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Sächsische Staatskapelle und Christian Thielemann in Asien

Sächsische Staatskapelle und Christian Thielemann in Asien

Es gibt viele Wege zum Ruhm. Die Sächsische Staatskapelle Dresden kennt sicherlich einige, der bewährteste davon heißt Qualität. Auf diesem Weg ist das Orchester stets gut unterwegs, kommt aber niemals damit an ein Ziel.

Jedenfalls nicht an einen Endpunkt, denn das wäre Verrat, ja Aufgabe der eingeschlagenen Richtung. Auf einmal erreichter Qualität darf sich nie jemand ausruhen, sonst stürzt er.

Doch die Kapelle beschreitet verschiedene Wege, um ihr weltweites Publikum von der eigenen Einmaligkeit zu überzeugen. Sie lockt internationales Publikum nach Dresden, wo es sich wunderbar mit den einheimischen Anhängern der Traditionskapelle mischt, und es tourt in der Welt, um auch dort zu überzeugen. Um sich der weltweiten Konkurrenz zu stellen, aber auch, um neue, um weitere Klassikfans nach Dresden zu locken.

Diese Vorzüge freilich immer mal wieder auch auswärts zu erleben, schärft den Sinn für die Güte des Orchesters. Zum Beispiel in Japan. Dort gastiert die Sächsische Staatskapelle seit genau vierzig Jahren - den Anfang hat 1972 eine Reise mit Herbert Blomstedt und Kurt Sanderling gemacht -, dort hat sie sich längst zum etablierten Gast mit Kultstatus entwickelt und dort gab es am Wochenende auch den Auftakt zur jüngsten Tournee. Es ist die erste gemeinsame Asien-Tour mit Chefdirigent Christian Thielemann. Und es ist das erste Gastspiel, das gleich drei Stationen im asiatischen Raum verbinden soll. Denn gleich im Anschluss an die insgesamt fünf Konzerte in vier japanischen Städten folgen noch Ziele in Taiwan und China.

Nicht ganz zu Unrecht kursierte im Vorfeld schon die Rede vom ersten asiatischen Thielemann-Festival. Dessen Auftakt im Land der aufgehenden Sonne wurde von der Agentur Japan Arts ausgerichtet, die das Orchester gleich zu mehreren Festivals verpflichtet hat. Die Eröffnungsfanfare zum Herbstfestival vor der Santory Hall in Tokio setzte bereits am Samstag ein Blechbläseroktett von Semper Brass, das unter freiem Himmel auf dem sonnenbeschienenen Herbert-von-Karajan-Platz mit Sätzen von Johann Hermann Schein und Felix Mendelssohn Bartholdy begeisterte. Eine echte Herausforderung für die Trompeter und Posaunisten nach mehr als elf Stunden Flug.

Publikum ist aus dem Häuschen

Etwa fünfhundert Kilometer von der japanischen Hauptstadt entfernt gab es dann gestern das erste Orchesterkonzert in Kyoto: Brahms zum Herbstfestival der alten Kaiserstadt. Thielemann und "seine" Musiker haben in der ausverkauften Konzerthalle die 1. und die 3. Sinfonie des Klassikers regelrecht zelebriert und wurden dafür von einem enorm aufmerksamen Publikum heftig gefeiert. Es folgte den nahezu wagnerianisch ausgeführten Tutti-Passagen ebenso konzentriert wie den sensibel ausgeloteten und von geradezu betörenden Solostimmen geprägten Ruhepolen. Da war gar kein Eis zu brechen, es schien mit den ersten Takten geschmolzen zu sein. Die sonst so besonnen wirkenden Japaner wirkten wie aus dem Häuschen und dankten mit derart lautstarkem Beifall, dass sich die Dresdner mit einer Zugabe revanchierten. Den hatte sich das Auditorium nicht nur wegen der Kartenpreise von weit über 20 000 Yen (gut 200 Euro) redlich verdient. Richard Wagners Ouvertüre zur Oper "Rienzi" schloss sich den Bahms-Werken nur konsequent an, war getragen von edlem Ton, hoher Eleganz und famoser Süffigkeit. Ebenso ein Raus- wie ein Ranschmeißer.

Selbst als das Orchester schon von der Bühne verschwunden war, wurde der Dirigent noch herausgeklatscht. Dutzende Autogrammjäger warteten da schon am Bühneneingang, einige sind sogar bis zur Bahnstation gepilgert, von wo aus die etwa 480 Kilometer lange und nur zwei Stunden kurze Schnellfahrt im Shinkansen-Express nach Tokio angetreten wurde. Dort gibt es bereits heute Abend in der NHK Hall das nächste Konzert mit demselben Programm.

Als Sendboten der sächsischen Kultur will die Staatskapelle in Kyoto und Tokio sowie in Nagoya und Yokohama schließlich mit den Glanzpunkten ihres Repertoires aufwarten. Folglich steht noch einiges an Wagner und die Sinfonie Nr. 7 von Anton Bruckner bevor. Dass beinahe zeitgleich zum Thielemann-Debüt der Dresdner in Japan auch deren einstiger Chefdirigent Herbert Blomstedt dort gastieren wird, ist ein schöner Zufall. Der Schwede reist mit den Bamberger Sinfonikern und präsentiert ein Programm mit Werken von Beethoven, Bruckner und Mozart. Michael Ernst

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.10.2012

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