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Rudolf Buchbinder startet seine Geburtstags-Spielzeit mit der Sächsischen Staatskapelle

Von gemeinsamem Atmen Rudolf Buchbinder startet seine Geburtstags-Spielzeit mit der Sächsischen Staatskapelle

Rudolf Buchbinder ist nicht nur ein regelmäßiger, er ist ein gern gesehener Gast in Dresden. Vor seinem Sonderkonzert mit der Staatskapelle zum 70. Geburtstag sprach Rudolf Buchbinder mit Michael Ernst über Traditionen und Pläne.

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Rudolf Buchbinder musiziert mit der Staatskapelle Dresden.

Quelle: Matthias Creutziger

Überhaupt nicht. Rudolf f Buchbinder ist nicht nur ein regelmäßiger, er ist ein gern gesehener Gast in Dresden. Von beiden Orchestern begehrt, vom Publikum geliebt, ist er 2011/12 Capell-Virtuos der Sächsischen Staatskapelle gewesen. Vor seinem morgigen Sonderkonzert mit der Staatskapelle zum 70. Geburtstag sprach Rudolf Buchbinder mit Michael Ernst über Traditionen und Pläne.

Frage: Herr Buchbinder, Sie werden am 1. Dezember Ihren 70. Geburtstag feiern. Vorab gratulieren soll man ja nicht -

Rudolf Buchbinder: Ich habe damit überhaupt kein Problem -

- aber Sie geben schon ein Geburtstagskonzert und starten zur Geburtstagstournee?

Ich freu mich sehr auf beide Reisen mit der Dresdner Staatskapelle, jetzt auf diese Deutschland- und Österreich-Tournee und dann natürlich auch auf China. Wie gesagt, ich hab damit kein Problem, ich feiere meinen Geburtstag gern ein ganzes Jahr.

Sie haben schon oft in Dresden gastiert und waren bei diesem Orchester Capell-Virtuos. Mit welchen Gefühlen kommen Sie jetzt hierher zurück?

Man kommt nach Hause zu einer Familie, die man sehr gut kennt. Wir sind eine Familie. So würde ich das beschreiben. Wir hatten ja auch Amerika-Tourneen gemacht, es ist eine lange Beziehung. Ich freue mich sehr darüber.

Was macht dieses Familiäre aus?

Das wichtigste ist - ob man Kammermusik macht oder mit einem Orchester spielt -, man muss gemeinsam atmen. Es darf in der Musik keinen Kompromiss geben. Wenn man nicht gemeinsam atmet, hat das gar keinen Sinn, da helfen auch zwanzig Proben nichts mehr. Entweder es funktioniert oder es funktioniert nie. Mit der Dresdner Staatskapelle hat es immer sofort funktioniert.

Was denken Sie, woran das liegt?

Ich glaube, das ist die Art Musikantentum, die in Dresden immer sehr verankert war. Das trägt sehr viel dazu bei, diese vergrößerte Art von Kammermusik zu praktizieren. Wenn ich vom Klavier aus dirigiere, gebe ich im Konzert nur mehr Impulse, die Arbeit geschieht ja in der Probe. Im Konzert hat dann jeder bis zum letzten Pult eine riesige Verantwortung. Plötzlich muss man viel mehr zuhören. Das zeichnet das ganze Zusammenwirken aus.

Gerade bei Mozart ist dieser kammermusikalische Aspekt ja sehr ausgeprägt. Aber ist es nicht trotzdem etwas anderes, das Orchester vom Klavier aus zu leiten?

Überhaupt nicht. Was mich ein klein wenig traurig macht - ich bin nicht der Erste, der das so macht. Das haben Mozart und Beethoven und viele andere schon getan. Es ist ein gemeinsames Musizieren, nicht mehr und nicht weniger. Leiten sehe ich gar nicht als richtiges Wort, die Partnerschaft ist wichtig. Sowohl mit einem Dirigenten als auch in der Kammermusik und mit einem Orchester. Ich will auch nicht begleitet werden. Ich habe noch nie in meinem Leben einen Sänger begleitet, das finde ich ein furchtbares Wort. Das ist eine reine Partnerschaft. Wenn ich jemanden begleite, dann ist das meine Frau ins Restaurant, sonst nichts.

Bei den Klavierkonzerten hatte das ja Mozart schon so gehalten, vom Klavier aus gemeinsam mit dem Orchester -

Sicher, wobei der Mozart natürlich ein sehr eitler Mensch gewesen ist. Er wollte immer brillieren und seine Virtuosität zeigen. Er hat das sehr genossen, diesen Ruhm. Die Konzerte hat er ja im Gegensatz zu den Sonaten für sich selbst geschrieben. Das merkt man auch.

Ist es für Sie ein Unterschied, Mozart in Deutschland oder in Österreich aufzuführen?

Nein, überhaupt kein Unterschied. Man versteht seine Musik ja in Dresden oder Wien nicht mehr oder weniger als in Tokyo oder Paris. Menschen gehen ins Konzert, weil sie Musik lieben, das ist überall auf der Welt so. Was Wien vielleicht auszeichnet, ist der Umstand, dass in einer kleinen Stadt die Abonnementskonzerte viermal ausgebucht sind. Das musikalische Interesse in der Wiener Bevölkerung ist enorm. Aber auch da wie überall sonst spielt man für das Publikum und muss man seine eigene Interpretation bringen.

Wie viele Freiräume gönnen Sie sich bei Mozart, insbesondere in den Kadenzen?

Bei den Mozart-Konzerten habe ich ein ganz einfaches Prinzip: Ich spiele immer Originalkadenzen, bis auf KV 466, da hat Beethoven natürlich fantastische Kadenzen geschrieben. Und sonst nur eigene Kadenzen. Bei den Fermaten improvisiere ich die sogenannten Eingänge. So hat das auch Mozart gemacht, es gibt da manchmal vier, fünf verschiedene Beispiele, wie er das improvisiert hat.

Bleiben Sie sich in diesen Interpretationen treu?

Anfangs wechselt es, aber wenn mein Konzept in sich stimmt und ich damit einigermaßen glücklich bin, dann bleibt es schon eine ganze Weile so.

Das heißt, es klingt im Konzert genauso wie auf den frisch erschienenen und CDs und DVDs, die Sie in Dresden aufgenommen haben?

Ich hoffe, dass es anders ist, dass es jeden Abend anders ist. Man weiß nur nie, was ist besser oder schlechter, aber auf jeden Fall ist es anders. Ich mache deswegen nur mehr Live-Aufnahmen. Diese Spontanität und die Emotionen sind ganz wichtig. Was im Studio fehlt, ist die Nervosität, aber die ist ganz wichtig für die Spannung.

Kann man das steuern?

Nein, Gottseidank nicht.

Mussten Sie für die Aufnahmen in der Gläsernen Manufaktur Kompromisse eingehen?

Nein, gar nicht. Ich liebe diese Atmosphäre, außerdem bin ich ein Autofreak, ich hab mich da sehr wohlgefühlt. Es wurde sehr gut eingerichtet, die Akustik ist erstaunlich gewesen - ich denke, das Resultat lässt sich sehen und hören.

Wissen Sie schon, was Sie am 1. Dezember tun?

Ich spiele mit den Wiener Philharmonikern im Musikvereinssal das 5. Beethoven-Konzert. Wenn ich Lust und Laune habe, werde ich "Happy Birthday" als Zugabe spielen.

Sonderkonzert zum 70. Geburtstag von Rudolf Buchbinder: Sonntag, 11 Uhr Semperoper (ausverkauft, nur Restkarten)

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