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Rudolf Buchbinder übernimmt Sinfoniekonzerte der Staatskapelle Dresden

Rudolf Buchbinder übernimmt Sinfoniekonzerte der Staatskapelle Dresden

Krankheitsbedingt musste Franz Welser-Möst, Chef der Wiener Staatsoper und des Cleveland Orchestra, sein Debüt bei der Staatskapelle Dresden in diesen Tagen absagen.

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Eins mit der Musik: Rudolf Buchbinder.

Quelle: Matthias Creutziger

Der böhmisch-österreichische Pianist Rudolf Buchbinder, der als Solist mit Rachmaninows Paganini-Variationen im Programm vorgesehen war, übernimmt nun kurzfristig die Leitung der drei Sinfoniekonzerte - vom Klavier aus. Dass Rudolf Buchbinder nun zwei Beethoven-Klavierkonzerte programmiert hat, dürfte die Dresdner besonders freuen - sein für die CD live mitgeschnittener Beethoven-Sonaten-Zyklus in der Semperoper 2011 ist in bester Erinnerung. Die DNN sprachen mit dem Pianisten über sein Dresden-Gastspiel.

Frage: Mit einem Augenzwinkern versehen: Lieben Sie Herausforderungen?

Rudolf Buchbinder: Absolut. Ich liebe es immer, ohne Netz zu spielen. Aber hier ist das natürlich eine Notsituation - für Rihm und Schostakowitsch kann man so schnell keinen Ersatz finden. Wir wollten daraus das Beste machen.

Sie betreten kein Neuland, Sie haben schon mehrfach Aufführungen vom Klavier aus betreut...

Es waren bestimmt 400 Aufführungen - zuletzt habe ich gerade mit den Wiener Philharmonikern einen kompletten Zyklus der Beethoven-Klavierkonzerte in der Suntory Hall in Tokio und auch in Peking gespielt. Die Orchester lieben das, weil sie plötzlich bis zum letzten Pult eine wesentlich größere Verantwortung haben. Es ist eine Art vergrößerte Kammermusik, im Konzert gibt man dirigentisch ja nur noch Impulse, die Arbeit findet in den Proben statt. Das ist übrigens auch etwas, was ich bei Christian Thielemann bewundere, der jetzt die Beethoven-Sinfonien in Japan aufgeführt hat: dass man die Musiker auch im Konzert musizieren lässt. Leider (lacht) bin ich nicht der erste, der vom Klavier aus dirigiert - Beethoven und Mozart haben selbst ihre Klavierkonzerte vom Klavier aus geleitet!

Sie führen Beethovens Sonaten und Konzerte auch gerne zyklisch auf. Warum?

Ja, ich mache das mit Beethoven sehr gerne und ich habe es auch mit Mozarts Klavierkonzerten gemacht. Es sind Œuvres, mit denen man den Menschen quasi ein ganzes Leben hindurch begleitet.

Für den Interpreten bedeuten solche Zyklen aber doch eine enorme Anstrengung?

Ich sage immer, das Hirn ist unbegrenzt belastbar. Es ist doch unsere Arbeit, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen.

Sie spielen nun in Dresden das erste und das fünfte Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven. Der Komponist schrieb die Stücke für sich selbst und reüssierte auch in der Öffentlichkeit als Klaviervirtuose. Würden Sie eigentlich sagen, Beethoven war ein guter Pianist?

Wenn man ihn studiert und seine Briefe und Aussagen liest, kommt man immer wieder darauf, dass für ihn der Ausdruck das allerwichtigste war, er verwendet diesen Begriff immer wieder. Er war sicher ein sehr guter Pianist, aber nicht das Glänzen mit Sechzehntelläufen steht im Vordergrund - es gibt doch kaum einen Komponisten, der so oft "espressivo" oder "con espressione" vorschreibt. Mit Ausdruck! Und dieses espressivo beschreibt auch die Freiheit des Interpreten.

Sie studieren den Komponisten und seine Noten seit Jahrzehnten, besitzen sehr viele Autographen und Ausgaben seiner Werke. Gibt es eigentlich noch ungelöste Rätsel für Sie? Was würden Sie Beethoven gerne fragen?

Es gibt einige kleine Fragen in der Hammerklaviersonate, aber diese lassen sich durch interpretatorische Freiheit beantworten. Das Autograph dieser Sonate ist leider verschollen, ich bin sicher, es liegt noch irgendwo versteckt.

Was ich Beethoven fragen würde? Wenn er mich heute besuchen käme, würde ich mich im Zimmer verstecken und ihm gerne beim Spielen zuhören, um ihn zu verstehen. Es gibt ein wunderbares Buch von Gerhard von Breuning, der als Zehnjähriger mit dem alten Beethoven Hand in Hand durch die Parks spazieren ging - wenn man diese rührenden Zeilen liest, hat man das Gefühl, man läuft selbst mit ihm durch den Park.

Sie schätzen das Wissen, das lebenslange Lernen an der Musik außerordentlich. Ebenso muss ein Interpret sich aber auch mit dem Wesen der Freiheit, der Intuition beschäftigen. Wie bringen Sie diese beiden Welten als Musiker zusammen?

Im Laufe der Jahrzehnte habe ich für mich herausgefunden, dass ich nur frei sein kann, wenn ich soviel wie möglich weiß. Wenn man aber auf die Bühne geht, dann ist Spontanität das allerwichtigste. Zu CD-Aufnahmen gehe ich auch nicht mehr ins Studio, ich mache nur noch Live-Aufnahmen. Mir fehlen im Studio drei Dinge: Spontanität, Emotionaliät und auch die Nervosität. Das brauche ich.

Nehmen Sie das Publikum eigentlich wahr beim Spielen?

Bewusst vielleicht nicht, aber unbewusst, atmosphärisch. Und auch bei den Live-Mitschnitten ist das Publikum in gewisser Weise Teil der Aufnahme, das ist wichtig.

Sie unterrichten junge Talente, sind selbst Intendant eines Festivals in Österreich und beobachten sicher die Klavierszene. Früher gab es eine Zeit einiger weniger Klavier-"Giganten", großer Virtuosen. Hat sich das heute verändert?

Natürlich, die Zeiten von Horowitz, Backhaus, Gieseking, Schnabel sind vorbei und da trauert man schon ein bisschen. Es gibt sehr viele junge Pianisten und natürlich auch große Pianisten. Manchmal ist es heute das Dilemma der Schnelllebigkeit, dass viele Künstler zu schnell an die Ziele heranwollen. Ich sage meinen Studenten, wenn sie die großen Werke spielen wollen, sollten sie erst einmal ein Buch über den Komponisten lesen, um sich in deren Leben und Schaffen hineinzudenken. Damit muss man sich doch beschäftigen, das vermisse ich heute ein wenig.

Das Jahr 2014 steht in Dresden musikalisch im Zeichen des 150. Geburtstags von Richard Strauss. Sie werden sich daran beteiligen und dann mit der Staatskapelle die "Burleske" für Klavier und Orchester aufführen. Für die Pianisten war Strauss ja nicht allzu schöpferisch tätig...

Ja, aber ich liebe seinen vollen, romantischen Klaviersatz. Ich spiele gerne die Lieder und die "Burleske" ist ein tolles Stück, ein vielfach unterschätztes - ja, von Strauss selbst unterschätztes Stück! Strauss zu spielen ist indes eine Herausforderung für Pianisten - man ist ja nicht sein Leben lang vertraut mit dieser Rhythmik und vor allem der Harmonik, da haben es die Orchester besser. Aber wenn man da einmal drin ist und sich durchgearbeitet hat, dann ist es die große Liebe.

i4. Symphoniekonzert: heute 20 Uhr, 29.11. & 1.12. jeweils 11 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.11.2013

Alexander Keuk

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