Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Roter Faden gegen Nachwuchssorgen: Die Staatskapelle Dresden spielt zum Symphoniekonzert mit einem renommierten Jugendorchester auf

Roter Faden gegen Nachwuchssorgen: Die Staatskapelle Dresden spielt zum Symphoniekonzert mit einem renommierten Jugendorchester auf

Symphoniekonzert spielt die Sächsische Staatskapelle Dresden zusammen mit 14 jungen Musikern aus dem Gustav Mahler Jugendorchester (GMJO) in der Semperoper Werke von Brahms und Bartók.

Voriger Artikel
Dresdner Philharmonie bekommt Residenz in London - Tourneen weltweit
Nächster Artikel
Ein Zentrum der freien Szene: Das einstige Wigman-Haus in Dresden soll den Künsten erhalten bleiben

Zusammenspiel auf Augenhöhe: Alexa Farré-Brandkamp vom Gustav Mahler Jugendorchester und Henrik Woll von der Staatskapelle Dresden im Gespräch.

Quelle: Matthias Creutziger

Alexa Farré-Brandkamp studiert im sechsten Semester Violine am Konservatorium in Wien und ist seit 2012 im GMJO. Henrik Woll spielt 1. Violine in der Sächsischen Staatskapelle Dresden und gehört dem Orchestervorstand an. Im Doppelinterview mit Nicole Czerwinka erzählen beide, warum die Kooperation zwischen ihren Orchestern nicht nur bereichernd, sondern auch sehr wichtig ist.

Das Gustav Mahler Jugendorchester (GMJO) gehört zu den renommiertesten Klangkörpern für Nachwuchsmusiker. Wie schafft man es, dass man in diesem Orchester mitspielen darf?

Alexa Farré-Brandkamp: Es gibt in ganz Europa von Oktober bis Januar Probespiele für die jeweils zwei Tourneen des GMJO im Jahr - die Ostertournee und die Sommertournee - bei denen die Musiker dann zusammenkommen. Wer die Probespiele erfolgreich meistert, darf zunächst bei zwei Tourneen mitspielen. Danach muss er sich erneut dem Probespiel stellen. Ich selbst habe gerade die vierte Tournee mit dem GMJO beendet.

Wie sind Sie zur Sächsischen Staatskapelle Dresden gekommen, Herr Woll?

Henrik Woll: Der Prozess des Probespiels ist sicher vergleichbar. Der größte Unterschied zum GMJO ist, dass junge Musiker sich dort ausprobieren können. Sie müssen sich noch nicht festlegen, können Erfahrungen sammeln, die vielleicht eine Art Selbstfindung in Gang setzen. Zudem entscheidet bei uns natürlich das ganze Orchester, ob das Spiel eines Musikers von der Ausstrahlung und auch klanglich zu uns passt.

Die Staatskapelle Dresden ist dem Gustav Mahler Jugendorchester seit 2008 partnerschaftlich verbunden, 2013 hat sie eine Patenschaft für das GMJO übernommen. Was heißt das in der Praxis?

Alexa Farré-Brandkamp: Wir spielen auch während unserer Tourneen oft hier in Dresden. Außerdem gibt es diese Kooperationskonzerte, wie das 10. Symphoniekonzert. Das ist für uns etwas ganz Besonderes, denn sonst kommen junge Leute nicht mit einem so großen, wichtigen Orchester wie der Staatskapelle Dresden zusammen. Wir bekommen hier eine Woche lang unmittelbar mit, wie die Probenarbeit in so einem Profiorchester funktioniert. Das ist wirklich ein Privileg.

Was nimmt man aus so einer Woche als junger Musiker mit?

Alexa Farré-Brandkamp: Viel. Natürlich ein tolles Programm mit den weltweit besten Dirigenten, in diesem Fall Paavo Järvi. Aber nicht nur das. Ein Profiorchester braucht viel Routine, das ist schon anders als bei uns. Wir bereiten unsere Konzerte in der Probenphase mehrere Tage wirklich acht Stunden lang mit mehreren Stimmproben vor - und hier geht es direkt los. Das ist eine ganz andere Arbeitsdynamik, an die man sich einfach gewöhnen muss und die man lernen muss.

Henrik Woll: Das kann eine Hochschule auch nicht leisten. Sie kann ein Hochschulorchester aufstellen, das Arbeitspensum, die Routine, die Abläufe in so einem Orchester aber nicht nachstellen. Ich muss dazu sagen, dass 15 Kollegen aus der Staatskapelle ehemals im GMJO gespielt haben. Das ist eine Quote von über zehn Prozent. Deswegen sind wir davon überzeugt, dass wir eine Quelle für künftige Musiker in diesem Orchester haben. Die Zusammenarbeit ist auch deshalb wichtig, weil wir - wie alle großen Orchester in Deutschland - ein Nachwuchsproblem haben.

Warum ist gerade das GMJO so gut geeignet, um mit der Staatskapelle zu spielen und Nachwuchs zu generieren?

Henrik Woll: Das GMJO hat eine eigene Klangtradition, einen europäischen Klang. Das ist etwas, was andere Jugendorchester nicht in dieser Form pflegen. Es gibt zahlreiche Festivalorchester, die treffen sich ein paarmal im Jahr. Dabei ist die Fluktuation in so einem jungen Orchester enorm, es wird praktisch jedes Mal neu zusammengestellt. Das GMJO konzentriert sich dabei aber dennoch auf eine rote Linie.

Alexa Farré-Brandkamp: Dadurch, dass bei uns jedes Jahr ein Probespiel gemacht wird, sind natürlich auch jedes Mal sehr viele neue Leute dabei, aber man fühlt sich wie in einer großen Familie. Da ist immer dieser rote Faden da, obwohl man viele Leute nicht kennt, geht es trotzdem immer um das Gleiche.

Henrik Woll: Zudem ist das GMJO natürlich ideal für uns als Partner, weil eine sehr strenge Vorauswahl getroffen wird - ein Filter, in dem sich aus aller Herren Länder sehr gute Musiker durchsetzen.

Warum ist es heute so schwer, geeigneten Nachwuchs für Spitzenorchester wie die Sächsische Staatskapelle Dresden zu finden?

Henrik Woll: Es wirklich ein ganz wesentlicher Punkt, dass die frühe Klangbildung fehlt. Es gab schon Fälle, wo ein virtuoser Instrumentalist, der sein Instrument wirklich sehr gut beherrscht, im Probespiel gescheitert ist, weil etwas vom Klang her nicht zu uns passte. Hochschulen sollten meiner Meinung nach turnusmäßig und offiziell danach bewertet werden, wie viele ihrer Studenten Stellen in ersten Orchestern erreichen oder Karriere machen. Das Gütesiegel "Meisterklasse" ist nicht nachprüfbar.

Alexa Farré-Brandkamp: Das Spielen im Orchester ist ja auch Teamarbeit. Es geht nicht nur darum, dass jeder sein Instrument und seine Stimme perfekt spielt. Es geht auch darum, dass er ins Team passt. Das lernt man halt nicht im Studium, wenn man allein in der Kabine übt.

Kann man den typischen Klang der Staatskapelle lernen oder muss man ihn im Blut haben?

Henrik Woll: Es ist sicher beides der Fall. Man braucht eine Veranlagung, aber man wird es auch lernen, weil man eine ideal eingeschworene Gemeinschaft als Einzelner nicht umkrempeln kann.

Wäre ein Orchester wie die Staatskapelle Dresden nach dem Studium für Sie eine Option, Frau Farré-Brandkamp?

Alexa Farré-Brandkamp: Ja, ich würde sehr gern in so einem Orchester spielen. Mir ist eigentlich bisher noch egal, ob Opernhaus oder Sinfonieorchester - eines von beiden wird es, also in jedem Fall sicher Orchester.

10. Symphoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter Mitwirkung von Musikern des Gustav Mahler Jugendorchesters, Paavo Järvi (Dirigent), Hélène Grimaud (Klavier), am 11. Mai, 11 Uhr, und am 12./13. Mai, 20 Uhr in der Semperoper Dresden

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.05.2014

Nicole Czerwinka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr