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Rund 200 Bilder von 18 Fotografen in der Ausstellung "Über Grenzen" im Dresdner Hygiene-Museum

Rund 200 Bilder von 18 Fotografen in der Ausstellung "Über Grenzen" im Dresdner Hygiene-Museum

Fotografen sind Einzelgänger. Das prägt. "Die Welt kann sehr einsam wirken, wenn man allein ist." Sagt einer, der es wissen muss: Julian Röder, Jahrgang 1981, in Berlin groß geworden, natürlich Fotograf.

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Anne Schönharting: Hinterhöfe katholischer Häuser, Bombay Street, West-Belfast (2011), links begrenzt von der sogenannten Absperrlinie, rund acht Meter hoch.

Quelle: Katalog

Für diese im Professionellen verwurzelten Abschottung hat er schon früh ein Gegengewicht gesucht - und gefunden. Seit 2004 ist Röder Mitglied der Fotoagentur Ostkreuz. Eine 1990 im Osten Berlins gegründete Gruppe, unter ihnen damals auch Sibylle Bergemann, Ute und Werner Mahler, Harald Hauswald. Der Zusammenschluss orientierte sich durchaus am großen Vorbild Magnum. Heute umfasst Ostkreuz 18 Mitglieder. Deren Arbeit, einzeln und als Gruppe, ist unter dem Titel "Über Grenzen" auf rund 200 Fotografien im Hygiene-Museum zu sehen.

Grenze? Also DDR? Ein klares Nein, zumindest was die Sujets (fast) aller Fotos angeht. Lediglich Ute und Werner Mahler sowie Harald Hauswald gehen auf Spurensuche mit DDR-Anklängen. Dennoch zeigen alle Bilder Grenzen, auch solche, die durch immer ähnliche Nachrichten mittlerweile einen festen Platz in der Weltpolitik innehaben: auf Zypern, auf der koreanischen Halbinsel, in Südsudan.

Doch das Gezeigte geht weit darüber hinaus, existierenden Barrieren eine Stippvisite zu widmen und das zu einer Ausstellung zu verknüpfen. Wer auf Fotos von der Arbeit des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag blickt, in die Wohnungen von Roma von der Slowakei bis ins Kosovo schaut oder in die Stricherszene in Tel Aviv eingeführt wird, merkt schnell: Hier werden noch ganz andere Grenzen verhandelt. Juristische, anthropologische, ethnische, metaphysische.

Auslöser für das Thema sei die Idee einer Ausstellung zum 50. Jahrestag von Amnesty International 2011 gewesen. "Aber das war zeitlich nicht zu schaffen", räumt die Ostkreuz-Sprecherin Anna Hartmann ein. Das Ergebnis war dann erst Ende 2012 erstmals zu sehen, im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Nun folgt Dresden. "Und Goethe-Institute in Ostasien werden die Ausstellung auch zeigen", prognostiziert Hartmann.

Die Ostkreuz-Frauen hinterlassen im Hygiene-Museum den (noch) stärkeren Eindruck. Anne Schönharting porträtierte beiderseits der sogenannten Absperrlinie zwischen katholischen und protestantischen Vierteln in Belfast. Anne Hauschild hat sich in vier Ländern in Roma-Siedlungen umgesehen und räumt mit der ständig wiedergekäuten Legende des fahrenden Volkes auf. Pepa Hristova blickt in Kinderheime in Bulgarien und erinnert, wenn auch subtiler, an ähnliche Fotos, die James Nachtwey Anfang der neunziger Jahre in Rumänien aufgenommen hatte.

"Die Fotografie ist einfach zu verstehen", sagt Hauschild, die zusammen mit Ute Mahler kuratierte. Und sie hat Recht. Die Bilder funktionieren dabei sowohl als Einzelthema wie auch insgesamt durch ihre reportagehafte Unbedingtheit. Eine Ausnahme gibt es aber: Hauswalds Blick zurück in die DDR, der weniger fotografisch (drei Bilder), sondern essayistisch daherkommt. Ein besonderes Stück Zeitgeschichte.

ibis 11. August, geöffnet Di-So 10-18 Uhr

www.dhmd.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.05.2013

Torsten Klaus

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