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Russisch-deutsches Jazztriomit neuer CD

Triozean Russisch-deutsches Jazztriomit neuer CD

Zehn Jahre steht das russisch-deutsche Jazztrio Triozean schon gemeinsam auf der Bühne. Auf dem neuen Album schlage die Musiker bisher ungewohnte Töne an. Es wird sogar gesungen.

Lars Födisch, Olga Nowikowa und Krishan Zeigner stehen seit zehn Jahren gemeinsam auf der Bühne.

Quelle: Tina Peißker/ PR

Dresden. Europa baut Grenzen, Triozean reißt sie nieder. Eine Band, die vor genau zehn Jahren erst durch fallende Grenzzäune entstehen konnte und seitdem wieder und wieder auch Genregrenzen einreißt, sie ist nun schon selbst Jubilar eines Dezenniums und präsentiert aus gegebenem Anlass eine neue CD namens „Koschki“. Das ist russisch und heißt Katzen. Die haben bekanntlich Charakter. Erhältlich ist das edle Stück auch auf Vinyl.

Hörenswert ist es hier wie da, am besten, weil eindrucksvollsten, gibt es die „Katzen“-Musik freilich live im Konzert. Sie ist so überhaupt nicht kratzig, nicht bucklig und bissig. Hier und da ein klein wenig schnurrend, mag sein, so lädt sie im besten Sinne zu Streicheleinheiten ein. Insgesamt aber ist sie so vielfältig, wie es die Katzenwelt ist.

Da gibt es Getigertes in sehr stringentem Taktmaß, da gibt es den braven Hauslöwen, der domestiziert und musikalisch eingängig scheint; es gibt lustvolle Spielgesellen, die sich ganz unberechenbar gebärden, und ebenso kuscheln sich da Schmusekätzchen heran, denen man nicht zu widerstehen vermag. Das sind natürlich alles nur Deutungsversuche der insgesamt elf kleinen Pfotentiere, nein, der elf so unterschiedsvollen Titel. Sie reichen vom historischen Jahr 1817, haben Texte von Marina Zwetajewa zur Grundlage, fabulieren auf neueren Dichtungen von Kristina Adrianowa – im Konzert werden die Inhalte sogar erläutert, bei der CD vermisst man erklärende Worte, lediglich die Übersetzungen, sind neben den russischen Originalen zu lesen.

Beim Hören wächst der Respekt vor einer Umsetzung, die nicht nur aus der Verbindung dreier Musiker – dreier so geistvoller wie vergeistigter Ozeane – besteht. Hier wird europäisch und slawisch gespielt, das ist kein Durch-, sondern ein Miteinander der Stile und regionalen Charakteristiken, die eine bereichernde Neudeutung erfahren.

Erstmals wird auch gesungen, Bandgründerin Olga Nowikowa setzt sich mal nicht nur ans Klavier, sondern besticht zudem als Geschichtenerzählerin und -sängerin ihrer russischen Heimat. Da werden in stimmlicher Schönheit märchenhafte Dinge fabuliert, Texte voller Sehnsucht und Schmerz aufgeführt, um gleich darauf Liebeslyrik unterzubringen und auch die musikalisch wieder zu brechen. In einigen Titeln wird drangvoll forciert, so dass man beim Zuhören unmöglich still sitzen kann. Andere läuten ein betretenes Schweigen ein und nutzen raffiniert chorische Mittel, die dennoch intim wirken.

Nowikowas Mitstreiter Lars Födisch und Krishan Zeigner sind mit Bass und Schlagwerk dabei, der viel zu rasch schon ausklingenden CD ein katzen-, nein katerhaftes Gepräge zu verleihen, dessen Vitalität ebenso verspielt wie mitreißend ist. Dennoch hat sich Triozean für diese Neuproduktion wie auch für die aktuellen Konzerte (jüngst erst in den Landesbühnen Radebeul) der Mithilfe vom Degele Streichquartett und weiteren Instrumentalisten versichert. Dadurch werden die gefühligen Feintöne noch diamantener eingeschliffen und raffinierter gestaltet, klingen teils orchestral und setzen so deutliche Kontraste zu den stilleren Momenten.

Wer sich von diesem grenzüberschreitenden Tun überzeugen lassen will, kommt am Samstag ins Tonnekonzert.

5. März, 21 Uhr, Jazzclub Tonne, Tzschirnerplatz 3;

CD: Koschki, Label Neuklang, NCD 4126

www.triozean.de

Von Aldo Lindhorst

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