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Ruhe in der Dresdner Innenstadt: Bußgeld schreckt illegale Straßenmusiker ab

Ruhe in der Dresdner Innenstadt: Bußgeld schreckt illegale Straßenmusiker ab

Straßenmusiker haben es in Dresden nicht mehr leicht. Seit Anfang August brauchen sie eine behördliche Genehmigung, wenn sie auf Straßen und Plätzen spielen wollen.

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Ein Straßenmusikant am Theaterplatz. Manche Künstler bereichern das Kulturleben der Stadt, andere sorgen eher für Verdruss.

Quelle: Dietrich Flechtner

Seitdem ist es in der Innenstadt viel ruhiger geworden, wo sich sonst Sänger und Musiker tummelten. Denn für eine Genehmigung müssen die Künstler 5 Euro pro Tag berappen, maximal zwei Mal pro Woche dürfen sie auftreten. Wer eigene CDs verkauft, zahlt noch etwa 2,50 drauf. Sehr zum Ärger der Künstler. Viele kehrten Dresden den Rücken. Andere bissen in den sauren Apfel und beantragten eine Genehmigung. Bis Mitte September gingen rund 80 Anmeldungen von Straßenkünstlern im Straßen- und Tiefbauamt ein.

Anlieger, Gewerbetreibende und Ladenbetreiber dagegen atmen auf. Viele hatten sich in den zurückliegenden Monaten bei der Stadtverwaltung beschwert, weil sie sich durch eine teilweise stundenlange lautstarke Bespielung nachhaltig gestört fühlten.

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"Für eine freie Vielfalt von Kunst und Musik auf den Straßen“ - unter diesem Motto demonstrierten am 1. August 2014 Straßenmusiker- und Künstler gegen die seit diesem Tag geltende Regelung für Straßenkunst.

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Michael Drotleff (34) ist Rikscha-Fahrer, sein Arbeitsplatz der Neumarkt. Er gibt zu, froh über die neuen Regelungen zu sein. „Vorher war hier auf dem Neumarkt Wilder Westen. Von allen Seiten wurde man beschallt. Dass jeder spielen durfte, wo, wann und was er wollte, wurde von den Straßenmusikern ausgenutzt. Vor allem Restaurantbetreiber und deren Gäste haben deshalb Beschwerden eingereicht“, weiß Drotleff.

Allerdings hält sich nicht jeder Musikant an die neuen Vorschriften. Dagegen geht das Ordnungsamt vor. „Bei erstmaliger Feststellung informieren wir Musiker und Künstler über die neuen Regelungen und händigen ihnen das Infoblatt in der entsprechenden Sprache aus“, erklärt Stadtsprecher Kai Schulz. „Bei wiederholter Feststellung ohne Genehmigung erfolgt in der Regel ein Platzverweis. Parallel dazu wird die Ordnungswidrigkeit geahndet, vordergründig mit Verwarnungsgeld. Dies entweder direkt vor Ort oder über die Bußgeldstelle. Das kommt auf die Situation an.“ Für die Straßenmusiker wird das teuer. Sie müssen mit Bußgeldern zwischen 20 und 50 Euro rechnen.

Vielen Straßenmusikern ist noch gar nicht bewusst, dass sie sich jetzt nicht mehr einfach irgendwo in die Fußgängerzone stellen und singen, musizieren bzw. sich anderweitig künstlerisch betätigen dürfen. So auch Bernd Bobert. Der 25-jährige Azubi verdient sich seit etwa drei Jahren auf der Straße den ein oder anderen Euro mit selbst geschriebenen Songs dazu. Eigens produzierte Tonträger verkauft er ebenfalls. „Ich habe schon öfter hier auf der Prager Straße gespielt, da war immer alles okay. Von der neuen Regelung habe ich nichts mitbekommen“, beteuert er, als er sich drei Beamten des Ordnungsamtes gegenüber sieht. Eine mündliche Verwarnung ist die Folge.

Ebenso verwundert über die Genehmigungspflicht ist Elisabeth Glöckner. Mit ihrer Gemeinde musizierte die Abiturientin schon an vielen Wochenenden auf der Prager Straße. „Sich hier hinzustellen ist sowieso schon ein Risiko. Dazu gehört außerdem viel Mut“, erzählt die 19-Jährige. Mit christlichem Pop-Rock wollte sie Passanten erfreuen. Dazu kam es allerdings nicht. Die Beamten waren schneller.

Ein fester Bestandteil des Dresdner Stadtbildes sind die Blechbläser aus St. Petersburg. „Wir sind seit 1995 in Dresden und spielen hier für die Touristen. Früher durfte man noch spielen, wo man wollte. Wir haben uns zwar angemeldet, aber es ist viel zu teuer. Allein für die nächste Woche zahlen wir schon 120 Euro“, erzählt einer der Bläser. 

Linke, Grüne sowie Piraten hatten gleich nach der Sommerpause versucht, die neuen Beschränkungen gleich wieder zu kippen. OB Helma Orosz (CDU) vertagte den Eilantrag jedoch.

Juliane Weigt

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