichts der Kenntnis der misslichen Finanzlage ihrer Kommunen, auf eines Wert: „Wir möchten Sie höflichst bitten, in Reaktion auf dieses Schreiben nicht mit dem Verweis auf die kommunale Selbstverwaltung der Kulturräume zu antworten.“ Denn mit „der mitunter reflexhaften Verweisung auf die kommunale Selbstverwaltung wird der Kulturraumgedanke unterminiert“, und das Land schleiche sich aus der Verantwortung für eine Dynamisierung der Mittel, wie sie in anderen Ländern und an den eigenen Theatern üblich sei. Die Ernsthaftigkeit der drei Doppelgeschäftsführer verdeutlicht der Schlusssatz: „Wir sichern ihnen einen konstruktiven Dialog zu und würden uns zusätzlich freuen, zu einem Gespräch eingeladen zu werden.“

Sieht man sich die zahlreichen zusätzlichen Aktivitäten der Theater aufgrund der aktuellen Sachsenprobleme und gleichzeitig geduldete Misswirtschaft bei Staatsbetrieben (wofür man sich eigens den Namen MEISSEN als Marke schützen ließ) an, so kommt die jetzige Initiative der vorletzten zivilisatorischen Bastionen in der Peripherie vielleicht noch genau richtig.

Kunstministerin reagiert

Sie werde der Bitte nach einem Gespräch bereits in der kommenden Woche nachkommen, erklärte gestern Kunstministerin Stange. In den nächsten Monaten berate der Landtag über eine Novellierung des Kulturraumgesetzes. „Dabei wird auch zu prüfen sein“, so Stange, „wie die Rolle der Landesbühnen als mobiles Theater noch besser erfüllt werden kann sowie ob und wie deren teilweise Finanzierung aus dem Kulturraummitteln seit 2011 (3,2 Mio. Euro) kompensiert werden kann“. Mit der seit 2015 erfolgten Steigerung der Landesmittel um fünf Mio. Euro und einer ab 2017 geplanten erneuten Anhebung um 3 Mio. Euro erhielten die Kommunen und Landkreise die Möglichkeit, auch für die kommunalen Theater eine verbesserte Finanzierung umzusetzen.

Brief im Wortlaut: www.theater-plauen-zwickau.de/aktuelles.php?id=414

Von Andreas Herrmann

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