Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Google+
Rudolf Buchbinder überzeugt mit der Sächsischen Staatskapelle

Rudolf Buchbinder überzeugt mit der Sächsischen Staatskapelle

Es hinterließ diesen Eindruck des Selbstverständlichen und Einfachen, wieder gepaart mit dem Wunsch, diese Musik immer so hören zu dürfen. Und es wirkte wie ein Nachtrag zum Zyklus mit Beethovens Klaviersonaten, den Rudolf Buchbinder vor zwei Jahren am selben Platz gespielt hatte: Dieses 4. Sinfoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle, das ganz anders sein sollte, ein Programm mit Werken von Rachmaninow und Schostakowitsch eigentlich, dirigiert von Franz Welser-Möst und mit Buchbinder "nur" als Solist.

Voriger Artikel
Axel Anklam mit neuer Ausstellung in Dresden-Hellerau
Nächster Artikel
Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden über die Zukunft der Museen

Setzt Akzente, auch wenn er die Staatskapelle vom Flügel aus dirigiert: Rudolf Buchbinder.

Quelle: Matthias Creutziger

Doch mit einem solchen Solisten ist eine Erkrankung des Dirigenten wohl fast kein Problem, er springt gleich für den Kollegen mit ein, wenn auch das Programm entsprechend anders lauten muss. Die einen wird es gefreut, die anderen enttäuscht haben, dass "nur" Beethoven als Ersatz geboten wurde.

Es wäre spannend gewesen, Rudolf Buchbinder mit der Paganini-Rhapsodie zu erleben, denn spätromantische Klavierliteratur kennt man mit ihm weniger. Das Ersatzprogramm mit Beethovens Klavierkonzerten Nr. 1 C-Dur und Nr. 5 Es-Dur war dagegen seine Domäne. Vom Klavier aus leitend hat er die Konzerte mit den Wiener Symphonikern und Philharmonikern gespielt, auch mit der Dresdner Philharmonie war dieses Gesamtwerk zu hören. Nun also gab es die Eckpunkte daraus mit der Staatskapelle.

Die Konstellation so zu beschreiben, dass der Solist als Dirigent das Orchester, das eigentlich ihn begleitet, selbst auf Händen trägt, erklärt das Zusammenwirken mit diesem Pianisten nur mangelhaft. Es war diese Symbiose von Soloinstrument und Orchesterpart, die sich von der Einleitung des C-Dur-Konzertes an durch den ganzen Abend zog. Da gelang alles in Mühelosigkeit und Buchbinder konnte seine bekannt starke und ungewöhnliche Akzentsetzung nicht nur im eigenen Spiel verwirklichen, sondern in gleicher Wirkung dem Orchester abgewinnen. Das Formen winzigster Details fesselte daher beim Hören nicht weniger als Buchbinders großzügiges, weiträumiges Spiel. Dass die Korrespondenz des Dirigenten Buchbinder vom Klavier aus nicht in jedem Augenblick zu präzisestem Zusammenspiel mit der glänzend aufgelegten Staatskapelle führte, blieb in der Fülle ernster, vergnüglicher, poetischer Momente nebensächlich. Witz und Tiefgang spielten umeinander. Intensive Stimmungen, das lebhafte Ausbrechen aus der Ruhe des Largo im ersten Konzert, das Herabsenken wie aus der Luft zum zupackenden Einsatz des Finales im fünften nahmen ebenso gefangen, wie die stark herausgehobenen Orchesterpassagen. Und Rudolf Buchbinder spielte so farbig und eindringlich, dass er, den man stets als sehr zurückhaltend erlebt, einmal selbst energisch mitsang. Dass man von anderen wohl bald wieder einen gehämmerten oder schwerblütigen Beethoven hören muss, war nach diesem Konzert eine unbehagliche Vorstellung. Es dürfte vielen so gegangen sein, denn Buchbinder und die Staatskapelle bekamen donnernden Applaus.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.11.2013

Hartmut Schütz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr