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Sachsen bleiben draußen - Berliner Band vertritt Freistaat beim Bundesvision-Song-Contest

Sachsen bleiben draußen - Berliner Band vertritt Freistaat beim Bundesvision-Song-Contest

Stefan Raab wird nicht müde, seinen Bundesvision-Song-Contest als große Plattform für Nachwuchskünstler zu bewerben. Wenn am 26. September deutschlandweit die große Show auf Pro-Sieben läuft, sitzt die sächsische Musikszene allerdings wieder einmal vor und nicht hinter den Flimmerkisten.

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Die Band Stilbruch würde auch beim Bundesvision Song Contest antreten.

Quelle: Hauke Heuer

Das zweite Jahr in Folge muss sie zusehen, wie eine Berliner Band den Freistaat musikalisch vertritt.

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Anders als "Laing" sind die Chemnitzer Jungs von Kraftklub allesamt in Sachsen aufgewachsen und vertreten somi überzeugend ihr Heimatbundesland.

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„Die toten Crackhuren im Kofferraum“ dürfen nach „Laing“, die im vergangenen Jahr immerhin einen mehr als respektablen zweiten Platz belegten, in Mannheim aufspielen. Die Berliner Band macht Pop-Punk mit viel Synthesizern. Die Bühnenshow erinnert stark an die Hamburger Formation Deichkind und kann zweifelsohne als trashig bezeichnet werden. Vor mehreren Jahren nur in kleinen Kreisen bekannt, konnten die „Crackhuren“ bereits 2010 ihr erstes Album bei Universal veröffentlichen. Brainpool argumentiert, dass zwei Bandmitglieder aus Sachsen stammen. „Das ist für uns Grund genug, sie für Sachsen antreten zu lassen“, sagt ein Sprecher der Produktionsfirma.

Wer darf beim Bundesvision-Song-Contest antreten?

Hinter vorgehaltener Hand hört man immer wieder, dass die Auswahl der Musiker beim Bundesvision Song Contest nicht von der Herkunft und der Qualität der Musik abhängt, sondern die großen Plattenfirmen ihre heißen Eisen unterbringen wollen, die schon einen Vertrag unterschrieben und einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Ist das entsprechende Bundesland schon besetzt, muss auf ein anderes ausgewichen werden. Oft wird dann verzweifelt nach einem Bezugspunkt gesucht, um die Entsendung des Musikers zu rechtfertigen.

Als Beispiel sei der Song-Contest von 2011 genannt, als die Leipziger Band „Flimmerfrühstück“ für Sachsen-Anhalt antrat. Der Grund: Eines der Bandmitglieder hatte in Halle studiert. „Generell wird in einer Redaktionskonferenz, in der man sich die verschiedenen Titel anhört, entschieden“, äußert sich Brainpool zum Auswahlverfahren.

Gibt es in Sachsen keine guten Musiker?

Berlin ist das Zentrum der deutschen Musikszene, aber muss sich Sachsen seine Musiker wirklich aus der Hauptstadt ausleihen?

„Wir verfolgen den Song-Contest seit Jahren. Kaum eine Veranstaltung bietet so viel Öffentlichkeit für deutschsprachige Musiker“, sagt der Leadsänger der Dresdener Band Stilbruch Sebastian Maul, der mit seiner Combo nicht nur auf Bühnen, sondern auch regelmäßig in Fußgängerzonen auftritt. Jahrelang hat Stilbruch versucht einen Fuß in die Tür von Stefan Raab zu bekommen, doch ohne einen Plattenvertrag sei das nicht möglich gewesen, so Maul. „Wenn dann eine Band wie „Laing“, die höchstens einmal auf der Autobahn an Leipzig vorbeigefahren ist, für Sachsen antreten, frustriert das natürlich“, ärgert sich der Bandleader.

André Sauermann trat mit seinem Roots-Rock-Projekt „Ansa“ bereits auf der Dresdener Campusparty auf und ist eine feste Größe in den Clubs der Dresdner Neustadt. Seine Musik ist ehrlich und seine Texte sind deutsch. Trotzdem hat Stefan Raab noch nicht an seine Tür geklopft. „Ich finde die Veranstaltung generell nicht schlecht und wäre gerne einmal ein Teil davon“, sagt der Dresdner Musiker. Allerdings kritisiert er die Ungleichheit zwischen den Interpreten. „Wenn wie im vergangenen Jahr Xavier Naidoo und Kool Savas zusammen auftreten, ist es kein Wunder, dass die beiden am Ende auch gewinnen“, so Sauermann über die großen Interpreten.

Sergej Klang von der Leipziger Electropop-Band Brockdorff Klang Labor ist einer der renommiertesten Musiker des Freistaates. Das im vergangenen Oktober veröffentlichte Album „Die Fälschung der Welt“ wurde vom Rolling Stone Magazin als eines der besten deutschen Platten des Jahres gefeiert. So hätte die Band im Gegensatz zu vielen kleinen prinzipiell die Chance gehabt, in Mannheim zu spielen „Unsere Agentur ist an uns herangetreten und hat uns gefragt, ob wir uns in diesem Jahr beim Bundesvision-Song-Contest bewerben wollen. Obwohl wir uns dafür entschieden hatten, mussten wir leider einen Rückzieher machen, da Nancy von Brockdorff schwanger geworden ist“, sagt Klang und fügt hinzu, „wir hatten große Angst, dass wir durch die Teilnahme an diesem Pop-Circus an Glaubwürdigkeit verlieren. Deshalb hatten wir uns ursprünglich entschieden den Organisatoren den Song „Festung Europa“ vorzuschlagen, der sich mit der europaischen Asylpolitik auseinandersetzt, um so wenn auch im Mainstream ein politisches Zeichen zu setzen.“

Vielleicht werden im kommenden Jahr Brockdorff Klang Labor den Freistaat als waschechte Sachsen vertreten. Polarkreis 18 mit einem zweiten Platz im Jahr 2009 und Kraftklub, die es 2011 immerhin auf den fünften Platz schafften, zeigen das auch sächsische Bands ganz vorne mitspielen können.

Hauke Heuer

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