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Rückkehr einer Romantikerin: Die Jahn-Orgel erklingt wieder in Schönfeld

Rückkehr einer Romantikerin: Die Jahn-Orgel erklingt wieder in Schönfeld

Als ihr die Kirchendecke auf den Kopf zu fallen drohte, wurde es für die Orgel der Schönfelder Kirche Zeit, die Empore zumindest für einige Zeit zu verlassen.

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Die Jahn-Orgel in der Kirchgemeinde Schönfeld-Weißig.

Quelle: Hartmut Schuetz

Der Ausbau der 1904 vollendeten Jahn-Orgel wegen der Arbeiten am Gebäude gab gleichzeitig den Anstoß, über ihre Restaurierung nachzudenken, denn bei näherem Hinsehen offenbarte das seit Jahren leidlich funktionierende Instrument etliche Mängel. Holzwürmer, einige notdürftige Reparaturen der Technik, aber auch unglückliche Veränderungen an den Pfeifen und damit am Klang ließen die konsequente Wiederherstellung der Orgel wünschenswert erscheinen. Viele qualitätsvolle Werke der Dresdner Orgelbauer Julius und Johannes Jahn sind inzwischen abgerissen worden, da ihr spätromantischer Klang als musikalisch weniger interessant und pneumatische Orgeln generell als ästhetisch überholt galten. Ein Zeichen dafür, dass sich diese Haltung gewandelt hat, war nicht zuletzt die aufwendige Rekonstruktion der Jahn-Orgel in der Dresdner Versöhnungskirche, für die einige Details aus der Schönfelder Schwester als Vorbild dienten.

Nachdem 2011 Kostenanschläge eingeholt wurden, konnte die Kirchgemeinde Schönfeld-Weißig im Jahr 2013 die Orgelbauer Johannes Lindner und Thomas Bartsch mit dem Beginn der Arbeiten beauftragen. Nach einer dringenden Bekämpfung der Holzschädlinge wurde das Instrument in drei Bauetappen restauriert und rekonstruiert, da sich die veranschlagte Summe (62 000 Euro) nicht auf einmal zusammentragen ließ. Die Beharrlichkeit des Kirchenvorstandes dabei erinnert an das Zustandekommen des Orgelneubaues kurz nach 1900. Damals hatte sich der Schönfelder Kantor Pabst dafür eingesetzt, die desolat gewordene Herbrig-Orgel zu ersetzen. Eine beachtliche Spende von 3000 Mark durch die Familie des Dresdner Mühlenbesitzers Bienert sorgte schließlich für den nötigen Anschub, so dass die Orgel 1904 errichtet werden konnte.

Auch für die aktuelle Restaurierung kam neben öffentlichen und kirchlichen Zuschüssen ein guter Teil der Finanzen durch Spenden zusammen. So konnte nun mit der dritten Etappe die Rekonstruktion der Schönfelder Jahn-Orgel vollendet werden, was den Nachbau verlorener Register und die Wiederherstellung der stark veränderten pneumatischen Spieltraktur im ursprünglichen Sinn einschloss. Nach der Weihe am Sonntag spielte Kreuzorganist Holger Gehring nachmittags ein Konzert mit romantischen Kompositionen, in denen die wiedergewonnene Fülle der Klangfarben deutlich wurde und sich das Gelingen der Arbeit vor allem darin zeigte, dass originale und rekonstruierte Register tadellos miteinander verschmolzen.

Eine Besonderheit der Orgel sticht auch jedem Besucher der Kirche ins Auge, der die Orgel nicht zu hören bekommt: Den ganzen Raum zwischen den Emporen füllt das von Otto Bretschneider gefertigte Gehäuse, das in einigen gestalterischen Details Bezug auf die Fassaden der Herbrig-Orgeln nimmt. Aber der Schönfelder Tischlermeister hat es sich 1904 nicht nehmen lassen, seiner Arbeit mit Ornamenten auch den eigenen künstlerischen Stempel aufzudrücken. So versammeln sich Spitz- und Rundbögen, Girlanden, klassizistische Mäander und florale Verzierungen im Jugendstil zu einem ungewöhnlichen Zeitzeugnis eines handwerklich reich gestalteten Orgelprospektes.

www.kirchgemeinde-schoenfeld-weissig.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.05.2015

Hartmut Schütz

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