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Sachsens Theater fördern Integration

Vorhang frei für Flüchtlinge: Sachsens Theater fördern Integration

Der Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland prägt die sächsische Kulturszene: Manche Häuser wollen den Neuankömmlingen Zugang zu ihren Angeboten verschaffen - und nicht nur das.

Dresden. „Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass“. Unübersehbar zeigte die Dresdner Semperoper mit dieser Aufschrift am vergangenen Montag Gesicht, während sich auf dem Theaterplatz das fremdenfeindliche Pegida-Bündnis versammelte. Sachsenweit gehen die Theaterhäuser nun sogar noch einen Schritt weiter: Sie bieten Flüchtlingen oftmals nicht nur den kostenlosen Besuch von Vorstellungen, sondern holen sie als Darsteller gleich selbst auf die Bühne, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

So will beispielsweise das Staatsschauspiel Dresden mit einem dreisprachigen Abend mit Klischees und „dem abendländischen Blick auf das Morgenland aufräumen“. Zu Wort kommen zwölf Schauspieler und Musiker aus Ägypten, Palästina, Syrien und Tunesien, die in der Landeshauptstadt leben. Uraufführung ist am 29. November.

Nur wenige Tage später wird das Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz zur Bühne. Unter Leitung des Vereins „EigeneBühne“ setzen sich mehr als 80 Darsteller aus den unterschiedlichsten Ländern in einer Collage aus Tanz, Musik, Chorgesängen und Installationskunst mit dem Thema Flucht auseinander. „Fremdes Vertrautes“ soll Beteiligten wie Zuschauern die Möglichkeit geben, offen über Ängste und Vorbehalte zu sprechen, sagt Liane Günther, künstlerische Leiterin des freien Chemnitzer Projekttheaters. Premiere ist am 3. Dezember.

Die Landesbühnen Sachsen setzen den Zuschauer in „Acts of Godness“ vom 13. November an gedanklich in ein Flüchtlingsboot auf dem Mittelmeer. Das Stück „Spielen hilft...“ des freien Mondstaubtheaters in Zwickau beschäftigt sich angesichts der Flüchtlingskrise aus der Perspektive von Kindern mit dem Thema Menschenrechte.

Seit Anfang Oktober hat das Schauspiel Leipzig ein Doppelstück („Die Schutzflehenden/Die Schutzbefohlenen“) zum Thema Flucht und Asyl im Programm. Dabei verbindet Intendant Enrico Lübbe einen aktuellen Text der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek über Flüchtlingsschicksale in Wien mit einem jahrtausendealten Stück des antiken Dichters Aischylos. Nach den Vorführungen veranstaltet das Theater Gesprächsrunden.

Selbst zum Flüchtling werden Schüler beim Klassenzimmerstück „Krieg - Stell‘ dir vor, er wäre hier“ des Theaters Plauen-Zwickau. Das Gedankenexperiment nach der dänischen Schriftstellerin Janne Teller verkehrt die Perspektive: Plötzlich muss die deutsche Familie im Nahen Osten um Asyl bitten. Das Theater Plauen-Zwickau will zudem einen Flüchtlingschor ins Leben rufen.

„Die aktuelle Not der Flüchtlinge durch Krieg und Perspektivlosigkeit ist ein Zustand, in den wir alle schon morgen auch kommen könnten“, sagt Intendant Roland May. Umso mehr sei das Theater in diesen Zeiten für eine Horizonterweiterung gefragt.

Ähnlich sieht das Christoph Dittrich, Generalintendant der Theater Chemnitz. Seit Beginn der Spielzeit gibt es am Haus eine eigene Arbeitsgruppe, die die Ideen bündelt. Sie reichen von begleiteten Besuchen von Vorstellungen, über die beitragsfreie Aufnahme von Flüchtlingskindern in die Ballettschule bis hin zu Tandem-Praktika von deutschen Jugendlichen und Asylbewerbern.

Besonders engagiert ist das Chemnitzer Theater im Bereich der DaZ-Klassen, spezieller Vorbereitungsklassen, in denen Flüchtlingskinder Deutsch lernen. „Die Lehrer in diesem Bereich leisten Heldenhaftes“, lobt Dittrich. Ob Grund- oder Berufsschule - die Theatermacher gehen mit ihrem Angebot in die Klassen und bieten den Lehrern zudem die Möglichkeit zum Austausch.

Ihm sei ein langfristiges Engagement wichtig, betont der Chemnitzer Intendant. „Integration ist etwas für alle, nicht nur für die, die dazukommen. Das wird mehrere Jahre dauern.“ Und mindestens bis in den nächsten Theater-Sommer hineinwirken. So wird das Theater der Jungen Welt in Leipzig 2016 das Stück „Brennpunkt X“ zeigen - mit Asylbewerbern auf der Bühne. Intendant Jürgen Zielinski: „Wir machen Sommertheater mal anders: politisch relevant, tolerant und hoffentlich bewusstseinserweiternd.“

Claudia Drescher, dpa

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