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Sabine Meyer kommt zu den Dresdner Musikfestspielen, die am Freitag beginnen - ein Interview

Sabine Meyer kommt zu den Dresdner Musikfestspielen, die am Freitag beginnen - ein Interview

Der Tisch ist gedeckt, im Glas dampft frisch aufgebrühter grüner Tee - "den bringen mir immer meine chinesi- schen und japanischen Studenten mit", erzählt Sabine Meyer, die mit ihrem Trio di Clarone am 27. Mai bei den Dresdner Musikfestspielen gastiert.

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Das Trio di Clarone mit Sabine Meyer, Reiner Wehle und Wolfgang Meyer (r.).

Quelle: Marion Koell

Interviews in ihrem alten Ziegelhaus in der Lübecker Altstadt bilden stets eine kleine Wohlfühl-Oase im Alltagsstress. Zumal wenn sich noch Reiner Wehle hinzugesellt, der mit seiner Frau nicht nur das Instrument teilt, sondern gemeinsam mit ihrem Bruder das Trio di Clarone bildet und ihr Bläserensemble aufgebaut hat.

Frage: Sie haben mehr als 40 Werke uraufgeführt, wie viele davon sind in Ihr Repertoire eingegangen?

Sabine Meyer: Natürlich versuche ich diese Werke öfter zu spielen und auch bei den Veranstaltern anzubringen, aber die wollen dann eben doch immer wieder die Konzerte von Mozart und Weber, vielleicht auch einmal von Nielsen oder Copland haben. Es ist einfach schwer, in Luzern oder Frankfurt zu sagen: Ich möchte gerne Hosokawa spielen - da kann ich mich noch so sehr bemühen, es wird nicht klappen.

Reiner Wehle: Bei ihrem Bläserensemble ist das hingegen kein Problem. Von den gut 40 Uraufführungen sind in etwa zehn ins Repertoire eingegangen - und die Werke von Denissow, Hosokawa und Castiglioni für das Bläserensemble sind auch in renommierten Verlagen verlegt und werden von anderen Musikern gespielt.

Eine Quote, die bedeutet, dass Sie drei von vier Stücken gerade mal für ein oder zwei Aufführungen erarbeitet haben - das scheint Sie nicht davon abzuhalten, sich immer wieder neuen zeitgenössischen Werken zu widmen?

Sabine Meyer: Nein. Aktuell etwa schreibt Márton Illés ein Quartett für mich für das Lausanne-Festival. Er hat mich jüngst besucht, um sich sämtliche Griffe zeigen zu lassen und die Möglichkeiten der Klarinette wirklich vollständig ausschöpfen zu können und zu erfahren, was auf dem Instrument möglich ist und was nicht.

Ist das denn wirklich notwendig für eine Komposition?

Sabine Meyer: Man merkt als Instrumentalist einfach, wie ein Komponist mit der Klarinette umgeht und welche Vorstellungen er hat. Oder ob es ein wirklich Klarinettenkonzert ist: Bei manchem neuen Werk habe ich gedacht, das könnte genauso gut für Flöte geschrieben sein oder für Fagott - das hatte nichts mit meinem Instrument zu tun.

Dann also doch wieder lieber Mozart - aber mögen Sie dieses Konzert nach vier Jahrzehnten wirklich noch spie- len?

Sabine Meyer (lacht): Ich finde nicht, dass es leichter wird, denn je öfter man die Werke spielt, desto höher werden auch die Ansprüche. Am Mozartkonzert kann man immer arbeiten, zumal das ja gerade auf der Bassettklarinette noch wieder ein ganz anderes Thema ist: Das bleibt einfach immer aufregend und spannend! Jedes Mal denke ich wieder: Oh Gott, ich spiele es doch wirklich nicht zum ersten Mal - aber es kommt mir so vor, weil einfach die Anforderungen des Instrumentes an dich so immens sind.

Nun sind Sie nicht nur als Solistin zu erleben, sondern haben stets auch das Spiel im Bläserensemble, im Trio di Clarone oder anderen Formationen gepflegt. Worin liegt für Sie der Reiz der Kammermusik gegenüber dem Solistentum?

Sabine Meyer: Es ist doch toll, mit meinem Bruder und meinem Mann zu spielen - das ist doch etwas ganz anderes, als wenn ich allein ein Solokonzert geben muss. Und mit solch phantastischen Musikern ist einfach jeder Abend ein Abenteuer.

In die Rubrik spannende Abenteuer fällt zweifellos auch ihr jüngstes Album mit Konzertarien Mozarts-

Sabine Meyer: -eine Idee, die übrigens auf Reiners Mist gewachsen ist-

- lässt sich auf der Klarinette so schön singen wie mit der menschlichen Stimme?

Sabine Meyer: Ich hoffe nicht, dass Sie die Sängerin vermissen (lacht). Ich glaube schon, dass die Möglichkeiten des Instruments der Stimme sehr nahe kommen, weil die Klarinette einfach auch in der Höhe sehr weich sein kann und die Tiefe mühelos anspricht - anders als etwa auf der Oboe ist es schon ein sehr großes Spektrum, das uns dies Instrument bietet.

Reiner Wehle: Natürlich kannst du das monieren - andererseits erreichst du mit der menschlichen Stimme auch manches nicht, das sich mit dem Instrument realisieren lässt. Und schon Einstein hat über diese Konzertarien geschrieben, das seien eigentlich Instrumentalkonzerte-

Konzert zu den Dresdner Musikfestspielen: 27.5., 20 Uhr, Residenzschloss (ausverkauft)

CD: Mozart: Arien (Arrangements von Andreas N. Tarkmann), Sabine Meyer, Kammerorchester Basel, Andreas Spering (Ltg.), Sony

Buch: Margarete Zander: Sabine Meyer - Weltstar mit Herz, 233 S., Edel Books

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2014

Christoph Forsthoff

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