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Rückkehr: Lambchop nach zehn Jahren wieder im Dresdner Beatpol

Rückkehr: Lambchop nach zehn Jahren wieder im Dresdner Beatpol

Die Band aus Nashville, Tennessee, gab 2002 im Briesnitzer Konzerthaus ihr erstes Konzert in Dresden. Gekommen waren nur wenige für diese hierzulande eher unbekannte moderne Country-Band, und selbst Kurt Wagner, Kopf des musikalischen Kollektivs, fand erst 2010 wieder hin − seine nachfolgenden Alben hatte er in einer Dresdner Kirche (pompös) und einem ehemaligen Schlachthof (minimalistisch) vorgestellt.

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Lambchop mit Kurt Wagner spielten im Beatpol.

Quelle: Dietrich Flechtner

Mit Cortney Tidwell spielte er also endlich wieder im Beatpol, um sich danach bei Schnittchen und Schnaps im gemütlichen Backstage seiner Dresdner Anfänge zu erinnern. Wagner versprach, bald wieder zu kommen, mit der ganzen Band. Keine zwei Jahre später schnippt er seine Kippe aus dem Tourbus vorm Haus, im Schlepptau die Lammkotellet-Kernbesetzung, ein neues Album und Frau Tidwell. Diesmal ist das Haus restlos ausverkauft.

Wer schon einmal anwesend sein durfte auf einem Konzert, der weiß im Prinzip, was kommt, große Überraschungen gab und gibt es nicht. Lambchop, das bedeutet lange, ruhige Americana-Stücke, das bedeutet vor allem aber, einer Überstimme zuzuhören. Der Bass-Bariton, der Hornbrillenträger, der Baseballkappenmann ist das erste Instrument, seine warme Melancholie, die ruhigen, niemals aufbegehrenden Worte seiner lyrischen Betrachtungen, sie halten ein knapp zweistündiges Konzert, sie halten die mittlerweile zweistellige Diskografie zusammen; Alben, produziert mal mit etwas mehr Überbau und Hall, mal stark reduziert und truckfahrtauglich, aber immer schon beim Vorbeihören eindeutig identifizierbar. Mit "Mr. M" (City Slang) fügen sie nun ein geigengetragenes Liebesrequiem hinzu. Ruhe nach keinem Sturm. Die Geigen wurden allerdings nicht mit in den Tourbus verfrachtet, die anderen Instrumente übernehmen ihren Part, mutieren aber wie gewohnt zu Nebengeräuschen. Damit soll die Qualität von Tony Crow (E-Piano), Ryan Norris (Keyboard, Gitarre), William Tyler (Gitarre), Scott Martin (Schlagzeug) und Matt Swanson (Bass) keinesfalls heruntergespielt werden. Im Gegenteil. Denn diese Musiker wissen, dass sie sich für ein stimmiges Gesamtkonzept sehr zurücknehmen müssen, sie streicheln, wo andere ihre Muskeln spielen lassen.

So ist die Show über die gesamte Strecke recht statisch. Wagner wiegt sich leicht, die größte Bewegung unternimmt sein rechter Fuß, der auf den Pedalen seiner Gitarre ein paar sparsame Effekte eintritt. Menschen, die mit sich selbst sind, vor und auf der Bühne. So leise sind Konzert und Stimmung im Saal, die Anwohner mussten glauben, es gäbe einen beatlosen Ruhetag. Erst ganz kurz vor Schluss bricht tatsächlich etwas aus, Wagner erhebt sich, springt kurz über die Bühne und kniet vor seinem Publikum nieder, während die Musik ein oder zwei Minuten lang ausbrechen kann. Das versöhnt mit den Längen davor. Lambchop klopfen das Fleisch zuverlässig, aber auf ihre ganz eigene Weise zart.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.02.2012

Juliane Hanka

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