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Sächsische Staatskapelle mit David Robertson am Pult

Konzert Sächsische Staatskapelle mit David Robertson am Pult

Der US-Amerikaner David Roberson stand beim 9. Symphoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle am Pult. Mit Witz und Frische vertrat er den erkrankten Christian Thielemann. Es erklangen Werke von Beethoven und Ruzicka.

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Machte bella figura: David Robertson.

Quelle: Oliver Killig

Dresden. Die Umstände wollten es, dass aus dem gewöhnlichen Abonnementkonzert ein ungewöhnlich interessanter Besuch bei Sempers wurde: den krankheitsbedingt ausfallenden Christian Thielemann vertrat beim 9. Symphoniekonzert David Robertson (u.a. seit 2005 Musical Director des St. Louis Symphony Orchestra). „Nu, da hat er den Thielemann aber würdig vertreten“, war auf dem Weg zur Garderobe auch zu hören. Robertson macht Freude zum Zuhören und -schauen: Das heitere Auftreten des gebürtigen Kaliforniers ( geb. 1958) hat Musiker wie Publikum gleichermaßen in Beschlag genommen.

Zu Beginn des Konzerts gab sich Capell-Virtuose Yefim Bronfman die Ehre und spielte mit Beethovens 2. Klavierkonzert (op. 19; 1801) das in der Tat am stiefmütterlichsten behandelte seiner fünf, da es noch (verständlich) viel Auseinandersetzung mit den Wiener Gepflogenheiten und Mozartschen Handelsüblichkeiten zeigt – dabei aber auch schon den Beethovenschen Genius verrät. So geht die erste Version des Konzertes auf das Jahr 1790 zurück. Da war Ludwig 20 Jahre jung und hat durch sein unkonventionelles Klavierspiel für Aufhorchen gesorgt. Gleiches tat Bronfman, dessen Spiel manchen zu wenig romantisch, zu rational und farblos ist, andere wiederum durch seine technische Raffinesse in stummes Staunen versetzt. Und dann die Kadenz, die von LvB selbst stammt.

Es wäre ein schönes Gimmick gewesen, hätte Bronfman nicht diese – bei all ihrem avantgardistischen Vorwärtsdrang! – verstaubte Variante gespielt. Sondern sich stattdessen entweder vom amtierenden Capell-Compositeur György Kurtág oder vom anwesenden Peter Ruzicka (!) eine zeitgemäßere auf die Finger schreiben lassen. Damit das in Erinnerung sowie Wagner- und Beethoventreue schwelgende Symphoniekonzert ein wenig ins Jetzt zurückgeholt würde und auch die Sächsische Staatskapelle mal wieder in der Gegenwart ankommen kann – das genießerische Wunschkonzertpublikum aus seinen Frühjahrsblütenträumen aufgeweckt würde…, in die es beim Sonderkonzert „Der Capell-Virtuos & Freunde“ ja aber doch wieder versetzt wird. Warum also der Aufwand?

Der zweite Konzertteil wurde mit der Uraufführung von Peter Ruzickas Erinnerung für Orchester „Elegie“ (für drei Flöten, Schlagwerk und Streicher) eröffnet, die zumindest teilweise versucht, Neues zum Klingen zu bringen. Über die Unmöglichkeit aber, heute noch wirklich Neues und Ungehörtes schreiben zu können, hat sich Ruzicka in zahlreichen Schriften, Vorträgen und auch Kompositionen geäußert. So ist das Christian Thielemann „in Wagnertreue“ gewidmete Werk ein weiterer Beweis dafür, dass die europäische Musikgeschichte zur Inspiration anregen müsse und nicht vernachlässigt werden darf.

Ruzicka nutzt dazu eine von Richard Wagner nie verwendete Skizze zu „Tristan und Isolde“ (WWV 90; 1865), die er in dem etwa zehnminütigen Werk soweit verschleiert, dass sie eben nur noch Erinnerung bleibt. „Elegie“ versucht die Situation nach Wagners Tod am 13. Februar 1883 in Venedig zu beschreiben: Totenglocken erklingen und die flirrend-sommerheißen Flageolettdissonanzen der Streicher verwandeln sich in klirrend-winterkalte, trübe Seufzer. „Triste! Triste! Triste! Wagner è morto!!!“, resignierte der gleichaltrige Verdi. Peter Ruzicka fragmentiert in seinem neuen Opus den vielgerühmten Streicherklang der Sächsischen Staatskapelle und lässt nur mehr Erinnerung zurück.

Statt des bekannten 5. Klavierkonzerts Beethovens entschied man sich kurzerhand für die Ansetzung dessen seltener zu hörenden 4. Symphonie (op. 60; 1807). Ihre Zeit und Raum auflösende Langsamkeit, Chromatik und Motivik macht sie nicht zum Publikumsliebling und steht daher nur vereinzelt auf den Spielplänen. Doch gerade diese Aufführung machte Robertsons Wochenendausflug – der mit viel Witz und Frische nach Dresden kam – zu einem Erfolg. Auch wenn das Orchester mitunter etwas müde und gerade im 2. Satz leicht unkoordiniert wirkte, was kaum wundernimmt, da Robertson bis kurz vor Konzertbeginn noch anspielen ließ. Darum verteilte er bei langem Applaus seinen Blumenstrauß unter den Damen der ersten Geigen. Keine Stiefmütterchen, sondern orange Nelken. Was übrig blieb: nichts als Erinnerung.

Von Peter Motzkus

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